Stellungsspiel: Frozen Synapse

Bereit für ein mentales Tauziehen? Frozen Synapse (5.99; App-Store-Link), der rundenbasierte Strategie-Indie-Hit aus dem Jahr 2011, schleicht aufs iPad.

Das Ziel ist simpel, die Möglichkeiten wahnsinnig komplex. Aus steiler Vogelperspektive kommandiert ihr eine Handvoll (grüner) Soldaten über ein TRON-artiges Spielfeld. Eine Spielrunde beinhaltet alle Truppenbefehle. Erst nach der letzten Anweisung endet die Planungsphase und enthüllt das feindliche Stellungsspiel. Ändern lässt sich dann keine eurer Truppenpositionen mehr. Obwohl ihr das Teamwork der (roten) Gegner überschaut, bleibt ihr letzter Spielzug verborgen. So geht manchmal eure Taktik auf und ihr lockt den Widersacher in einen Hinterhalt, mal lauft ihr selbst ins Kreuzfeuer.

Die perfekte Taktik gibt es nicht. Die Duelle finden auf kleinstem Raum statt. Ein Algorithmus würfelt das Spielbrett immer neu zusammen. Das Arsenal ist auf Schrotflinten, Maschinengewehre, Scharfschützen-Schießeisen, Granaten und Raketenwerfer begrenzt. (Tödliche) Fehltritte sind an der Tagesordnung.

We don’t pretend that Frozen Synapse will be a mass-market product on either iOS or Android: we are hoping it’ll be more of a curiosity that gamers who own the platform feel compelled to pick up.

GamesIndustry

DirektFrozen

Entwicklerstudio Mode 7 lieferte mit Frozen Synapse vor zwei Jahren einen (IGF-)gelobtes Rundenstrategiespiel ab, das zwar einen Expansion Pack bekam, heute aber vor allem noch durch seinen PC- und Mac-Mehrspielermodus aktuell ist. Auch die iPad-Version spielt online. Das Anlegen eines Accounts am iPad gleicht der PC-Fassung und präsentiert sich damit optisch sehr untypisch. Die Duelle funktionieren jedoch ausgesprochen gut – wie ich seit gestern durch konstante Niederlagen schmerzhaft erfahre. Push-Nachrichten über neue Züge der Kontrahenten fehlen. Fein: Wer bereits (seit Jahren) am Desktop spielt, kann seinen Account auch am iPad verwenden.

Das bedeutet auch: Crossplay zwischen Desktops und iPads! Der Titel läuft sogar auf dem ersten iPad und bringt obendrein einen lokalen Hotseat-Mode mit.

Since we first announced the game on PC, people have told us that it would be “perfect for tablets”. I wanted to shake them and say, “What if I told you that you can’t even do mouseover!”

PocketGamer

Klingt perfekt, oder? Gnah.

Obwohl die Steuerung absolut präzise ausfällt und für die gängigen Touch-Eingaben wie ‘Pinch-to-Zoom’ und ‘Double-Tap’ angepasst ist, stören unscharfe UI-Elemente die ansonsten so (angenehm) reduzierte Optik. Das Menü ist mit ausgefranstem Text und nur winzigen Trefferfeldern eine kleine Katastrophe. Eine graphische Überarbeitung hätte den ohnehin herausfordernden Einstieg in diesen Strategie-Brecher erleichtert.

Man täte dem Titel jedoch Unrecht auf dieser negativen Note zu enden. Frozen Synapse ist ein verdammt ausgereifter Taktik-Shooter, der zum Versinken einlädt. Wenn man sich darauf einlässt, lutscht man hier an vielen Stunden Unterhaltung – vor einer dezenten und passenden Synthesizer-Soundkulisse (8.99 €; iTunes-Link).

50 Milliarden App Downloads

IPhoneBlog de 50 Milliarden

14 Tage später lief der Countdown aus.

Die wirklich wichtige Messgröße versteckte sich jedoch bereits in den letzten Geschäftszahlen, in denen Apple mitteilte pro Quartal derzeit über eine Milliarde US-Dollar an iOS-Entwickler auszuschütten.

