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van Alex Olma
19. Januar 2016 – 9:57 Uhr

‚The Cloud‘ – mein neues Heimverzeichnis

Geplant war es nicht, doch 2015 wurde das Jahr für meinen Umzug ins Web. Meine Dateien liegen nun nicht mehr in /Users/alexolma, sondern bei Apple, Dropbox, Amazon, Google, Droplr, Pinboard und Quip. Mein lokales Heimverzeichnis auf der SSD im MacBook betrachte (und behandle) ich weitgehend nur noch als Zwischenspeicher.

Eine Vielzahl von Ereignissen, die mir erst rückblickend bewusst wurden, führten mich an diesen Punkt. Dies ist ein persönlicher Blick auf den Wandel meiner Computergewohnheiten, denen ich bereits viel zu lange bei ihrem Anlauf zusah.

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So richtig begann alles im Sommer, als ich mir ein MacBook für diesen US-Ausflug shoppte und im Anschluss darauf hängenblieb. Ich hatte keinesfalls vor von meinem sieben Jahre alten Mac Pro auf einen Laptop zu wechseln. Auch deshalb investierte ich nur in eine SSD mit 500 Gigabyte. Der Aufpreis für eine SSD mit 1 TB hätte mich noch einmal zusätzlich 600 Euro gekostet. Doch als ich nach 10 Tagen und getaner Arbeit wieder zurückflog, war es das MacBook, das ich noch einmal frisch aufsetzte und den Mac Pro immer nur noch dann hochfuhr, wenn ich mal eine Datei, die sich in seinen Terabyte-Untiefen versteckte, benötigte.

Auch wenns komisch klingt: Ich fand danach nie wirklich die Zeit zurück auf den Mac Pro zu wechseln. Direkt im Anschluss an meine Rückkehr stellte Apple seine zwei neuen iPhones vor, drei signifikante Betriebssystem-Updates, einen neuen Apple TV und (ganz entscheidend) das iPad Pro. Und während ich so meine Ordnung für mehrere Wochen und Monate verschleppte, fiel mir erst auf, wie selten Dateien, die nur der Mac Pro noch beheimatete, eigentlich notwendig sind.

Eine Unmenge meiner Daten liegen nämlich schon seit mehreren Jahren bei Webdiensten. Der Schalter, den ich also für einen (nahezu vollständigen) Umzug umlegen musste, war nicht schwierig zu erreichen.

Der dabei größte Datensatz war (und ist) meine Fotobibliothek. Seit Frühjahr 2015 lagern rund 180 Gigabyte in Apples iCloud. Für 3 Euro im Monat nimmt mir der Service alle Backup-, Sync-, Transport- und Lager-Kosten ab.

Mit dem Wechsel auf die iCloud-Mediathek verzeichnet mein iPhone mit 128 Gigabyte plötzlich wieder 60 Gigabyte als freien Speicher – ‚Optimize Storage‘ machts möglich. Zweite Überraschung: Mein altes iPhone 5s hat nun gleichwertigen Zugriff auf alle von mir jemals geknipsten Fotos. Und wenn ich auf dem iPad Pro mir einmal die Zeit nehme diese Bibliothek zu sortieren, schlägt sich das automatisch auf alle anderen Geräte durch. Wie schon mehrmals gesagt: Ich zahle nicht für den Onlinespeicherplatz, sondern den Service.

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Doch damit stehen wir erst ganz am Anfang. Zwei zentrale Fragen, die ich mir vorab stellte, lauteten: „Wie viel Speicher benötige ich?“ und „Was will ich speichern?“

Neben Fotos sind meine Mediendateien ähnlich speicherhungrig. Oder um es präziser auszudrücken: TV-Serien und Filme belegen ein paar Gigabyte.

Doch auch diesbezüglich reifte im vergangenen Jahr eine (für mich unerwartete) Erkenntnis: (Re‑)Downloads sind schnell; Netflix und HBO Nordic decken bereits einen großen Teil meiner Unterhaltung ab. Vorbei sind die ungewissen Anfangszeiten von Watchever und Co., bei denen man sich nie sicher sein konnte welche Staffel aus welcher Serie demnächst aus dem Katalog fliegt. Insbesondere die von Netflix selbst produzierte Unterhaltung ist für mich Grund genug sein Abo zu zahlen. Nicht zu vergessen: der große Fundus an Kinderunterhaltung!

