Das iPhone XS (Max)

Der folgende Artikel ist über 20.000 Zeichen lang. Um ihn ein bisschen zugänglicher zu gestalten, habe ich ihn eingesprochen. Für Abonnenten von #one findet sich diese Audiodatei zusätzlich im persönlichen RSS-Feed.

Das iPhone XS (Max) ist die späte Erfolgsbestätigung für das iPhone X. Lediglich ein Jahr hat Apple für den kompletten Generationswechsel benötigt. Niemand stellt 12 Monate nach dem iPhone X noch die neue iOS-Gestensteuerung in Frage; Touch ID wirkt vergessen und der Umstieg aufs OLED-Display verlief ohne Schluckauf.

Mein Artikel über das iPhone X im letzten Jahr beschrieb, welche Wichtigkeit wir Smartphones in unserem Alltag einräumen; welchen Stellenwert sie einnehmen und dass es überhaupt nicht absurd ist, wenn wir für diese Geräte ähnlich viel bezahlen wie für unsere Laptops. Das Smartphone ist und bleibt unser wichtigster Computer.

Tim Cook sagte vor einem Jahr: „iPhone X is the most innovative product on the market. Jam packed with the best technologies on the market. Really set up as a smartphone for the next decade.” Das zweite Apple-Telefon in diesem „nächsten Jahrzehnt” ist das iPhone XS (Max).

Nach dem Generationswechsel der Hardware erhaschen wir mit Blick aufs diesjährige Line-up eine signifikante Änderung in Apples zukünftiger Verkaufsstrategie. Apples Umweltchefin Lisa Jackson betonte auf der September-Keynote: „We also make sure to design and build durable products, that last as long as possible. (…) And because they last longer, you can keep using them. And keeping using them is the best thing for the planet.“

Das war kein Versprecher, sondern das ist die neue Strategie:

To emphasize the second point she said Apple now strives to design and build durable products that last as long as possible. That means long-lasting hardware coupled with long-lasting software. She pointed out that iOS 12 runs even on iPhone 5S, now five years old. Because iPhones last longer, you can keep using them or pass them on to someone who will continue to use them after you upgrade.

Of course, there would be not much business without an environment and we should all strive for sustainability. But this is an existential observation, and it’s defensive. The important call to make is that Apple is making a bet that sustainability is a growth business.

Fundamentally, Apple is betting on having customers not selling them products.

Horace Dediu

Das iPhone ist schon lange nicht mehr nur ein Hardware-Geschäft. Es ist nicht mehr nur ein Business, das mit neuen Features von Jahr zu Jahr auf Kundenjagd geht. Die Kaufanreize für ein iPhone übersteigen die eigentliche Hardware.

Das ausgerufene Ziel ist: iPhone-Kunden sollen iPhone-Kunden bleiben. Dazu gehören Software-Updates für Sicherheit und Performance; dazu zählen schnellere Prozessoren, mit denen die Telefone auch in drei oder vier Jahren noch mithalten. Dazu gehören hochwertige (und zwangsläufig auch hochpreisige) Bauteile, die diese Zeitspannen genauso lange durchstehen. Dazu gehören Services, die nicht nur ihre Kunden und Kundinnen an ein Ökosystem binden, sondern dort tatsächlich Vorteile erbringen.

Apple verfolgt damit eine grundlegend andere Strategie als seine Mitbewerber. Es scheint eine Strategie zu sein, die sich nach dem Kunden richtet (Stichwort: „Mein Smartphone ist doch schnell genug!”). Kunden wechseln nämlich nicht von Jahr zu Jahr, sondern wenn ihre Geräte kaputtgehen, wenn sie für sich signifikante Verbesserungen in einem neuen Modell erkennen oder wenn Mobilfunkverträge auslaufen.

