Preisabsprachen beim E-Book-Verkauf: Apple verliert den Prozess

Die juristische Auseinandersetzung zwischen dem US-Justizministerium und Apple um E-Book-Preisabsprachen, die seit April 2012 läuft, ist beendet. Apple verlor und zahlt nun 450 Millionen US-Dollar. Auf diese Summe einigte man sich außergerichtlich bereits im letzten Jahr. Apple könnte zwar erneut in Berufung gehen, diesmal vor dem obersten US-Gericht, wahrscheinlich ist das trotz kämpferischem Statement aber nicht.

„Apple did not conspire to fix ebook pricing and this ruling does nothing to change the facts. We are disappointed the Court does not recognize the innovation and choice the iBooks Store brought for consumers. While we want to put this behind us, the case is about principles and values. We know we did nothing wrong back in 2010 and are assessing next steps.“

via Jeff John Roberts | „Apple conspired with book publishers, appeals court confirms

Die lange Laufzeit hat den Streit über viele Kriegsschauplätze gefegt. So kompliziert ist der Zwist aber gar nicht. Ich versuche mich mal an ein paar Eckpfeilern…

Apple startete mit seinem iBookstore auf dem iPad zu einer Zeit, in der Amazon bereits das E-Book-Geschäft dominierte. Dabei finanzierte Jeff Bezos die Bücher der großen Verlagshäuser quer. Er verkaufte sie unter Einkaufspreis; teilweise legte Amazon bis zu 7 US-Dollar pro Buch aus eigener Tasche drauf. Amazons Zielvorstellung: E-Books unter 10 US-Dollar.

Die fünf großen Verleger verdienten daran gut, obwohl Amazon in seiner überlegenden Position insgesamt die Abnahmepreise beeinflusste. Die radikale Preispolitik (Leser sollten sich nicht an billige Bücher gewöhnen) sowie die Vormachtstellung von Amazon war den Publishern ein Dorn im Auge. Aus dem Prozess ist bekannt, dass Hinterzimmergespräche zwischen den Verlegern bereits begannen bevor Eddy Cue überhaupt Interesse an Verhandlungen zeigte. Das Druckmittel der Verleger gegenüber Amazon waren dabei die Zeitfenster, in denen sie die elektronischen Bücher Händlern vorenthalten können.

Apple einigte sich mit den Publishern auf ein Modell, bei dem die Verleger selbst den Verkaufspreis bestimmen und eine 30-Prozent-Provision abdrücken. Ein Vorschlag, den Barnes & Noble (nach eigener Aussage) bereits zuvor mit den Buchhandelskonzernen vereinbarte. Das Gericht sah im Jahr 2013 jedoch Apple als alleinverantwortlich für den Wechsel des Geschäftsmodells, dem daraufhin auch Amazon übellaunig beitreten musste.

Konsequenz: E-Book-Kunden zahlten im Vergleich zu den von Amazon subventionierten Bestsellern rund 17-Prozent mehr. Apple argumentierte, dass im Durchschnitt alle Bücher preiswerter wurden.

IPhoneBlog de iBookstore Opening

Drei der Verleger (HarperCollins, Hachette und Simon & Schuster) knickten unter dem Vorwand wettbewerbswidriger Absprachen umgehend nach der Klageerhebung ein – Penguin und Macmillan hielten nur eine Handvoll weiterer Monate durch. Apple betonte mehrfach diesen Rechtsstreit aus Prinzip durchzuziehen.

„The e-book case to me is bizarre,” Cook said. “We’ve done nothing wrong there, and so we’re taking a very principled position. … We’re not going to sign something that says we did something we didn’t do. … So we’re going to fight.“

Tim Cook

Schlussendlich entschied Richterin Denise Cote den Prozess, in dem alle Seiten unsympathische Geschäftspraktiken zeigten. Eddy Cue prahlte beispielsweise in einer E-Mail an Steve Jobs damit eine App-Store-App von Publisher Random House erfolgreich verzögert zu haben. Amazon wiederum verhinderte Buchvorbestellungen, hob die Preise für das bestehende Buchsortiment an und änderte sein Seitendesign um gewisse Titel von Publishern während Verhandlungen zu verstecken. Die Verleger wiederum tauschten sich offen über Druckmittel gegenüber ihren Händlern aus.