Gegen Skype und Facetime: die Google Hangouts

DirektHang

Google Hangouts (kostenlos; universal; App-Store-Link) für iOS sieht sehr aufgeräumt aus und fühlt sich nach dem ersten Videoanruf flüssig an. The Verge hat ein exklusives (Video-)Feature.

Scannt, erkennt und spricht: Prizmo 2

Die Texterkennung von (Smartphone-)Kameras erzielt noch nicht ansatzweise die Ergebnisse üblicher Scanner. Für ‘Quick & Dirty’ reicht’s mittlerweile jedoch locker. Und die Vorteile liegen auf der Hand.

Prizmo (5.49 €; universal; App-Store-Link) fand sich erstmals im Dezember 2010 auf meinem iPhone. Version 2.0, seit gestern im Download-Verzeichnis, räumt mit einigen angestaubten UI-Elementen auf. Eine kurze Erwähnung ist überfällig.

Prizmo 2 Video Trailer from Creaceed on Vimeo.

Die Software scannt, erkennt und spricht, geht dem Anwender dabei aber aus dem Weg. An nervigen Dialogen und Pop-up-Menüs wurde gespart – Maccessibility lobt die (VoiceOver-)Bedienungshilfen.

Aus (weißen) abfotografierten (Webseiten-)Texten (beispielsweise von einem iPad) oder aus Papierbüchern entstehen hervorragende Ergebnisse. Magazin-Artikel, die schwarzen Text auf einen farbigen Hintergrund malen, dreht man für eine präzise Wörterfindung die Farbe aus dem Bild. Die manuelle Nachbearbeitung ist simpel und verständlich.

Teilweise wirft die Software einzelne Textkästen in ihrer (logischen) Reihenfolge durcheinander – auch das lässt sich von Hand korrigieren. Fließtext durchpflügt die App zuverlässig. Stimmt die Erkennungsrate, funktioniert auch die automatische Übersetzung und das Vorlesen mit Hilfe der zusätzlichen Sprecher (ich habe jeweils 2.69 € für die deutsche Stimme ‘Julia’ und den britischen Sprecher ‘Graham’ nachgeworfen).

Der Export als reines Textdokument verkennt in der aktuellen Version deutsche Umlaute. Kopiert man die Textzeilen jedoch in die Zwischenablage, kommen in der Ziel-App auch ä, ö und ü an. Diesen Bug habe ich dem Entwickler-Team bereits zugesteckt.

Mein Desktop-Scanner hat trotz Prizmo zwar noch (lange) nicht ausgedient, für eine schnelle OCR-Digitalisierung (unterwegs) ist die 5-Euro-Anwendung auf dem iPhone und iPad jedoch die perfekte Ergänzung.

App-Store-Raubkopien kosten (auch) Aufmerksamkeit

IPhoneBlog de Towelfight 2

The reason we moved to a freemium model for Quadropus Rampage1 is simply that paid games have a much harder time attracting a large audience, especially for a new studio with no name recognition. For example, here are the numbers for Towelfight 2, to date:

  • 2,651 iOS Sales / 2,438 iOS Pirates
  • 1,538 Android Sales / 34,091 Android Pirates

DroidGamers Forum

Towelfight 2 verlangt aktuell 89 Cent (App-Store-Link). Den Butterscotch Shenanigans entgehen durch die (augenscheinlich beliebten) Kopien aber nicht nur ihre primären Einnahmen sondern auch Aufmerksamkeit, die in Form von App-Reviews und Chart-Positionen das Spiel (ansonsten) im Gespräch halten.


  1. YouTube Teaser

Im Sommer für iOS: BlackBerrys Messenger

IPhoneBlog de BBM

“We will make BBM available as the premiere multi-platform IM solution all around the globe,” said Thorsten Heins, Blackberry’s CEO, on stage today during the keynote. “Even better, it’s free.” […] “Why are we doing this now? It’s a statement of confidence […].

VentureBeat

Die (zurückgewonnene?) Zuversicht freut mich für BlackBerry. Um wie viele Jahre zu spät der Messenger-Dienst mit 60 Millionen Teilnehmern kommt, erfahren wir dann im Sommer wenn’s gegen KakaoTalk (90 Mio.), LINE (150 Mio.), Viber (200 Mio.) und WeChat (300 Mio.) geht.