Eine Konsequenz von diesem Strategiewechsel findet sich in der aktuellen Produktaufstellung, bei dem das iPhone XS das iPhone X ersetzt. Normalerweise rutscht das Vorjahresmodell auf eine niedrigere Preisstufe; diesmal wird es durch das neue iPhone XR dort abgelöst. Nachdem das iPhone X sich in jedem Monat des letzten Jahres am besten verkaufte, fliegt es jetzt komplett aus dem Program. Kunden kaufen damit also kein „Vorjahresmodell“, sondern zum gleichen Preis ein neues iPhone XS; und für weniger Geld gibt es das iPhone XR. Aber soweit sind wir heute noch nicht: Das iPhone XR startet erst Ende Oktober. Heute geht es ums iPhone XS (Max).

Bitte nicht falsch verstehen: Apple will euch natürlich jedes Jahr ein neues iPhone verkaufen! Die Voraussetzungen haben sich jedoch geändert und das erfordert eine neue Strategie. Der letzte große Markt, in dem Apple noch keinen Fuß in der Tür hat, ist Indien. Und im Moment scheint man dort etwas strategielos. Deshalb schaut man a) auf wechselwillige Android-Kunden und b) auf einen Mehrwert für Bestandskunden. Ein langjähriger iPhone-Kunde ist auf Dauer nämlich viel wertvoller als jemand, der sich bei jedem Vertragswechsel neu für einen anderen Smartphone-Hersteller entscheiden kann.

Und genau deshalb bekommen die neuen iPhones auch neue Namen. Selten wäre es so passend wie in diesem Jahr gewesen, alle lästigen Zahlenanhänge abzuschütteln. XS, XR und insbesondere XS Max stolpern mir über die Zunge – rund klingt das nicht. Ich mag die Namensgebung in diesem Jahr wirklich nicht. Ich persönlich hätte am liebsten ein „iPhone (2018)” gekauft. Ich arbeite aber auch nicht in einem hochbezahlten Marketing-Job und unterschätze wahrscheinlich die Zugstärke – insbesondere von dem so absurden „Max”-Anhängsel – den ein individueller Name mit sich bringt.

Die Kamera

Aber Schluss damit, nur die Zehen ins Wasser zu halten; springen wir endlich rein. Die Kamera des iPhone XS (Max) ist das entscheidende – und gleichzeitig auch das am meisten unterschätzte Feature in diesem Jahr.

Der Porträtmodus – ursprünglich eingeführt mit dem iPhone 7 Plus – gewinnt deutlich an Geschwindigkeit – einer meiner größten Kritikpunkte wenn man ein Foto mit Tiefenunschärfe von seinen nicht still sitzen wollenden Kindern möchte. Während man mit dem iPhone X noch echt Glück beim Timing eines solchen Fotos benötigte, gelingen diese Aufnahmen nun zählbar häufiger. Vielleicht ist es unnötig zu erwähnen, aber der Vergleich zwischen dem iPhone XS und einer Spiegelreflexkamera mit dickem Glas, bleibt weiterhin überflüssig. „Computational photography” übertrifft weiterhin nicht eure Sony, Nikon oder Canon – insofern ihr sie dabei habt!

Bei der schlicht verbesserten Geschwindigkeit bleibt es aber nicht: Die Hintergrundunschärfe (der „Bokeh-Effekt“) lässt sich nun per Tiefen-Kontrolle in der Kamera-App einstellen. Sprich: Wenn ein Porträt-Foto nicht gelingt, entfernt ihr das Bokeh und verbleibt mit einem sehr guten Foto, das in allen Fotoecken knackig scharf ist. Ich habe bislang kein Foto geschossen, bei dem ein voll aufgedrehter Bokeh-Effekt wirklich gut aussah. Sich jedoch in den mittleren Regionen der Tiefenunschärfe auszutoben, hilft bei vielen Bildern.

Die Tiefen-Kontrolle dreht jedoch nicht nur die Stärke des verschwommenen Bildbereichs auf oder ab, sondern ändert auch die Gestalt der Lichtkugeln, so wie es eine richtige Kamera macht. Fotos mit Hintergrundunschärfe konnte man bereit unter iOS 11 über Drittanbieter-Apps wie Halide oder Darkroom ändern – das ist aber nicht der gleiche Bokeh-Effekt, den das iPhone XS erfasst. Zugegeben: Die meisten Leute erkennen die Feinheiten für den Unschärfebereich wahrscheinlich nur in einem direkten 1:1-Vergleich. Trotzdem gewöhnt sich jedes Auge an bessere Fotos.

