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van Alex Olma
25. Oktober 2016 – 13:30 Uhr

Der Osmo Mobile

In einer einkaufsfreudigen Minute shoppte ich mir im Sommer eine DJI Osmo. Ein Fehler: Der Osmo Mobile ist (für mich) der mit Abstand passendere Gimbal (und im direkten Vergleich wesentlich praktischer als der Feiyu Tech G4 Pro).

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Der Osmo Mobile dient in erster Linie der Videostabilisierung für Smartphones, die man dort einklemmt. Das Highlight: Durch einen Balance-Regler passt nicht nur ein bestimmtes Smartphone-Modell in das Zubehör, sondern gleich eine große Auswahl. Solange das Telefon die Breite von 58.6 – 84.8mm einhält, und die maximale Gehäusedicke von 8.4mm nicht überschreitet, passt das. Alle aktuellen iPhones, zurück bis zum iPhone 5s, funktionieren1.

Neben dem reinen Ausgleich von holprigen Handbewegungen, der ein wackelfreies Videobild sicherstellt, beispielsweise wenn man seinen Kids durch den Garten hinterherrennt, bietet der intelligente Selfie-Stick eine ganze Reihe an Zusatzfunktionen – von Motion Timelapse bis ActiveTrack.

Alle Zusatzfunktionen startet ihr über die DJI-App (universal; Laden). Der Gimbal funktioniert jedoch auch in Apples Kamera-App oder in App-Store-Programmen wie FiLMiC Pro (universal; 9.99 ).

DJIs Software hat ihre Qualität und Stabilität im Laufe der Zeit zunehmend gesteigert, tritt euch manchmal aber mit den (nicht ausdrücklich abschaltbaren) Einblendung von Eigenwerbung auf die Nerven. „Hey, ich bin auch echt gespannt auf eure Drohne. Trotzdem brauche ich kein Werbe-Pop-up beim App-Start, der meine Aufnahme verzögert.“

Einmal eingerichtet, ist der Verbindungsaufbau über Bluetooth rasant. Kennt euer Telefon den Gimbal, verbindet er sich beim Starten der App automatisch und tatsächlich augenblicklich. Ein Umweg über die iOS-Systemeinstellung ist nie notwendig. Stellt man die Stoppuhr, dauert es maximal 20 Sekunden bis ich das iPhone eingeschraubt habe, die App gestartet ist und eine Aufnahme läuft – ein wirklich flotter Kaltstart.

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Die Verarbeitungsqualität der Hardware ist hervorragend. Der Justierbügel, der Joystick, die Smartphone-Halterung und der Fixierknopf fühlen sich unverwüstlich an. Auch der Handgriff (über-)erfüllt meine gehobenen Ansprüche an ein 340-Euro-Zubehör. Leider erinnert mich der Schaft sehr an eine Handfeuerwaffe. Im tiefen Schwarzton wirkt er fast einschüchternd. Ich wünschte, der Griff wäre ein bisschen bunter und könnte seine Seriosität abschütteln. Kreative Ideen zur DIY-Bemalung oder Beklebung werft ihr mir bitte gerne zu.

Die Akkus sind austauschbar und es empfiehlt sich ein paar mehr davon dabeizuhaben. Die durchschnittliche Laufzeit von 4h ist zwar ausreichend, die Ladezeit beträgt jedoch vergleichbare 3h. Damit man zum Aufladen nicht das außergewöhnliche ‚USB-auf-Klinke‘-Kabel verwenden muss, und der Osmo Mobile in dieser Zeit nutzlos rumliegt, empfehle ich ein externes Ladegerät.

Zubehör ist überhaupt ein gutes Stichwort: DJIs 60-Euro-Stativ – oder mindestens der 10-Euro-Plastik-Schuh – ist eine fantastische Idee. Eure Motion-Timelapse-Aufnahmen werden es euch danken.

Für wen? Für was?

Machen wir uns nichts vor: Ein Gimbal bedeutet Aufwand. Zuerst muss man die zusätzlichen 300 Gramm im Gepäck akzeptieren; dann muss man gewillt sein die besagten 20 Sekunden in den Aufbau zu investieren. Das mag nicht nach viel klingen, für eine simple „Oh, mein Kind macht gerade etwas lustiges“-Aufnahme ist es jedoch enorm viel Zeit.