Öfters als erwartet wurde ich im letzten Jahr aber auch überrascht wie (vergleichsweise) schnell (gegenüber dem DVD-Release) Kauf- und Leihfilme im iTunes-Programm aufschlugen und wie unwichtig mir Bitraten und Surround-Sound mittlerweile sind. Bitte nicht falsch verstehen: Einen Film in DVD-Qualität tue ich mir nicht mehr an, aber 720p und Stereo-Sound sind meistens völlig in Ordnung. Wichtig ist die Verfügbarkeit. Insbesondere mit (kleinen) Kindern, die ohnehin keinen ungestörten Filmabend zulassen. Für mich ist es wichtiger das Wiedergabegerät wechseln zu können (ohne die Abspielposition zu verlieren), als ein lupenreiner 7.1 Klang (den ich sowieso nie aufdrehen kann).

Filme, die ich auf dem Fernseher beginne und nicht auf dem iPad im Kinderzimmer fertigschauen kann, weil sie auf einer obskuren Plastikscheibe gespeichert wurden, haben für mich keinerlei Wert.

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Als ich mich gedanklich darauf einstellte aufs MacBook zu wechseln, recherchierte ich zuallererst NAS-Laufwerke. Ich dachte, ich würde so etwas wie Netzwerkspeicher brauchen. Ein paar Wochen später stellt sich heraus: Zwei Time-Machine-Festplatten und eine Media-Hard-Disk reichen vollkommen aus. Ich bin noch nicht 100-Prozent bereit Netflix und Co. soweit zu vertrauen, dass ich meine zusammengesammelte Filmdatenbank in den Wind schieße, so wie ich das beispielsweise für Musik getan habe. Es ist aber schon heute absehbar, dass es darauf hinausläuft.

Meine Einstellung zu Musik-Eigentum – oben verlinkt – hatte ich bereits niedergeschrieben. Wer auf eine eigene (Offline‑)Musikbibliothek schaut und diese nicht aufgeben will, kann sich den Service zum geräteunabhängigen Abruf beispielsweise1 für 25 Euro im Jahr bei Apple mieten. iTunes Match heißt der Dienst, der die eigenen Alben und Mitschnitte hochlädt. Noch funktioniert das nicht ohne Einschränkungen, und der Service ist auch nicht komplett problemfrei, aber wir stolpern in die richtige Richtung.

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Soweit also Fotos, Musik und Filme. Der Rest, ist ehrlich gesagt Kleinkram und will eigentlich nur geschickt verteilt werden. Dropbox beheimatet ZIP-Dateien, PSD-Grafiken oder PDF-Rechnungen, Reisebelege und meine via Doxie (Affiliate-Link) beziehungsweise Scanbot (universal; kostenlos) digitalisierte Papierpost. Eine Handvoll Tabellen, die so etwas wie eine Buchhaltung sind, vertraue ich Quip an. So schließe ich Sync-Konflikte aus und kann direkt drauflosarbeiten, egal vor welchem Bildschirm ich sitze.

Längere Artikel, so wie beispielsweise dieser hier, den ich in Ulysses auf dem Mac tippe, synchronisieren sich über iCloud aufs iPad sowie gleichzeitig das iPhone. Fürs gute Gewissen schicke ich über die iOS-9-/Mac-Erweiterung täglich eine Kopie zu Droplr. Droplr ist persönlicher Onlinespeicherplatz, bei dem ich mich nicht darum scheren muss ihn in Ordnung zu halten. Auf Dropbox sind 25 unterschiedliche Versionen von einem Dokument anstrengend zu verwalten, auf Droplr ist das egal. Natürlich könnte man auch gleich seinen Artikel direkt auf der Dropbox lagern und erhält über deren Versionsverlauf Zugriff auf einen vorherigen Stand. Mit Editorial und 1Writer habe ich das so beispielsweise auch lange Zeit gemacht.

Ausnahmen, die die Regel bestätigen

Final Cut.