Die Tiefen-Kartierungen, die aus dem Schulterschluss der Apple-eigenen ‚Neural Engine‘ sowie dem Bildprozessor aus Cupertino entstehen, sind mehrere Größenordnungen präziser. Porträt-Fotos aus einem iPhone 7 Plus verarbeiten abstehende Haarbüschel teilweise als komplette Blöcke; das iPhone XS unterscheidet unter guten Lichtbedingungen sogar einzelne Haare. Auch Entwickler haben Zugriff auf diese detailreiche „segmentation mask“.

Natürlich profitiert der Porträtmodus ungemein vom verbesserten Kamerasensor mit tieferen und größeren Pixeln. Während bislang nur Porträtfotos bei optimalen Lichtverhältnissen möglich waren, gelingen jetzt auch Aufnahmen von Gesichtern, Personen, Tieren und Objekten, die nicht in direktem Sonnenlicht stehen.

Smart HDR

Richtig auffällig wird das bei einer Technik, die Apple als „Smart HDR” verkauft. An meinem Selbstporträt sieht man deutlich, wie viel ausgeglichener das Foto vom iPhone XS gegenüber dem iPhone X ausfällt. Man kann argumentieren, dass diesem Bild der Kontrast fehlt, aber man kann ihm nicht absprechen, dass Bildpartien sichtbar werden, die vorher einfach abgesoffen sind.

Smart HDR lässt sich für die rückseitige Kamera in den Einstellungen abschalten; alternativ kann man auch das „normale“ Foto behalten. Die meisten Foto(-Situationen) profitieren aber enorm von Smart HDR – zumindest auf der Keynote verkaufte Apple dieses Feature unter Wert.

Smart HDR brilliert wenn man direkt in die Sonne fotografiert (Was man wirklich nicht machen sollte!) oder bei Fotos, die sowohl sehr dunkle wie auch sehr helle Bildbereiche haben. Sonnenlicht, das durch ein Fenster fällt und dadurch Schatten erzeugt, wäre ein Klassiker: Normalerweise sieht man auf solchen Aufnahmen entweder ‚nach draußen‘ oder ‚nach drinnen‘, aber erkennt nie beide Bildbereiche vollständig.

Um dies zu ermöglichen, knipst das iPhone XS vier Fotos die normal belichtet werden – manche davon sogar bevor man den Auslöser drückt. Zwischen diesen einzelnen Frames erfasst das iPhone zusätzlich Bilder, die über- beziehungsweise unterbelichtet sind und baut daraus ein einziges (bestmögliches) Foto. Das ist keine Spielerei und das ist kein besonderer Fotomode, den die Person hinter der Kamera beachten muss: Smart HDR erzeugt Bilder, die sich selbst mit kostspieligem Kamera-Equipment und einem entsprechend fähigen Fotografen nur schwierig anfertigen lassen. Nicht jedes Foto mit Smart HDR ist automatisch ein Treffer, die Ergebnisse sind aber durch die Bank faszinierend.

Unterm Strich bedeutet das: Normale Personen knipsen normale Fotos, die mit Smart HDR grundlegend besser aussehen. Genau deshalb erachte ich dieses Feature für nicht ausreichend bejubelt.

Panorama + Video

Ich knipse recht selten Panorama-Fotos, aber auch dort bekommt man nun erstmals die HDR-Funktion.

Der Sensor für das rückseitige Weitwinkel-Objektiv ist 30% größer als im Vorjahr. Eine Information, die man Apple aus der Nase ziehen musste. Das ist relativ erstaunlich, weil Apples Werbeseite für das iPhone XS irrsinnig viele Infos bereitstellt, aber die neue Sensorgröße, die einen signifikanten Unterschied macht, keine einzige Erwähnung bekommt.