Den Zwischenweg muss jeder für sich selbst finden, aber ich kann euch nach rund sechs Wochen mit dem Osmo Mobile nur begeistert berichten, wie viel besser stabilisierte Smartphone-Filmaufnahmen sind. Teilweise muss man fast aufpassen, dass die Kameraschwenks nicht deplatziert im privaten Familienvideo wirken. Der Videoschnipsel, der nämlich unbearbeitet am Ende einer Kamerafahrt mit dem Osmo Mobile aus dem iPhone fällt, wirkt beinahe zu professionell.

Nicht zu unterschätzen ist dabei die bessere Griffigkeit, die das iPhone automatisch bekommt, wenn man es einklemmt und an einem bequemen Handgriff durch die Gegend trägt.

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Da sich der Osmo Mobile via Bluetooth verbindet, bleibt die WiFi-Leitung frei – unverzichtbar fürs Livestreaming. Direkt integriert ist YouTube. Da das Accessoire aber auch außerhalb der Anwendung funktioniert, lässt sich damit auch periskopen. Und wer stabile Videobilder für seine Snapchat-Stories sucht, dreht den Osmo einfach seitwärts und filmt hochkant.

Wer regelmäßig videobloggt, findet viele Gründe für einen Kauf. Ich würde die Investition dafür sogar als ‚no-brainer‘ deklarieren. Allerdings lässt sich kein Mikrofon anbringen, da der Lightning-Anschluss durch die seitliche Gummi-Polsterung blockiert wird. Entweder euch genügt die Audioqualität des iPhones oder ihr zeichnet den Ton über ein zusätzliches Ansteckmikrofon, beispielsweise an einem zweiten iPod touch, separat auf.

Interessant ist das Feature ‚ActiveTrack‘, bei dem ihr eine Person im Videoausschnitt markiert und im Anschluss dem Osmo Mobile die Kameraführung übergebt. Für eine typische Kochshow oder die Uni-Vorlesung bleibt der Küchenchef beziehungsweise der Professor und die Professorin perfekt im Bild.

Portrait, Flashlight und Underslung

Die rückseitige Trigger-Taste ist mit vier Funktionen belegt (‚Lock Mode‘, das Zentrieren der Kamera, der Wechsel zwischen vorder- und rückseitiger Kamera sowie ein Zoom); die Auswahl der Zusatzfunktionen in der DJI-App ist selbsterklärend und die Ausrichtung (Portrait, Flashlight und Underslung) lässt sich durch eine entsprechende Handbewegung erreichen. Der Osmo Mobile zeigt sich insgesamt extrem verständlich und trotzdem gehört eine Portion Übung dazu ihn einzusetzen.

Videodateien landen nicht automatisch in die Fotobibliothek, sondern werden zuerst in der DJI-App abgelegt. Der Export ist unnötig umständlich. Ich verzichte aufs Rausspeichern am iPhone und ziehe mir meine Videos über iMazing auf den Mac.

One Gimbal to rule them all

Yes. Das Paket stimmt. Das iPhone habt ihr ohnehin dabei und der Osmo Mobile bietet neben der reinen Stabilisierung von Videoaufnahmen eine Handvoll hübscher Zusatzfunktionen mit denen er seinen Platz im (Reise-)Gepäck (für mich) rechtfertigt.

Er ist robust, schnell aufgebaut und simple zu bedienen. Trotzdem hat die Länge meines Unterarms. Das ist sehr kompakt für einen Gimbal, aber definitiv ungewohnt für alle, die bislang ausschließlich mit dem blanken Telefon in der Hand gefilmt haben. Wer das Zubehör jedoch in seinen Workflow einarbeiten kann und will, wird mit traumhaft stabilisierten Bildern belohnt.


  1. Bei Aufsteck-Objektiven spielt das Gewicht eine entscheidende Rolle. Mit einigen Optiken hält der Osmo Mobile sein Gleichgewicht, größere Linsen funktionieren nicht. Spezielle Anforderungen muss man ausprobieren. 

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