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van Alex Olma
6. November 2019 – 20:43 Uhr

„A Soundtrack for your Life” mit AirPods Pro

Der folgende Artikel ist über 10.000 Zeichen lang. Um ihn ein bisschen zugänglicher zu gestalten, habe ich ihn erneut eingesprochen. Hier könnt ihr die Audiodatei herunterladen und in euren bevorzugten Podcatcher werfen. Für Abonnenten von #one findet sich dieses File zusätzlich im persönlichen RSS-Feed.

Ankündigung am Montag, verschickt am Dienstag und auf meinen Ohren am Mittwoch: Apple meistert die Logistik. Das bleibt ein entscheidendes Erfolgsrezept.

AirPods stecken täglich in meinen Ohren. Und das ist fast eine untertriebene Beschreibung. Sie spielen Podcasts auf meinem Weg zur Arbeit. Ich facetime darüber mit der Familie und ich schiebe sie selbst dann in die Ohren, wenn ich mir nur kurz einen Kaffee hole. AirPods lesen mir Artikel vor, damit ich dafür nicht an den Schreibtisch gefesselt bin. Sie sind meine bevorzugten Kopfhörer für den Apple TV und manchmal höre ich damit sogar Musik.

Ich wünschte Apple würde mir die Gesamtspielzeit anzeigen – die Zeit, wie lange ich die AirPods tatsächlich in den Ohren hatte. Einfach nur um hier zu unterstreichen, welche prominente Position diese Kopfhörer für mich einnehmen.

Und weil ich diese Ohrstöpsel so häufig nutze, zählt für mich jede Verbesserung der Hardware. Deshalb habe ich auch nie den Kauf der 2. Generation bereut, der lediglich ein paar Monate zurückliegt.

Mein Resümee im April lautete:

Unterm Strich ist die zweite Generation der AirPods eine evolutionäre Weiterentwicklung einer verdammt fantastischen ersten Generation. Ich persönlich hätte mir zwar eine Abschirmung gegenüber Außengeräuschen und eine Wasserfestigkeit gewünscht, der Performance-Boost beim Wechsel der Kopfhörer zwischen verschiedenen Geräten sowie „Hey Siri” als Freisprechfunktion sind für mich aber Grund genug hier erneut zuzuschlagen.

Guess what? Die AirPods Pro kommen mit einer aktiven Geräuschunterdrückung sowie dem Schutz vor Schweiß und Wasser.

Die Qualität von Apples proprietärem „Noise-cancelling”-Feature ist sehr gut. Mir fehlt zwar der direkte Vergleich zu den aktuellen Spitzenkandidaten von Sony und Bose, aber (Over-Ear‑)Kopfhörer mit ANC hatte ich in der Vergangenheit en masse.

Der Filter für die Umgebungsgeräusche in den AirPods ist nicht aggressiv. Es lässt sich eher als ein Fade-Out von der Außenwelt umschreiben; eine Art Schleier, die sich über alle unangenehmen Geräusche von draußen legt.

Beispiel gefällig? Ich spaziere täglich an einer Bahnstrecke entlang, die alle paar Minuten von (S-Bahn‑)Zügen ins Zentrum von Helsinki frequentiert wird. Mit meinen bisherigen AirPods ist beim Vorbeifahren von einem solchen Zug mein Podcast nicht mehr zu verstehen. Auch die AirPods Pro entfernen diese Zuggeräusche nicht vollständig, aber sie dezimieren sie auf ein Minimum. Ich höre weiterhin den an mir vorbeiratternden Zug, aber es wirkt so als würde ich viele hunderte Meter entfernt laufen.

Absolute Stille darf man nicht erwarten. Diese Intensität ist durch die Bauform und die In-Ear-Position wahrscheinlich auch unrealistisch. Ein mächtiger Over-Ear- oder On-Ear-Kopfhörer hat viel mehr Platz und schirmt vor Außengeräuschen alleine durch seinen Sitz über dem Ohr ab.

Versteht mich nicht falsch: Die Geräuschunterdrückung der AirPods muss sich vor den Top-Kandidaten nicht verstecken! Die AirPods Pro schupsen euch jedoch in kein geräuschtotes Loch.