Die größeren Pixel und der größere Sensor führen zu einer besseren Performance unter suboptimalen Lichtverhältnissen. Sobald Fotos in den frühen Abendstunden entstehen, sieht selbst ein ungeschultes Auge die Unterschiede zwischen dem iPhone X aus dem letzten Jahr und dem aktuellen iPhone XS. Das iPhone X knipst beileibe keine schlechten ‚Low Light‘-Fotos; aber das XS übertrumpft spielend seinen Vorgänger.

Videografen bekommen mit ‚Auto Low Light FPS‘ eine kleine Besonderheit: Wenn Ihr 4K-Video mit 30 Frames aufnehmt, zeichnet das iPhone zusätzliche Einzelbilder auf, die es dann ins Videobild einarbeitet um Bildrauschen zu minimieren. Diese Funktion in Kombination mit dem größeren Bildsensor produziert ‚Low-Light‘-Videos, die in puncto Qualität ein Kleinkind vom iPhone X unterscheiden kann.

Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden

PHA+PGlmcmFtZSBsb2FkaW5nPSJsYXp5IiBzcmM9Imh0dHBzOi8vcGxheWVyLnZpbWVvLmNvbS92aWRlby8yOTMzMTc4MTk/ZG50PTEmY29sb3I9MTQ5NzkxJmFtcDt0aXRsZT0wJmFtcDtieWxpbmU9MCZhbXA7cG9ydHJhaXQ9MCIgd2lkdGg9IjY0MCIgaGVpZ2h0PSIzNjAiIGZyYW1lYm9yZGVyPSIwIiBhbGxvd2Z1bGxzY3JlZW49ImFsbG93ZnVsbHNjcmVlbiI+PC9pZnJhbWU+PC9wPg==

Ein ganz persönlicher Tipp: Apple liefert das iPhone weiterhin mit der Standardeinstellung von 1080p für Videoaufnahmen aus. Seit der Formatumstellung auf HEIF/HEVC kostet die 4K-Videominute mit 30 Frames aber „nur” noch überschaubare 170 Megabyte. Die gleiche Videominute in 1080p frisst zwar nur 60 Megabyte, aber tut euch selbst einen Gefallen und wählt die bessere 4K-Qualität. Spätestens in ein paar Jahren seid ihr für das Upgrade dankbar.

Front-Facing

Die vorderseitige Kamera im iPhone XS und iPhone XS Max ist im Gegensatz zum iPhone X stabilisiert. Sie ist zwar weiterhin auf eine 1080p-Qualität limitiert, ein wackelfreier ‚Walk and Talk‘ im Selfie-Mode macht jedoch einen deutlichen Unterschied.

Das iPhone ist obendrein das erste populäre Smartphone, dessen Audioaufnahmen in einer Stereo-Spur vorliegen.

Die Performance

Seit Jahren wird behauptet: „Mein Telefon ist schnell genug!” Das lässt sich auch leicht sagen, wenn man immer nur vorwärts schreitet. Wer traut sich, und versucht nach einem Jahr mit dem iPhone X wieder auf ein iPhone 6S zu wechseln?

Performance kann man messen, aber richtig sichtbar wird sie erst in echten Funktionen. Das beginnt bei der ‚Neural Engine‘ für die Gesichtserkennung in Fotos; viele der oben genannten Fotofunktionen könnten ohne den A12-Chip so nicht durchgezogen werde. Ein zukünftiges iOS-Update wird die Tiefenkontrolle – den erweiterten „Bokeh-Mode” – nicht nur im Anschluss an ein bereits geschossenes Foto verstellen können, sondern in einer Live-Vorschau – also während ihr das Foto knipst – möglich machen. Genau wie Smart HDR oder die Aufzeichnung der zusätzlichen Einzelbilder bei ‚Low-Light‘-Videoaufnahmen sind ohne Dampf hinter CPU und GPU nicht auszuführen – die Core-ML-Performance steht nochmals auf einem ganz anderen Blatt.

