Apple verteilt am heutigen Abend iOS 8.3 beta 3 an Entwickler und startet mit der identischen Version (12F5047f) in ein öffentliches Beta-Programm. Die Anmeldung erfolgt mit der eigenen Apple ID auf dieser Webseite. Derzeit ähnelt dies jedoch eher eine Bewerbung: Die Freischaltung erfolgt entweder peu à peu oder per Zufallsauswahl.
Interesse an der iOS-Vorabversion ist kostenlos und unverbindlich. Erst wenn man sich zur Installation entschließt, gilt es die Beta-Bezeichnung ernst zu nehmen. Das betrifft nicht primär Apples Betriebssystem, das hier noch wackelt und ruckelt. In erster Linie gilt dies für Software, die man sich aus dem App Store installiert. Entwickler sind nicht angehalten ihre Apps auf Testsystemen zu überprüfen. Podcast-App Overcast war beispielsweise ein Kandidat, der zuletzt nicht unter der Beta 1 von iOS 8.3 lief. Und der Fix, den man als Beta-Tester grundsätzlich nicht erwarten darf, hing zwei Wochen im Review-Prozess.
BuzzFeed entsendete zwei Journalistinnen zum ‚Spring Forward‘-Event. Ihr Video, inzwischen 1.2 Millionen Mal angeschaut, spaltet die Gemüter.
Tech sites will have a very difficult time adopting a model where emotion is the primary focus of their gadget reviews. If The Verge tried to do an Apple Watch demo like BuzzFeed, their users would rise up in revolt and the reviewer would probably be dismissed (or told to correct the video).
Während die (Technik-)Presse weiter über den Preis und die generelle Berechtigung von Apple Watch streitet – ohne sie (länger als 5min) ausprobiert zu haben, blenden Quinta Brunson und Chantel Houston alle technischen Spezifikationen aus und sprechen mit Bauchgefühl. Journalistisch ist das ähnlich fragwürdig wie jedes ‚Hands-On‘-Review von Produkten, die man zwei Minuten zuvor noch nie gesehen hat. Das BuzzFeed-Video fühlt sich im direkten Gegensatz dazu beinahe ehrlicher an.
Die Apple Watch ist seit Jahrzehnten die erste Produktinnovation aus Cupertino, die keinerlei Sehnsüchte auslöst. Über zehn Jahre lang hat uns die Mobilbranche das Tragen von Armbanduhren abgewöhnt, jetzt plötzlich sollen wir uns dieses klobige Teil umschnallen – und trotzdem noch das Handy dabei haben?
Manchmal erschreckt es, wie tief der Zynismus sitzt, mit dem Leute, die Technik (beruflich) beschreiben, sich nicht mehr an neuen Dingen begeistern können. Nichts gegen eine kritische Meinung – ich selbst bin gespannt darauf wohin sich Computer am Körper entwicklen, aber die Reduzierung auf äußere Faktoren (Preis und Verfügbarkeit), genau wie alle absehbaren Weiterentwicklungen (Batterielaufzeit und Größe), vermisst Weitsicht, oder? Warum erzürnen uns immer noch Tech-Specs, obwohl diese Werte schon heute im Alltag kaum noch eine Rolle spielen?
Dazu gesellt sich die Diskussion nach dem ‚Warum‘. Apples Präsentation war (meiner Meinung nach) pointiert, aber auch ich habe die Veranstaltung nicht mit einer „Ach-deshalb-die-Uhr“-Erleuchtung verlassen.
Das Konzept einer Uhr, in einer Welt gefüllt mit Telefonen, die uns ständig die Uhrzeit anzeigen, ist ohnehin vielleicht keine Funktion mehr. Uhren sind Schmuck. Uhren sind Mode. Fashion übersteigt für mechanische Modelle bei weitem ihre Funktion. Wer heute eine Uhr trägt, der ist nicht darauf angewiesen die Zeit davon abzulesen. Die Uhrzeit herauszufinden, ist kein Problem unserer Generation. Man könnte übertreiben und sagen: Unsere Zeit richtet sich nicht mehr nach der Uhr; zumindest nicht nach dem Konzept, das hinter einer Uhr steht. Unsere Kommunikation, unsere ToDo-Apps, unsere Push-Nachrichten und unsere Kalender zerlegen für uns bereits den Tag; sie reservieren Zeiteinheiten, nach denen wir uns dann richten.
Apple Watch ist alles andere als funktionslos. Es ist ein Sportinstrument und bietet die Möglichkeit mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Wer heute noch gegen die Macht von Apps wettet, wird verlieren. Und trotzdem beantwortet Fashion derzeit in erster Linie die Fragen nach dem ‚Warum‘.
Ich schließe mich da nicht aus. Technik hat in meinem Leben einen so großen Anteil, dass sie mich auch optisch ansprechen muss. Das ist eine persönliche Präferenz. Meine Computer brauchen Stil, müssen in meinen Augen hübsch sein, sonst fällt es mir schwer mich damit zu identifizieren, sie (über mehrere Stunden) zu benutzen.
