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van Alex Olma
15. Juni 2020 – 14:19 Uhr

Das Apple Magic Keyboard

Der folgende Artikel ist über 5.000 Zeichen lang. Um ihn zugänglicher zu gestalten, habe ich ihn eingesprochen. Für Abonnenten von #one habe ich die Audiodatei in den persönlichen RSS-Feed eingestellt.


Trackpad-Support für iPadOS ist wichtiger als Apples neues Magic Keyboard” – hatte ich gesagt, und stehe weiterhin zu dieser Aussage. Nichtsdestotrotz erweitert Apples Magic Keyboard das iPad Pro um einen Formfaktor, der bislang nicht (oder nur ungenügend) angeboten wurde.

Auf den ersten Blick nennt man diesen Formfaktor einen Laptop. Es ist die erste Assoziation, weil uns Laptops vertraut sind. Wenn man jedoch genau hinschaut, ähnelt das iPad Pro im Magic Keyboard keinem Laptop. Die Technik sitzt im Bildschirm, und nicht im Fuß. Dieser Bildschirm schwebt mit deutlichem Abstand über den Tasten, anstelle über ein Scharnier fest verbunden zu sein.

Diese Konstruktion ist keine extravagante Ausführung des klassischen Notebook-Designs. Bildschirm, Tastatur, Trackpad und Computer verschmelzen hier nicht zu einer zusammenhängenden Einheit. Es (ver‑)bleiben Einzelteile, in der das Magic Keyboard die Rolle eines optionalen Zubehörs einnimmt.

Der Abstand zwischen iPad und Tastatur signalisiert, dass man das iPad abzieht, wenn der „Laptop-Formfaktor“ der Situation nicht mehr angemessen erscheint.

Das Magic Keyboard unterstreicht die Vielfältigkeit, die das „single piece of glass“ bietet, und verwandelt das iPad Pro gleichzeitig in einen Computer, der uns vertraut ist.

iPads bleiben „touch first“. Das Magic Keyboard trennt sich mühelos von seinem Computer, beziehungsweise verbindet es auch wieder flott. Es ist seine beste Funktion. Das iPad passt sich damit nämlich flexibel unseren unterschiedlichen Arbeitsfeldern an. Lehnt sich der Vordermann im Flugzeug mit seinem Sitz zurück, klappt ihr euren Tisch hoch, zieht das iPad vom Magic Keyboard und haltet es im Schoß.

Laptops sind so populär, weil ihr Design in so viele unterschiedliche Alltagssituationen passt. Gleichzeitig sind Laptops aber häufig nur der beste Kompromiss. An langen Arbeitstag am Schreibtisch verkabeln wir externe Monitore, für den Abend auf dem Sofa kaufen wir Betttische und in Jobs, bei denen man ständig von A nach B rennt, verzichten wir generell auf ein Notebook, weil wir es nicht konstant auf- und wieder zugeklappt wollen.

In ganz vielen anderen Situationen ist ein kompaktes „All-in-one“-Gerät aber nicht zu schlagen: Mit dem Magic Keyboard bekommt das iPad nun erstmals eine Hülle, eine Tastatur und ein Trackpad in einer geschlossenen Einheit.

Das iPad gewann durch iPadOS 13.4 jedoch keinen klassischen Mauszeiger. iPadOS bleibt ein Betriebssystem für Finger; der „Pointer” ist vielmehr dem Finger, als dem klassischen Cursor nachempfunden – „something between a laser and a potato“.

Vor zwei Monaten habe ich mich noch gewundert, ob es mir damit schwer fallen würde regelmäßig zwischen macOS und iPadOS zu wechseln. Ob ich mich von dem einen oder anderen Zeigegerät entwöhnen würde. Das ist nicht eingetreten und es ist für mich eine Bestätigung, dass macOS und iPadOS zwei unterschiedliche Mauszeiger haben. Zwei „Pointer”, die nur in ihrem jeweiligen Kontext funktionieren.

Zwei Monate nach iPadOS 13.4 sind die meisten meiner iPad-Apps für die Trackpad-Steuerung angepasst. Das macht einen erheblichen Unterschied. Apps, die dieses Update noch nicht ausgespielt haben, fühlen sich unfertig an.

Das Trackpad im Magic Keyboard ist kein „Force Touch-Trackpad“ – so wie wir es beispielsweise im Magic Trackpad 2 finden. Mein zweiter Ersteindruck hat mich hier nicht getäuscht: Ich bevorzuge die „Fake-Klicks“ vom Magic Trackpad 2. Ein „Force Touch-Trackpad“ würde deshalb das Magic Keyboard für mich definitiv aufwerten.

Ebenso bestätigte sich mein erster Eindruck vom Cover-Material. Es greift sich genau wie das Smart Keyboard Folio schnell ab. Eine Auswahl an unterschiedlichen Farben und anderen Materialien würde einen Premium-Eindruck bei einem Zubehör hinterlassen, das zu einem Premium-Preis verkauft wird.

Eine Tastatur fürs iPad war keine „dopey idea“1, sondern bereits mit dem allerersten iPad die Realität.

Die Trackpad-Unterstützung für iPadOS war dagegen keinesfalls von Anfang an selbstverständlich. Apple kommt von Touch; Touch bleibt auch die primäre Eingabemethode für iPadOS. Mit Trackpad-Gesten und einem Zeiger erweitert Apple jedoch das Potenzial seiner Computerplattform signifikant. Und das Magic Keyboard steuert als optionales Zubehör einen neuen Formfaktor für das iPad bei.

Die Vorzüge, die ein solches „All-in-one“ bietet, ist eine absolute Bereicherung. Diese erste Version schreit bereits nach Alternativen – mit Media-Tasten, einem zweiten USB-C-Anschluss, anderen Materialien oder einer integrierten Unterbringung für den Apple Pencil.

All das ist Zukunftsmusik, aber der Präzedenzfall ist geschaffen. In ein paar Jahren wird man sich schwer vorstellen können, dass das Magic Keyboard erst nach zehn Jahren mit dem iPad erschien.


  1. Jony Ive: Steve used to say to me — and he used to say this a lot — “Hey Jony, here’s a dopey idea.” And sometimes they were. Really dopey. Sometimes they were truly dreadful. But sometimes they took the air from the room and they left us both completely silent. Bold, crazy, magnificent ideas. Or quiet simple ones, which in their subtlety, their detail, they were utterly profound.

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