Und auch gegenüber dem iPhone X, das keinesfalls schwachbrüstig daherkam, fallen Unterschiede auf. Apps starten schneller – 30% schneller sagt Apple. Egal wie viele Prozentpunkte es sind: Das Gefühl, dass sich eine App flotter öffnet, kann ich nachvollziehen und ist wichtiger als der tatsächliche Zahlenwert.

Die kürzere Zeit beim Entsperren mit Face ID lässt sich dagegen schwieriger feststellen, weil die Gesicht-Authentifizierung mit fortschreitender Nutzung dazulernt (und euch deshalb dann auch schneller und mit höherer Trefferquote erkennt). Apple umschreibt Face ID im iPhone XS (Max) als „weiterentwickelt“ – nicht als eine Version 2. Ich habe Apple explizit nach ihrer Wortwahl gefragt. Im Gegensatz zu Touch ID, das in seiner zweiten Generation (beim iPhone 6S) primär auf neuer Hardware beruhte, profitiert Face ID im neuen XS hauptsächlich durch maschinelles Lernen, neue Algorithmen und eine verbesserte ‚Secure Enclave‘.

Wenn man das iPhone X neben ein XS hält und beide Telefone zum Gesicht neigt, sieht man die Millisekunde, mit der das Schloss auf dem XS früher aufspringt. Ohne einen direkten Vergleich ist der Geschwindigkeitsgewinn für Face ID aber nicht zu erkennen. „Weiterentwickelt“ trifft es deshalb wahrscheinlich besser als „Face ID 2“.

Max(-imal)

Man kann nicht ausreichend loben, dass es in diesem Jahr keinen signifikanten Unterschied mehr zwischen dem iPhone XS und dem iPhone XS Max gibt – abseits des größeren Bildschirms natürlich. Das „Max“ fühlt sich für mich, der in den letzten Jahren aufgrund der besseren Kamera immer das Plus-Modell bevorzugte, so ein bisschen wie „nach Hause kommen” an. Ich tippe beispielsweise viel bequemer auf der Tastatur.

Das Max ist ein Telefon, das man mit zwei Händen benutzt. ‚Reachability‘ ist für mich keine Option. Ich nehme die Größe in Kauf, weil jedes Video so viel voluminöser aussieht; weil ich zwei bis drei Tweets mehr in meiner Timeline sehe und weil mir die Fotobearbeitung leichter fällt.

Ich begrüße es sehr, dass sich der Homescreen des iPhone XS Max nicht mehr dreht – ich empfand das immer als anstrengend. Die minimalen Layout-Änderungen in iMessage oder der E-Mail-App kann ich weitgehend ignorieren. Ich hätte aber auch nichts dagegen, wenn Apple das ‚Widescreen‘-Layout aus einigen seiner Apps wieder rauswirft.

Ich vermisse allerdings eine Split-Screen-Ansicht, so wie ich sie auf dem iPad konstant benutze. Das iPhone XS Max wäre groß genug für eine produktive Kombination aus Twitter + YouTube.

Außerdem kehrt der Zoom-Mode zurück, der alles ein wenig größer zieht und damit den Bildschirm leichter lesen lässt. Ich persönlich bevorzuge die „Standard“-Ansicht mit der kleinsten Textgröße.

Ich bin sehr überrascht, dass iOS auch für die zweite iPhone-Generation mit OLED-Bildschirm keinen systemweiten „Dark Mode“ anbietet – der Akku würde enorm davon profitieren. Ich hatte eine solche Änderung schon im letzten Jahr erwartet, zusammen mit einem ‚Always-On‘-Lockscreen.

Das insgesamt größere Display führt deutlich vor Augen, wie angestaubt das Homescreen-Layout bereits ist. Mit iOS 13 sollte Apple das Gitternetz-Design radikal überdenken.