So denkt keineswegs die ganze Technikwelt. Sonst hätten wir Produkte wie [hier den Name von einem hässlichen Netbook einsetzen] übersprungen; sonst hätte der Mac nach meinem Geschmack mehr Marktanteile.
Viele Kunden präferieren eine Gratis-App mit blinkenden Werbebannern über der 2-Euro-Alternative, die mit viel Liebe und Sorgfalt ihren Feinschliff erhielt. Ich halte das für absolut valide und würde mir nie anmaßen über die Vorlieben oder den Geschmack anderer zu urteilen. Wofür wir Geld ausgeben, was einem wichtig ist, ist so unterschiedlich, das wir es uns als Gesellschaft generell sparen jedes Mal neu darüber den Kopf zu verlieren.
Niemand schüttelt den Kopf wenn ich mir Sneaker für über 100Euro kaufe. Niemand schüttelt den Kopf wenn Nike mir Sneaker für über 100Euro verkauft. Nichts anderes gilt für die Preise der Apple Watch(-Armbänder). Mode ist ein nachvollziehbarer Grund, eine Betrachtungsweise für die Kaufentscheidung.
„Apple Watch: Braucht kein Mensch“. Die Liste von Dingen, die niemand braucht, ist lang. Disney World, Parfüm und Spiegel Online, die dir sagen was du nicht brauchst. Aber manchmal, ja manchmal ‚gönnt man sich den Spaß‘.
Ich weiß aber schon jetzt: Ohne Funktion hält sich Apple Watch nicht an meinem Handgelenk. Funktionsarmut hat mir die Uhr vor einigen Jahren vom Handgelenk getrieben. Fashion war für mich nicht Grund genug sie zu tragen. Einzig und alleine Funktionen könnten ‚die Uhr‘ wieder zurückholen. Und genau deshalb ist mir schleierhaft, wie man sich an der derzeitigen Ungewissheit, für diesen moderaten – möglicherweise radikalen Wandel, der schon im April beginnt, nicht begeistern kann.
Ich bin ein großer Fan von Ulysses auf dem Mac (45Euro; MAS-Link). Seit heute existiert das Gegenstück der Schreibsoftware auch auf dem iPad (20Euro; App-Store-Link). Meine Kurzvorstellung habe ich aufgeschrieben, eingesprochen und mit ein paar bewegten Bildern der Desktop- und iOS-App ins folgende 3-Minuten-Video1 gemischt.
2007: ein Telefon, ein Breitbild-iPod mit Touchscreen und ein „Breakthrough Internet Communicator“.
2015: ein präziser Zeitmesser, ein revolutionäres Kommunikationsgerät und eine fortschrittliche Sportuhr.
Im Gegensatz zur alten Steve-Jobs-Show folgte gestern die Ergänzung: „…and so much more“. Beim zweiten Durchlauf der Keynote fiel mir auf, wie pointiert Apples Aussagen zur Watch saßen. Die Präsentation leierte keine Features runter, sondern zeigte sich zusammenhängend – mit klarer Struktur. Kevin Lynch bestellte mit Apple Watch einen Uber zum Flughafen, schritt mit der Bordkarte auf der Uhr durch die Sicherheitskontrolle und öffnete sein Hotelzimmer ohne Schlüssel. Zwischendrin schrieb er der Familie und (fern‑)steuerte sein Haus.
Das klingt unspektakulär, fast langweilig. Es ist kein Holodeck-Versprechen oder ein selbstfahrendes Auto. Für eine absehbare Zukunft, die schon nächsten Monat beginnt, ist das allerdings mächtig. Apple beschrieb Funktionen, wie wir sie alle im Alltag wiederfinden. Shazam am Armgelenk, um herauszufinden welcher Song gerade im Autoradio spielt, ist praxisnah. Es ist kein Gedankenexperiment oder eine Vision was Computer am Körper einmal leisten können, sondern bereits im April Realität. Nicht zu vergessen: Health in Verbindung mit ResearchKit.
Apple Pay ist in den USA schon heute ein Hit. Apple Watch vereinfacht die Bezahlung erneut. Da dieses Angebot im Moment jedoch nur dort gilt, definiert dies den kleinsten gemeinsamen Nenner. Apple Watch als „unsere persönlichste Technologie“.
Natürlich war das Maß an Spektakel, das Apple gestern abfeuerte, begrenzt. Nach dem Herbst-Event im letzten Jahr kannte jeder den groben Leistungsumfang, den Apple Watch in seiner ersten Generation abdeckt. Apple trommelte in der gestrigen Veranstaltung noch einmal kräftig für diese Basics, die sie ähnlich wie das Preisspektrum und die Batterielaufzeit verständlich kommunizierten. Das muss nicht jeder für sich als begehrenswert empfinden, das muss nicht jeder jetzt kaufen, aber man muss festhalten, das die gestrige Erklärung funktionierte1.
