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van Alex Olma
6. November 2014 – 10:08 Uhr

Das iPad Air 2

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Apples neues iPad hat etwas beeindruckendes geschafft: Hardware-Parität mit Laptops. Das Air 2 ist so schnell, dass die Rechenleistung kein Diskussionsthema mehr ist. ‚Computing-Power‘ ist nur noch wichtig für Geekbench, aber keine Fußfessel mehr im Alltag.

John Gruber:

In short, I don’t think performance is any longer a reason to buy a MacBook Air instead of an iPad Air. The choice comes down to form factor and personal preference. This marks a turning point.

Daring Fireball

Noch einmal langsam: „Das iPad Air 2 ist so schnell wie ein 2011er MacBook Air.“

Das Problem: (App-Store-)Software hat uns bislang nicht gezeigt, was wir mit dieser Wucht an Rechenleistung anstellen können. Seit einem Jahr rennt Apple mit seiner Hardware der Software davon. Lediglich eine Handvoll Spiele und ein paar Video-Apps kitzeln an der 2.5-fachen Grafikleistung (gegenüber dem ersten iPad Air) und dem Dreikern-Prozessor.

2 GB Arbeitsspeicher

Gegenüber dem Vorjahr hat sich der RAM verdoppelt; Apps, die nach einem App-Wechsel ständig neu gestartet sind, verweilen jetzt im temporären Speicher. Den meisten Nutzern wird das erst auf expliziten Hinweis auffallen, danach greift jedoch die Macht von ‚Einmal gesehen, nie mehr vergessen‘: Wer um die neue Qualität weiß, will nicht zurück (und wirft einen leicht traurigen Blick auf die zwei neuen iPhones, die von dieser Hardware-Aufrüstung ebenfalls enorm profitiert hätten).

Mark Brown testete, wie viele Anwendungen er laden kann bevor sein laufendes XCOM-Match neu starten muss.

In reality, you probably don’t need to open half the apps on your iPad mid-way through a game. But that extra gigabyte of memory means it’s easier than ever to multitask while gaming. Let’s hope this is the new normal for iOS devices going forward.

Pocket Gamer

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Online-Shopping mit Apple Pay

Mit dem iPad Air 2 zahlt man nicht im Einzelhandel, aber innerhalb von Apps. Mit Ausnahme von Lebensmitteln und Kleidung ist der Online-Einkauf für mich mittlerweile wichtiger als ein Shopping-Spaziergang durch die Stadt.

Egal wie viele Preisvergleiche ich durchführe, egal wie intensiv meine Produktrecherche ist: Amazon taucht darin immer auf, weil ich mir dort keinen neuen Account klicken muss, weil ich bereits eingewählt bin. Diese Art von Bequemlichkeit ist nicht zu unterschätzen.

Apple Pay birgt zumindest das Potenzial, zukünftig dieser 1-Click-Button für Apps zu sein.

Benedict Evans:

Finally, I suspect that for Apple the most important part of Apple Pay may be its use in apps, not at physical retail. If you can acquire a credit card and address with just one tap then a major cause of drop-off and cart abandonment goes away […].

Ben-Evans

Oder Ben Thompson:

Apple’s focus on creating a great user experience builds consumer loyalty. Consumers then put market pressure on Apple’s potential partners, which result in concessions to Apple, further enhancing the user experience

Understanding this circle and how it interacts with the relevant actors is the key to evaluating the prospects of Apple Pay.

Stratechery

Touch ID ist natürlich Pflicht. Nicht nur für Apple Pay und nicht primär um das Betriebssystem zu entsperren, sondern weil sich einzelne Apps damit abschließen lassen. Mit einer Fingersperre für 1Password, Dropbox und mein Day-One-Tagebuch fällt es mir nicht mehr so schwer das Gerät kurz auszuleihen.

Klar, iOS hat noch keine Mehrbenutzerkonten um Datenbestände tatsächlich zu trennen, Touch ID kapselt aber ausreichend gut ab um sein iPad schnell einmal in fremde Hände zu legen. Meinen Mac würde ich so nie weitergeben.

Touch ID ist deshalb mehr als nur eine Bequemlichkeitsfunktion. Die Hardware ermöglicht bessere Software und an der Anzahl von Apps, die Touch ID bereits jetzt verwenden, scheint ersichtlich wie leicht sich das Feature einbauen lässt.

???

Über das iPad mini 3 sprechen wir noch einmal separat.

Das Display

Apple drückt beim Air 2 den letzten Luftspalt aus dem Display. iOS wirkt jetzt abermals dichter am Finger, die Pixel flimmern noch näher am Auge. Das ist deutlich zu erkennen im direkten Vergleich mit einem iPad 3 oder 4.

Das erste iPad Air schlägt sich dagegen immer noch gut. Wer ein Upgrade-Argument sucht, findet es hier für die alten iPads; das Air aus dem letzten Jahr darf man sich so aber nicht überholungsbedürftig reden.

Die neue Anti-Reflexions-Beschichtung hebt das neue Gerät in dieser Generation allerdings von allen seinen Vorgängern ab.

Dr. Raymond Soneira:

A major innovation for the iPad Air 2 (that is not fully appreciated) is an anti-reflection coating on the cover glass that reduces ambient light reflections by about 3:1 over most other Tablets and Smartphones (including the previous iPads), and about 2:1 over all of the very best competing Tablets and Smartphones (including the new iPhone 6). We measured a 62 percent decrease in reflected light glare compared to the previous iPads (Apple claims 56 percent) and agree with Apple’s claim that the iPad Air 2 is “the least reflective display of any Tablet in the world” – both are in fact understatements.