Charging

Ganz ehrlich: Den Aspekt Akkulaufzeit habe ich über die letzten zwei Jahre gedanklich abgehakt. Eine halbe Stunde hin oder her macht für mich keinen Unterschied mehr. Und weil kein Hersteller tatsächlich größere Sprünge macht, die es rechtfertigen würden, sich das Thema nochmal genauer anzuschauen, kommt man mit modernen Smartphones irgendwie durch. Ich finde, wir sind umgeben von Stromquellen – von Steckdosen in Kaffeehäusern bis zu USB-Ports an Flughäfen; von externen Akkupacks bis zu kabellosen Charging-Pads, die nur wenige Euro kosten. Mit ‚Fast Charging‘ reicht es aus, das Telefon nur 30 Minuten anzustecken und dabei über 50% aufzuladen.

Was mich allerdings tatsächlich erzürnt, sind die beim iPhone XS (Max) beigelegten Accessoires. Es ist frech, ein 5W-Netzteil in die Packung zu stecken, wenn ein ‚Fast-Charging‘-Netzteil in der Zeit, in der ich morgens dusche, meinen Akku halbvoll pumpt.

Und warum liegt eigentlich kein Qi-Ladepad mit in der Schachtel? Obwohl ich persönlich weiterhin das Kabel bevorzuge, laden das iPhone XS und XS Max nun „kabellos“ zwischen 5% und 20% schneller – an den gleichen 7.5W-Ladepads. Obendrein muss man es nicht mehr so präzise auflegen wie die vorherigen iPhone-Modelle.

Es fällt mir tatsächlich schwer, meinen Ärger über das 5W-Netzteil zu zügeln. Es ist vergleichbar geizig wie die mickrigen 5 GB an kostenlosem iCloud-Speicherplatz. Mit ein paar Cent mehr pro Gerät könnte Apple das Erlebnis an ihrem Flaggschiff um einige Dimensionen besser machen.

Fazit

Wer strikt auf eine Kaufberatung aus ist, dem fehlt derzeit noch der Blick aufs iPhone XR. Ich halte es für sehr plausibel, dass das iPhone XR ein Renner wird, der keine echten Kompromisse eingeht. Es sieht im Moment danach aus, dass sich das XR in vielen signifikanten Aspekten nicht vom XS unterscheidet, sondern dass das XS die schlicht luxuriösere Ausführung im diesjährigen Line-up ist. Aber dieser Vergleich bleibt abzuwarten, bis wir die komplette Produktlinie tatsächlich vor uns haben.

Ganz objektiv kann man derzeit Apple nur zustimmen, wenn sie (wie jedes Jahr) sagen: „Dies sind die besten iPhones, die wir jemals gemacht haben“. Im Schnitt wechseln iPhone-Kunden alle 2.3 Jahre auf ein neues Gerät. Wenn wir also über potenzielle Käufer sprechen, sprechen wir über Kunden, die derzeit noch ein iPhone 6, 6s und 7 benutzen. Wer über ein Upgrade von diesen Telefongenerationen auf ein aktuelles Modell nachdenkt, wird sehr begeistert sein.

Selbst der Sprung vom iPhone X aufs XS, ein Upgrade, das vergleichsweise wenige Kunden in Erwägung ziehen, fällt trotzdem zählbar aus. Das größere Display im iPhone XS Max ist dabei zu erwähnen, Smart HDR, die dynamische Tiefenschärfe, der 15% CPU- und der 50% GPU-Performancegewinn, das etwas schnellere Face ID, die höhere LTE-Geschwindigkeit, eine längere Akkulaufzeit, die Wasserfestigkeit nach IP68-Norm (bis zu 30 Minuten und in einer Tiefe von bis zu 2 Metern), ein NFC-Chip, der auch ohne Telefon-Akku noch funkt, ein schnelleres kabelloses Aufladen, vier integrierte Mikrofone, die Stereo-Ton aufzeichnen, HDR für Videoaufnahmen bei 30 FPS, eine stabilisierte Frontkamera sowie die Dual-SIM-Unterstützung.

Aber wie gesagt: Das sind lediglich die Vorteile des iPhone XS (Max) gegenüber dem iPhone X aus dem letzten Jahr. Der gefühlte Sprung, den man von allen anderen Modellen bekommt, ist schlicht phänomenal.