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van Alex Olma
11. September 2021 – 19:38 Uhr

Epic gegen Apple – ein (erstes) Urteil

Alle verlieren (so ein bisschen); vielleicht auch App-Store-Kund:innen. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers warf im ersten Urteil alle #FreeFortnite-Forderungen über Bord, schrieb jedoch eine wichtige App-Store-Regel um.

Apple besetzt mit seinem Download-Store keine Monopolstellung im Markt für „digital mobile gaming transactions“1. Es gibt zu wenige Anhaltspunkte, dass Apple seine eigenen Apps dort bevorzugt behandelt2. „Sideloading“ findet im 185-Seiten-Dokument lediglich zwei Erwähnungen; die (übrigens exzellente) Richterin sah den App-Store-Prüfprozess aber als Gewinn3 für die Gerätesicherheit an.

Sie erklärte Epic als vertragsbrüchig und forderte zu einer Nachzahlung für den PR-Stunt. Apple steht außerdem offen, ob sie Fortnite überhaupt zurück in den App Store lassen.

Die entscheidende Ausnahme betrifft Apples (bislang exklusive) In-App-Bezahlschnittstelle. App-Anbietern muss künftig erlaubt sein, auf alternative Bezahlmöglichkeiten zu verweisen.

Gonzalez Rogers formulierte dafür Apples App-Store-Regel (3.1.1.) um:

Apple Inc. and its officers, agents, servants, employees, and any person in active concert or participation with them (“Apple”), are hereby permanently restrained and enjoined from prohibiting developers from (i) including in their apps and their metadata buttons, external links, or other calls to action that direct customers to purchasing mechanisms, in addition to In-App Purchasing and (ii) communicating with customers through points of contact obtained voluntarily from customers through account registration within the app.

Es ist die größte erzwungene Änderung in der App-Store-Geschichte. Die Auswirkungen bleibt jedoch so lange abzuwarten, bis wir die praktische Umsetzung sehen. Sollte sich Apple weiterhin an seine 30-Prozent-Beteiligung klammern, fürchte ich das große Spieleplattformen zumindest ausprobieren, ob Kunden und Kundinnen ihren auch direkt Kreditkarteninformationen zustecken. Absurde In-App-Preise, schwierig zu kündigende Abos und keine (Kinderschutz-)Beschränkungen wäre dann zumindest vorstellbar.

Aber warum spreche ich explizit über Anbieter großer Spieleplattformen?

Aus der Entscheidung geht hervor, dass in den Jahren 2018 – 2019 „über 98-Prozent alle In-App-Umsätze aus Spielen stammen“4. „70-Prozent der gesamten App-Store-Umsätze erwirtschaften Spiele“ und dafür verantwortlich sind „weniger als 10-Prozent aller App-Store-Kund:innen“5.

Hier geht’s also nicht um Indie-Entwickler XY mit Productivity-App XY, sondern Schlumpfbeeren und Diamantenkisten.

„It’s not a good look.“

Aus der Sammelklage von US-Entwickler:innen ging kürzlich hervor: 586 Entwickler:innen verdienten zwischen 2015 und 2021 jährlich mehr als eine Million US-Dollar im App Store, während 67.000 Entwickler:innen weniger als eine Million verdienten.

Für wie viele dieser Entwickler:innen ist es überhaupt interessant, eine eigene Infrastruktur für Zahlungen, Stornierungen und Support einzurichten? Die App-Store-Kundschaft hat an unterschiedlichen Zahlungsmethoden ohnehin kein Interesse.

Zugegeben: Stripe macht so etwas dieser Tage unkompliziert. Die zusätzlichen Einnahmen müssen aber signifikant höher sein, um sich diese Arbeit neben der eigentlichen Softwareentwicklung noch ans Bein zu binden. Das fand übrigens auch Epic-Chef Tim Sweeney.

Epic’s lawyer asks Sweeney, “If Apple told you the deal would only be with you and no other developers,” referencing a carve-out for lower App Store commission, “would you have accepted that deal?”

„Yes I would have,” Sweeney says.

via Nick Statt

Nach dem ersten Prozessjahr stehen weder Epic noch Apple in einem positiven Licht – vorsichtig ausgedrückt. Hier streiten zwei milliardenschwere Technologiefirmen über den Geldstrom ihrer Kunden.

Dieser Imageschaden war unerheblich für den Ausgang des Rechtsstreits, aber prägt mitunter eine zukünftige Gesetzgebung. Apple blickt hier durchaus auf eine „You won the battle, but lost the war“-Situation.


  1. „Having defined the relevant market as digital mobile gaming transactions, the Court next evaluated Apple’s conduct in that market. Given the trial record, the Court cannot ultimately conclude that Apple is a monopolist under either federal or state antitrust laws. While the Court finds that Apple enjoys considerable market share of over 55% and extraordinarily high profit margins, these factors alone do not show antitrust conduct. Success is not illegal.“ 
  2. „Aside from his limited deposition excerpts, however, there is little objective evidence of self-preferencing. For instance, Apple Arcade apparently complies with App Store requirements that each game be individually downloaded.“ 
  3. „Thus, the Court finds that centralized distribution through the App Store increases security in the “narrow” sense, primarily by thwarting social engineering attacks.

    With respect to a “broader” definition of security, there is less dispute that app distribution restrictions help ensure privacy, quality, and trustworthiness. This again, stems primarily from human app review.“ 

  4. „By contrast, game apps are disproportionately likely to use in-app purchases for monetization. Over 98% of Apple’s in-app purchase revenue came from games in 2018 to 2019. Moreover, game transactions overall accounted for 76% of Apple’s App Store revenues in 2017, 62.9% in 2018, and 68% in 2020.“ 
  5. „Generally speaking, on a revenue basis, gaming apps account for approximately 70% of all App Store revenues. This 70% of revenue is generated by less than 10% of all App Store consumers. These gaming-app consumers are primarily making in-app purchases which is the focus of Epic Games’ claims. By contrast, over 80% of all consumer accounts generate virtually no revenue, as 80% of all apps on the App Store are free.“ 

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