Meine Filmprojekte wandern nicht umgehend auf einen Webdienst, sondern erst als fertiger Export. Als Backup davor gibt es nur lokale Kopien. Die Dateimenge ist zu groß (und variiert zu stark) um damit sinnvoll auf einem Cloud-Laufwerk zu arbeiten. Natürlich ist das nur eine Frage der Zeit – für Audio-Podcasts ist es schon heute Realität.

Für mich endet die Liste der Ausnahmen hier. Ich bin mir aber sicher, es gibt viele andere Beispiele für Dateiberge, die sich schwerer bewegen lassen. Dabei sollte man jedoch unterscheiden ob eine Tätigkeit tatsächlich nur auf dem lokalen Rechner auszuführen ist, oder ob die Software, mit der wir derzeit arbeiten, einfach nur noch nicht weiter genug denkt.

Backups, Skepsis und eine Spur Bodenständigkeit

Cloud-Dienste, alles schön und gut. Sprechen wir über den Elefanten die Elefantenherde im Raum.

Ich vertraue nicht blind und betreibe Datei-Akrobatik nicht ohne doppeltes Sicherheitsnetz. Die Kopie, der Kopie bleibt dein Freund. Dazu gehört es seine Dateien in Formaten aufzubewahren, die a) offen2 und b) jederzeit umzugsbereit sind. Alles andere als eine durchgängige 2FA-Authentifizierung für Webdienste ist inakzeptable. Bietet ein Dienst diese Sicherheitsstufe nicht an, kann ich ihn für mich nicht ernsthaft in Betracht ziehen3.

Unabhängig davon sei betont: Wer ideologisch ein Problem mit Wolkenspeicher hat, wem die falschen Nasen im Aufsichtsrat bestimmter Unternehmen sitzen oder wer sich aus Prinzip gegen (Risikokapital‑)Finanzierung von Start-ups sträubt, findet von mir hier keine Argumentation dagegen. Das sind Themen, die muss jeder mit sich selbst, seiner Verschlüsselungstechnik und mit dem Dienst seiner Wahl ausmachen.

Klingt dick aufgetragen, oder? Yep. Meine privilegierte Position ist mir vollkommen klar. Ich muss mich niemandem gegenüber verantworten, wenn ich potenziell vertrauliche Daten auslagere. Ein paar Bilder und Texte, meine vorrangigen Arbeitsressourcen, sind die wohl am einfachsten zu speichernden Dateitypen. Ich muss mich mit niemandem abstimmen, wenn ich den Speicherort einer Datei ändere. Niemand zwingt mich dazu Programme zu nutzen, die obskure Datenbanken anlegen oder in proprietären Formaten speichern. Meine Datenmengen sind überschaubar und meine (auch mobile) Upload-Geschwindigkeit sehr akzeptabel.

All das ist mir bewusst, und ich behaupte nicht, das mein Setup in irgendeiner Weise übertragbar ist (nur falls ich das bislang nicht so deutlich vermittelt habe).

IPhoneBlog de GoPro Arc

Die zwei Time-Machine-Backups, die an zwei unterschiedlichen Orten liegen, fanden bereits Erwähnung. Außerdem schiebe ich eine verschlüsselte Kopie meines Benutzerordners via Arq in die Amazon Cloud. Jeff Bezos Uploader für Mac OS ist eine Frechheit, über Arq lässt sich der jährliche 60-Dollar-Dienst aber störungsfrei bespielen.

Ein separater Rechner in meinem Setup hält eine Kopie von a) der iCloud-Mediathek mit allen Photos in Originalauflösung sowie b) eine davon unabhängige Sicherheitskopie der Bilderdatenbank. Funktionierender Sync ist nämlich nur solange toll bis ein Bit umkippt und sich ein Pixelfehler im Familienporträt auf jede angeschlossene Bibliothek durchschlägt. Mein generelles Paranoia-Level hält sich in Grenzen, die Kosten für ein weiteres Sicherheitsnetz sind aber nicht groß (und lassen mich besser schlafen).

Ausserdem kann ich damit rechtfertigen meinen alten Mac Pro zu behalten. Backups sind ein wirklich großartiger Grund für einen zweiten Mac.