Nett: Die Geräuschunterdrückung verfälscht den für mich sehr passablen Klang kaum. Der Druckausgleich über den integrierten Luftkanal ist ein tatsächlich unterschätztes Features. Obendrein tragen sich die Silikontips sehr bequem, weil sie nicht über einen Plastik-Stengel gezogen werden. Ich habe eine solche Konstruktion noch bei keinem anderen In-Ear-Kopfhörer gesehen. Es wird nicht lange dauern, bis diese Konstruktion kopiert wird.

Mit dem „Passtest für die Ohreneinsätze” wird herausgefunden, welche Größe optimal abdichtet – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Um tatsächlich die bequemsten Ohreinsätze zu finden, empfehle ich alle drei Varianten auszuprobieren. Insbesondere wenn ihr euch unsicher seid, wechselt die Silikonaufsätze nach einigen Tagen unbedingt noch einmal. Ich persönlich bin bei zwei unterschiedlichen Größen für jedes Ohr gelandet.

Die aktive Geräuschunterdrückung erzählt jedoch nur die halbe Geschichte: Der Transparenzmodus, der euch über die Mikrofone die Außenwelt dazuschaltet, ist mindestens gleichbedeutend. Es ist kein Zufall, dass ein längerer Druck auf das nun deutlich kürzere Kopfhörer-Stäbchen zwischen diesen zwei Modi wechselt.

Es ist eine Herausforderung diesen künstlichen Klang über die Mikrofone zu beschreiben, weil er oft gar nicht so künstlich klingt. Man spricht selbst bei eingesteckten Kopfhörern mit anderen Personen in normaler Lautstärke und hört seine Außenwelt weitgehend unverfälscht und natürlich in Stereo!

Teilweise verstärken die Mikrofone der AirPods jedoch individuelle Umgebungsgeräusche, die das eigene Ohr nicht hervorheben würde. Ein Schotterweg knirschte in der letzten Woche unter meinen Schuhen deutlich lauter als gewohnt. Ich höre die Tastenanschläge von meinem Keyboard klicken, während ich diese Zeilen tippe. Es sind Soundeffekte, die das Gehirn weitgehend ausblendet, aber Nuancen, die die Mikrofone (noch) nicht verstehen und deshalb falsch betonen.

Beinahe magisch wird es, wenn ihr im Transparenzmodus die eigene Musik auflegt. „Music is the soundtrack of your life“ und diese Untermalung kann jetzt ein ständiger Begleiter sein. Fast wie in einem Film geht ihr banalen Alltagsereignissen nach, sprecht mit Leuten, kocht und lebt, während ein Soundtrack euer Handeln untermalt.

Klingt sehr nach HER, oder?

Noch sind wir nicht soweit. Noch ist das Paket aus den miniaturisierten Computerchips nicht richtig clever. Die Entwicklung ist jedoch absehbar: Die Kopfhörer, die bereits heute verschiedene Sounds filtern oder hervorheben, euch Textnachrichten reinreichen oder Siri aufrufen, fallen ohne Frage in den Bereich „Ambient Computing” – eine konstante und omnipräsente Beziehung zwischen Mensch und Maschine.

Mit der weitreichenden Integration in iOS und den (teilweise exklusiven) Software-Features setzen sich Apples Kopfhörer unverkennbar von der Konkurrenz ab. AirPods konkurrieren jedoch nicht nur als Kopfhörer, sondern im faszinierenden Bereich von „computational audio” – mit derzeit nur wenigen Mitbewerbern. Die Microsoft Surface Buds und die Pixel Buds 2 von Google klingen noch am vielversprechendsten, sind bislang aber lediglich angekündigt.

All das führt natürlich auch zu neuen sozialen Fragen und Benimmregeln. Ich persönlich finde es weiterhin ausgesprochen unhöflich seine Kopfhörer nicht herauszunehmen, bevor man mit jemandem ins Gespräch kommt – und sei es nur fürs kurze Dankeschön an der Supermarktkasse.