Tim Cook gelang außerdem der Spagat, das iPhone als absolut notwendige Komponente herauszuarbeiten. Apple Watch spricht nicht nur über Bluetooth, sondern auch über WiFi mit dem iPhone. Zuhause oder im Büro muss man sein Telefon also nicht in Armlänge halten um Apple Watch zu benutzen. Apple unterstrich, woher die Apps kommen: aus dem App Store auf dem iPhone.
Apple Watch darf man sich für eine lange Zeit nicht ohne ein iPhone vorstellen, selbst wenn die Apps wie angekündigt bald eigenständig auf der Uhr laufen.
Fine, the Apple Watch may well “empower and enrich” the lives of those who wear it. As I said, the use-cases on parade today were compelling, and I haven’t even touched on the possibilities hinted at by the debut of the associated health diagnostic platform ResearchKit. But it’s also going to power iPhone sales. It’s going to push veteran iPhone users to upgrade to new iPhones and it’s going to give folks on rival mobile platforms one more reason to switch.
Zwei Fußnoten, die unter jeder Apple Watch stehen, sich in der Praxis aber erst beweisen müssen:
*Die Tests wurden von Apple im März 2015 mit Prototypen der Apple Watch und der zugehörigen Software durchgeführt, die mit einem iPhone mit Prototypensoftware verbunden waren. Die Ladekapazität einer Batterie für den ganzen Tag basiert auf 18 Stunden bei folgendem Gebrauch: 90 Display-Aktivierungen durch Armheben, 90 Benachrichtigungen, 45 Minuten App-Nutzung und 30 Minuten Training mit Musik von der Apple Watch mit Bluetooth im Verlauf von 18 Stunden. Die Batterielaufzeit variiert abhängig von Verwendung und Konfiguration. Die tatsächliche Laufzeit kann variieren.
**Die Apple Watch ist wassergeschützt, aber nicht wasserfest. Das heißt, du kannst die Apple Watch zum Beispiel beim Training, im Regen oder beim Händewaschen tragen und verwenden, aber ein Eintauchen der Apple Watch in Wasser ist nicht zu empfehlen. Die Apple Watch ist nach IEC-Norm 60529 als Wasserschutzkategorie IPX7 klassifiziert. Die Lederarmbänder sind nicht wasserbeständig.
Generelle Batterie-Informationen der Apple Watch finden sich in diesem Dokument. Die Einstufung zur Wasserbeständigkeit beschreibt Garmin, selbst Hersteller von Wearables, wie folgt:
Trotz 38 Modellen bleiben die Preise für Apple Watch übersichtlich und nachvollziehbar – kein Vergleich zum traditionellen Uhrenmarkt, mit dem Apple seit heute in Konkurrenz steht.
Die Übersicht:
Apple Watch Sport, im Aluminiumgehäuse mit Ion-X Glas, rangiert von 399 bis 449Euro. Die Preisdifferenz erklärt sich ausschließlich durch die zwei unterschiedlichen Größen – 38 und 42mm.
Die Apple Watch Edition, aus 18 Karat Rosé- und Gelbgold mit Saphirglas, bewegt sich zwischen 11.000 und 18.000Euro.
Die mittlere der drei Kategorien, leicht missverständlich als Apple Watch bezeichnet, spannt den Preisrahmen mit den Ausführungen in Edelstahl und Saphirglas zwischen 649 und 1249Euro. Die (Preis‑)Variation entspringen – wie erwartet, den unterschiedlichen Armbändern.
Apropos Armbänder: Solange man die zwei verschiedenen Größen 38 und 42mm beachtet, passt jedes Armband an jede Uhr.
Wie vermutet, liegt der Diskussionsschwerpunkt am Abend nach der Keynote in erster Linie auf den acht Modellen der luxuriösen Edition – der uninteressantesten Ausführung, weil sie im Vergleich kaum jemand kaufen wird.
Aber auch die veranschlagten Preise für ein Leder- (169 / 269Euro) oder Gliederarmband (499Euro) fallen aus der Bandbreite, die sich alleine durch Materialkosten oder den Fertigungsprozess erklären. Mit etwas Blick über den Tellerrand zu Rolex, TAG Heuer oder Cartier hätten wir uns das Quentchen Empörung sparen können. Die Preise orientieren sich an der Nachfrage, wie für Fashion allgemein üblich.
Soviel vorab. Ich gönne mir jetzt noch einmal die Wiederholung der Veranstaltung mit Blick auf die eigentlichen Funktionen.
ResearchKit ist ein Open-Source-Framework für die Aufzeichnung von Gesundheitsdaten. Fünf Apps stehen zum Start seit heute Abend im US-App-Store (Link). Ein uneingeschränkt lobenswertes Projekt, das hoffentlich eine hohe Akzeptanz und Teilnahmebereitschaft sowie viele andere Plattformen findet.