Strich drunter

Dieser Artikel entstand im Laufe der letzten zwei Wochen. Zwischen Anfang Januar und heute sind zwei Dinge passiert, die ich bewusst nicht nachträglich eingearbeitet habe, weil ihnen eine gewisse Symbolhaftigkeit anhängt. Diese zwei Entwicklungen beschreiben, so glaube ich zumindest, ganz passend eine grundlegende Kritik an ‚der Cloud‘4.

Was hat sich also zwischen Anfang Januar und heute geändert?

  1. Mein iCloud-Speicher, 200 Gigabyte für monatlich drei Euro, ist inzwischen voll. Einige Weihnachts- und Neujahrsvideos, die ich noch nicht aussortiert habe, sind Schuld. Mein bisheriges Speicher-Abo hat sich damit konsequenterweise erweitert – auf 1 TB für 10 Euro im Monat5.
  2. Netflix tat kund, VPN-Tricksereien, mit denen man sich Zugriff auf die Filminhalte aus anderen Ländern freischaltet, zukünftig zu unterbinden. Bislang sprach man sich zwar gegen das IP-Hüpfen aus, tolerierte es aber technisch. Wenn ein in Deutschland eröffneter Account, mit deutschen Zahlungsdaten, das umfangreichere US-Angebot anknipsen wollte, ging das bislang.

Was haben diese beiden Dinge mit diesem Artikel zu tun?

Einerseits feiern wir neue Webdienste und investieren Zeit und Geld; andererseits krempeln Dienstleister ihre Angebote immer noch grundlegend um. Dadurch entsteht Unberechenbarkeit, die Nutzer zögern lässt.

Ich will nicht daran denken wie viele Start-ups wir in den letzten Jahren bereits kommen und gehen sahen, weil sie ihr Versprechen nicht hielten, ihren Service zu unrealistischen Preisen anboten oder nicht verstanden hatten was den Nutzern lieb und wertvoll war. Diese chaotische Gründungsphase, die natürlich nicht nur ein Problem für Webdienste ist, sondern genauso mit Kauf-Software passiert, lässt sich nicht ausblenden.

Und trotzdem: Gefühlt ist mittlerweile ein Punkt erreicht, da verschwindet eine Dropbox nicht mehr einfach so; da sortieren sich relativ zeitnah faule Dienste oder eine inkompetente Firmenführung aus. Bereits an der Güte der Apps, die diese Webdienste auf unseren mobilen Geräte repräsentiert, lässt sich ein gewisses Qualitätsniveau der dahinterstehenden Dienstleistung erkennen.

Für Musik-Streaming und Onlinespeicher ist außerdem eine Konsolidierung zu erkennen. Aus 25 wackeligen Anbietern gingen mittlerweile eine Handvoll ernstzunehmender Kandidaten hervor. All diese Dienste, die sich hielten, bieten Möglichkeiten ihr Angebot zu testen. Wer nicht sofort mit beiden Beinen voran irgendwo aufspringen will, hat so eigentlich immer die Möglichkeit zuerst den sprichwörtlichen Zeh ins Wasser zu halten und auszuprobieren ob Anbieter XY wirklich so zuverlässig, vertrauenswürdig und bodenständig ist, wie er vorgibt zu sein.

Vielleicht ist das alles auch nur mein Wunschdenken, aber für mich scheint die Situation mittlerweile aufgeräumt genug, sich auf die klaren Vorteile von Wolkenspeicher einzulassen – ohne Dateilast und unabhängig vor welchem Bildschirm ich gerade sitze.

tl;dr

Alle meine Daten und Dateien liegen ab sofort auf Dropbox und Co. – weils bequemer ist.


  1. Gerade bei mir im Test ist Upthere, das Start-up von Apples ehemaligem Senior Vice President of Software Bertrand Serlet
  2. Nicht quelloffen, sondern zumindest so verbreitet, dass man dafür auch in 20 Jahren noch Programme findet, mit denen man sie öffnen kann. 
  3. Droplr ist beispielsweise ein solcher Kandidat, steht aber kurz vor der Einführung dieser Schutzmaßnahmen für den Login. 
  4. ‚The Cloud‘ ist zugegeben eine furchtbare Bezeichnung, aber zumindest weiß jeder was gemeint ist. 
  5. Ich habe über das Upgrade nicht lange nachgedacht. Für ein ‚Leben am Speicherlimit‘ bin ich zu alt. 

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