In August, Hachette’s then CEO, David Young, sent an email that evinced collusion. “Completely confidentially,” he wrote the CEO of Hachette’s French parent, “[Simon & Schuster CEO] Carolyn [Reidy] has told me that they are delaying the new Stephen King … I think it would be prudent for you to double delete this from your email files when you return to your office.”

Roger Parloff | „Second Bite: Can Apple clear its name in the ebooks drama?

Anhand aller Artikel, die das Thema hervorgebracht hat (und die ich finden konnte), lässt sich das Urteil nachvollziehen. Aus meiner Perspektive lässt die Beweislage ein solches Urteil ohne Probleme zu. Das Ausmaß sowie das vollständige Ausklammern der Monopolsituation, um die es hier allerdings auch zentral ging, hinterlässt dagegen keinen ausgewogenen Eindruck.

Der DJ-Musikmix aus den ‚Beats 1‘-Shows als Playlisten

IPhoneBlog de Radio Playlisten

Mitgedacht: Alle gespielten Songs aus den Radioshows von Beats 1 sind im Anschluss in einer übersichtlichen Wiedergabeliste zu finden – so versendet sich lediglich die Moderation; so findet man jeden gespielten Titel wieder.

Solche ‚Apple Music Playlists‘ synchronisieren sich über alle Geräte (inklusive iTunes) und lassen sich für den Offline-Konsum herunterladen. Die Tracks in diesen Wiedergabelisten sind im Gegensatz zur Radioausstrahlung unzensiert.

Walt Mossberg spielt Apple Music an ➋

IPhoneBlog de Beats Music Launch

Zu früh gefreut? Nicht wirklich. Walt Mossberg durfte lediglich einen Tag vorab mit Apple Music herumspielen – ohne Beats 1 und in einem noch dürftig gefüllten Connect-Netzwerk. Mehr als ein ‚First Look‘ ist es nicht.

My first impression of Apple Music is that it’s the most full-featured streaming music app I’ve seen — and heard — and the first I’d consider paying for. But it may overwhelm some users, and I’ll need to live with it more before I can reach final conclusions.

Apple Music First Look: Rich, Robust — But Confusing

In ein paar Stunden startet Apples neuer Streamingdienst in 100 Ländern – inklusive der drei kostenlosen Probemonate. Wer zur Einstimmung ein paar clevere Gedanken zum Service lesen will, findet diese bei Michael Vakulenko:

Spotify and Pandora are services designed to resell music in the existing market structure. Apple Music is a platform designed to create a new market and reshape the music value chain. […]

It used to be that the only way to monetize software was to sell licenses to use it. Who says that the only way to monetize music is to sell licenses for downloads or collect streaming royalties?

Apple Music vs. Spotify: Don’t repeat this common mistake

Update ➊

Jim Dalrymple war auch eingeladen:

When I asked Cue how he would try to convince people that Apple Music was better than competing services, he said, “Ultimately, you can’t convince them, it’s just got to be better.”

Talking to Eddy Cue and Jimmy Iovine about Apple Music

Update ➋

Apple nahm sich ebenfalls Zeit für Christina Warren (Mashable) und Kory Grow (Rolling Stone).

VSCO Cam (+ Video)

Wer über Foto-Filter-Apps spricht, muss VSCO Cam (kostenlos; universal; App-Store-Link) erwähnen. Warum die App bei mir – trotz deutlicher Kritik – weiterhin auf Homescreen Seite 1 verweilt, versuche ich in drei Minuten1 zu dokumentieren.

(Vimeo)


  1. Alle meine Videos finden sich über die Suche hier im Blog, YouTube, Vimeo oder im Podcast-Feed (iTunes-Link). 

Status quo der Jailbreak-Szene im Jahr 2015

IPhoneBlog de TaiG Jailbreak

The open aggression between the different factions has concerned some. Money, it seems, has turned jailbreaking from a hobbyist affair concerned with free and open software, into a hostile game where vast sums are up for grabs. As former NSA staffer and head of research at Synack Patrick Wardle tells FORBES, he has more trust in the older jailbreaks built by passionate hackers operating without financial incentive than ones sponsored by app stores replete with pirated gear.

Of Ma And Malware: Inside China’s iPhone Jailbreaking Industrial Complex

Danke, Captain Obvious.