Allerdings ist das wirklich nicht mehr notwendig: Der Transparenzmodus lässt euch ganz natürlich mit jemandem sprechen. Würde man nicht deutlich die weißen Stengel sehen, die euch aus dem Gehörgang ragen, würde der Gegenüber nicht bemerken das ihr Kopfhörer tragt.

Vergleichbar schwierig bleibt auch nach fünf Jahren noch der (längerer) Blick auf die Apple Watch. Wer die Uhr trägt, der weiß das ein (kurzer) Blick auf die Uhr den (längeren) Blick zum Telefon ersetzt. Für alle anderen Leute wirkt das aber immer noch unhöflich.

Egal ob Handgelenk oder Ohr: Wearables wie die Apple Watch oder die AirPods machen nicht nur die größten Generationssprünge, sondern sie werfen gleichzeitig auch die größeren Fragen auf.

Für die AirPods Pro bleibt mein Fazit aber simpel: Wenn ich morgen früh diese Kopfhörer aus irgendeinem Grund verliere, bestelle ich am Nachmittag ein neues Pärchen. Es ist das beste Kompliment, das ich den neuen Apple-Kopfhörern machen kann.

Hier noch zwei oder drei lose Anmerkungen und Details, die nicht in den Textfluss gepasst haben.

  • Apple verkauft AirPods Pro (279 Euro) ergänzend zu den bisherigen AirPods (179 Euro). Wenn es preislich drin ist (und eure Ohren es erlauben), rate ich grundsätzlich zum deutlich überlegenden Pro-Modell – auch akustisch.
  • Das neue Ladecase hat kein gutes Format. Es lässt sich nicht mehr so befriedigend mit einer Hand aufschnipsen und zuklappen. Das ist etwas, dass meine Finger gerne als Beschäftigungstherapie tun. Allerdings bleibt das neue Case auch offen liegen, was ich (aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund) sehr mag.
  • Selbstverständlich kann man die Geräuschunterdrückung der AirPods auch komplett ohne Musikwiedergabe nutzen – für ein Drumherum in reduzierter Lautstärke.
  • Um AirPods aus dem Ladecase zu entnehmen, drückt ihr mit dem Zeigefinger von hinten gegen den Kopfhörer. Ihr legt euren Finger quasi in den aufgeklappten Deckel und drückt dann den AirPod nach vorne. Dort fängt der Daumen den Kopfhörer ab.
  • Selbst mit dem Abstand von einer Woche sind Ähnlichkeiten zum Peashooter oder Birdo nicht von der Hand zu weisen.
  • Ein Druck auf den weißen Stiel der AirPods wechselt zwischen den unterschiedlichen Modi. Zwischen welchen der drei Modi ihr so umschaltet, lässt sich in den Einstellungen bestimmen. Alle drei Modi haben individuelle Töne, an denen man sie erkennt. Andere Kopfhörer benutzen oft eine Ansage welcher Mode gerade aktiviert wurde.
  • Laden die AirPods Pro auf einem Qi-Ladepad, kann man sie ganz leicht antippen, um über das kleine LED-Lämpchen den Akkustand abzulesen – dem Beschleunigungssensor sei Dank.
  • Klebeknete reinigt die alten AirPods; für das Pro-Modell wird man ein Set aus Silikontips günstig nachkaufen können.
  • AirPods Pro besitzen einen eigenen Menüeintrag in den Bedienungshilfen. Dort lässt sich beispielsweise die „Geräuschunterdrückung mit (nur) einem AirPod” einstellen.
  • Entnimmt man einen AirPod während man Musik mit Geräuschunterdrückung hört, pausiert die Wiedergabe. Spielt man seine Musik nur mit einem AirPod im Ohr weiter, bleibt die Geräuschunterdrückung abgeschaltet. Setzt man jetzt wieder den zweiten AirPod ein, schaltet sich die Geräuschunterdrückung automatisch dazu.
  • Der Drucksensor am AirPods-Stiel ist kein Button. Drückt man ihn, klickt nichts. Es bewegt sich auch nichts. Ihr hört lediglich einen Klick, der den Button simuliert – so wie damals bei Touch ID im iPhone 7. Das ist schlicht Perfektion.

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