DisplayMate

Die Naysayer

Im direkten Vergleich, bei Betrachtung der ersten vier Produktjahre, verkaufte das iPad doppelt so viele Geräte wie das iPhone zu seiner Zeit. Für jeden Mac, den Apple austeilt, gehen gleichzeitig drei iPads über den Apple-Store-Tresen. Trotzdem beherrschen ‚rückläufige Tablet-Verkäufe‘ und ‚die Zukunft dieser Produktkategorie‘ die Diskussion.

Ich gebe zu: Das iPad sucht auch im fünften Jahr noch nach seinem Platz zwischen großen Smartphones und dünnen Computern. Das fällt insbesondere schwer, weil das Tablet nicht nur eine einzelne Produktkategorie ersetzt wie es beispielsweise das iPhone mit seiner Funktion als Telefon tut.

Die durchschnittlich 15 Millionen neuen Kunden pro Quartal darf man trotzdem nicht vergessen. Kids lieben das Ding, genau wie Leute, die keinen Bock mehr auf PCs haben. Die Frage: „Wo passt das iPad rein?“ findet zum Teil nur in der Filterblase von Technik-Journalisten statt, die ignoriert, dass es dort draussen bereits 237 Millionen glückliche Nutzer gibt.

iPads sind keine Computer, trotzdem richten wir Computer-Bedürfnisse ans iPad. Wir fragen uns wie man davon druckt; wie man auf 128 GB alle seine Dateien ablegt. Das ist berechtigt und gleichzeitig ein hoher Anspruch für ein Gerät, das die ersten zwei Jahre als großer iPod touch beschrieben wurde und nun bitte alle Computeraufgaben aus dem letzten Jahrzehnt stemmen soll.

Außer Konkurrenz

Eine ernstgemeinte Frage: „Welches andere Tablet würdest du Freunden und Freundinnen empfehlen?“ Ein Samsung? Ein Asus? Ein Surface? Ein Lenovo? Ein Amazon?

An iPad-Alternativen mangelt es nicht, an Konkurrenz schon. Das iPad spielt a) in einer eigenen Preisklasse und differenziert sich b) durch sein Ökosystem aus Software von ‚den preiswerten Media-Tablets‘ sowie teuren PCs im Tablet-Formfaktor. Mitbewerber auf Augenhöhe finden sich nicht.

Das soll die anderen Geräte nicht abwerten, die Unterscheidung scheint mir aber wichtig. Windows macht SAP und Co.; die billigen No-Name-Schleudern mit Android spielen Musik und Videos ab; niemand von diesen beiden Kandidaten hat hochwertige Spiele oder eine breite Auswahl an kreativer Software.

Was ich sagen will: Tablet ist nicht gleich Tablet. Das iPad steht in seiner Kategorie weiterhin alleine.

Bevor ich den folgenden Gedanken vergesse: Apple folgte im Jahr 2010 einem Instinkt und bot eine eigene Hardware-Tastatur zusammen mit dem ersten iPad an. Das Zubehör verschwand ohne Kommentar wenige Monate später wieder aus den Apple-Store-Regalen. Jetzt wäre es an der Zeit, so etwas noch einmal neu aufzulegen – ähnlich der Surface-Tastatur. iOS ist mittlerweile so flink beim App-Wechsel, das man dafür einen Tastatur-Kurzbefehl möchte ohne die Finger von den Tasten zu heben. Die Zielgruppe dafür ist zwar prozentual klein, die (Außen-)Wirkung wäre aber signifikant.

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Ausblick

Meisterhafte Hardware soll nicht verschleiern, dass die Software hinter dem Tempo, mit dem das iPad derzeit in den Markt drückt, hinterherhinkt. Neben der noch unzureichenden Qualität von iOS 8 fehlt auch die Software-Unterscheidung zum iPhone. Apple verschenkt Potenzial und weiß das auch.

Das iPad leidet ohnehin unter dem Erfolg des Telefons. Während sich das Tablet großartig verkauft, schießt das iPhone größenwahnsinnig durch die Decke. Als Entwickler sind die Prioritäten damit klar: Sich ausschließlich auf das iPad zu konzentrieren, beschneidet die eigene Zielgruppe unverhältnismäßig. So entstehen iPhone-Apps zuerst. Eine iPad-Version wird oft nur nachgeschoben oder auf den größeren Bildschirm angepasst, anstelle ihn komplett neu zu denken. Selbst bei Apples iWork Suite hat man vier Jahre nach der ersten Veröffentlichung das Gefühl auf stehengebliebene Produkte zu blicken.

Khoi Vinh:

Improved specs matter, but Apple knows better than anyone that computing technology doesn’t win the market on specifications. What wins is superb software that makes people recognize how their lives could be made better by owning the underlying hardware.

Subtraction

Doch klar ist: Tablets verschwinden nicht mehr. Der Diskussion, die sich oft aufs heute und hier konzentriert, fehlt die Vogelperspektive. iOS auf iPads ist ein gesundes System, das sich weiterhin durch klasse Software seine Daseinsberechtigung erkämpft.

Schlussendlich führt das Henne-Ei-Problem – mehr iPads lässt mehr Software entstehen; mehr Software verkauft mehr iPads – zu einem Spiel auf Zeit. Und Apple hat genau dafür einen langen Atem. Das iPad Air 2 beweist dies einmal mehr.

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