Nein, ernsthaft: Das faire Porträt der Jailbreak-Szene von Thomas Fox-Brewster schafft es nicht, die Software von TaiG und Pangu in ein auch nur annähernd gutes Licht zu rücken. Selbst wer nur ‚tweakt‘ und kleine Technik-Kniffe vornimmt, toleriert ein System in dem Entwickler kein Geld für ihre Apps bekommen und Malware Verbreitung findet. Wem es tatsächlich um (Open‑Source‑)Software geht, die Apple nicht im App Store wünscht, signiert mit Xcode 7 ab sofort seine Programme selbst.

Ein positiver (Neben‑)Effekt des mittlerweile hochpreisigen ‚Katz und Maus‘-Spiels bleibt: Die aufgekratzten iOS-Schwachstellen räumt Apple mit der nächsten Betriebssystemversion aus der Welt.

Drei (offizielle) Kleinigkeiten zu Apple Music

IPhoneBlog de Apple Music Dienstag

Release von iOS 8.4

‚Apple Music senior director‘ Ian Rogers kündigt den Streaming-Start von Apple Music und Beats 1 sowie den Release von iOS 8.4 für Dienstag an.

Tuesday morning we’ll be unveiling the next chapter. Please make a note to upgrade to iOS 8.4 Tuesday, June 30th and listen to our first day of broadcasting.

Sein Blogpost enthielt in der ersten Version exakte Uhrzeiten der Veröffentlichungen, die mittlerweile aber aus dem Beitrag verschwanden.

Entwickler, die bereits auf iOS 9 setzen und auf Apple Music warten, benötigen noch ein weiteres Firmware-Update. Ob dies allerdings noch bis Dienstag bereitsteht, ist offen.

Upload-Limit für eigene Musiktitel

Eddy Cue beantwortet Tweets. Daraus lernen wir: Mit einem Abo kann man eigene Musik – für den eigenen Zugriff, der Apple Music Bibliothek hinzufügen. So wie für iTunes Match gilt hier anfangs das 25.000 Song-Limit, das bis zum offiziellen Start von iOS 9 jedoch auf 100.000 Titel aufgestockt wird.

Sonos-Anbindung

Sonos bestätigt gegenüber mehreren Medien, dass Apple Music „before the end of the year“ noch über die drahtlosen Boxen dudeln wird. Konkreter wird es derzeit aber noch nicht.

„The forgotten story of the original iPhone released in 1998“

Brian McCullough fasste kürzlich noch einmal die alte Namenstreitigkeit zwischen Apple und Cisco über die Bezeichnung iPhone zusammen. Leider fehlen weiterhin die Details des ursprünglichen Deals, bei dem beide Firmen die Marke weiter benutzen dürfen.

It turns out that almost exactly 9 years before Steve Jobs spoke those words and introduced the world to the iPhone, there was another 3-in-1 device that was introduced to the world, and it just so happened that that device was also known as an iPhone.

But the company that brought the “first” iPhone to market, all the way back in 1998, was called InfoGear, not Apple.

Here’s the story…

The forgotten story of the original iPhone released in 1998

Apple verhandelte drei Jahre später noch einmal mit Cisco über die Markenbezeichnung iOS. Diesmal fragte man aber vorher, und Steve Jobs verzichtete auf einen Anruf am Valentinsabend.

IPhoneBlog de Inside Apple

Adam Lashinsky – Inside Apple (Amazon / iBookstore)

„Reliable Network Fallback“

IPhoneBlog de 4G WiFi

Je nachdem wo ich im Garten dem Kind hinterherrenne, schwankt mein WiFi-Empfang zwischen gut, schlecht bis nicht existent. Um sich den Ärger von nicht ladenden Webseiten zu ersparen, knipse ich das WiFi-Signal am iPhone komplett aus. Daran denke ich meistens aber erst nachdem ich mehrere Sekunden erzürnt auf eine Verbindung gewartet habe.

iOS 9 plant mir diesen Ärger zukünftig zu ersparen.

So if your iPhone thinks it’s on Wi-Fi, but the TCP connection setup attempt is not succeeding, then very rapidly, it will initiate a second parallel connection over cellular data. Now, it won’t kill the Wi-Fi connection. It won’t give up on it. It will let that one continue to run in parallel and if that one completes first, that’s great. You have a connection over Wi-Fi.

But if it doesn’t, and the cellular connection completes first, then that’s the connection your application will get with a delay so short, the user won’t notice anything odd.

WWDC 2015: Your App and Next Generation Networks“ (ab Minute 16:40) | via Freak Show #156