Aber vielleicht muss man es optimistischer sehen und anmerken das ein weiterer Konkurrent hochwertige iOS-Software produziert.

Apple, by contrast, makes precisely nothing for Android, Windows Phone, or BlackBerry. Not even iTunes.

Rene Ritchie / iMore.com

Man zieht kein Resümee nach nur einem Monat. #FacebookHome

Ein Flop nach 35 Tagen? Ein Desaster? So ein Quatsch.

In the end, Facebook Home will rise or fall on how well it appeals to its target audience: the exceedingly average billion people who use Facebook and are quite possibly more interested in seeing pictures and messages from their loved ones when they turn on their phones than in seeing the geeky navigational craft of a smartphone operating system.

Ryan Tate / Wired.com

Facebook Home läuft bislang auf einer Handvoll (hochpreisiger) Androids und sammelte im ersten Monat eine Million Installationen Early Adopter – mit zugegeben kritischer Meinung. Aber wer glaubt ersthaft das Facebook hier bereits seine Kernzielgruppe erreicht hat?

IPhoneBlog de Facebook Android

Das die HTC-Hardware gegen die Wand fährt, war klar. Damit hat sie rückblickend nicht nur (wertvolle) Aufmerksamkeit verschluckt sondern beflügelt heute auch die negativen Schlagzeilen zum parasitären Software-Start. Und trotzdem: Außer den Personalkosten (und schlechten Werbespots) hat ‚der Spaß‘ das Zuckerberg-Netzwerk bislang nichts gekostet. Sogar den Play-Store-Vertrieb zahlt ein anderer.

Wie sähe also ein Erfolg, das Gegenteil der verbreiteten Untergangsstimmung, für Facebook Home nach (nur) einem Monat aus? Mehr Interaktionen? Mehr Logins? Gute Presse? Und eine tatsächlich verfügbare Software, die als nächster (logischer) ‚Fuß-in-der-Tür‘ an die populären Facebook-(Messenger-)Programme auf Android und iOS anknüpft?

Nach 2173 Tagen mit iOS…

The problems we see with apps, and social, and files on iOS are things that evolved over the past 6 years: Apple now needs to think about laying a conceptual framework for how they’ll work in the next 5 years.

Benedict Evans

iOS entstammt einer Zeit, die keine Apps kannte. Trotz kleiner Kursanpassungen (‘Open in…’, ‘Multitasking’, etc.) stehen die zugrundeliegenden Betriebssystem-Mauern heute wie damals. Das war (und ist) richtig und wichtig wenn man die Entwicklung seit 2007 bedenkt, mit der iPhone und iPad mindestens zwei Industrien grundlegend umkrempelten und dabei auch technisch weniger interessierte Menschen an die Hand nahmen.

Mittlerweile geht jedoch mehr. App-Store-Software ist an einem Punkt angelangt, an dem iOS das Zusammenspiel zwischen Programmen ausbremst und schlimmstenfalls sogar stoppt. Ins Auge stechen Workflows, bei denen man kontextabhängig Programme wechselt und nicht nur (willkürlich) durch Software-Silos springt.

Gemeint sind Arbeitsabläufe, die iOS nicht einfach nur ‘anders’ anpackt (Stichwort: Vollbild-Apps); hier geht’s um Verknüpfungen, bei denen iOS mehr könnte. Die immer wieder genannten Beispiele betreffen den eleganten App-Wechsel oder die (komplette) (iPad-)Tastatur-Steuerung. Nicht selten fehlt (mir) das schlagfertige ⌘-SPACE-Tastaturkürzel auf einem externen Keyboard, das am Desktop den treuen Begleiter Alfred aufruft um eine Wörterbuchsuche zu starten, Google bemüht oder Zugriff auf die letzten Einträge der Zwischenablage gewährt.

Auch Spotlight, die systemweite iOS-Suche, die erst mit iPhone OS 3.0 die Bühne betrat, erfuhr bis heute nur minimale Erweiterungen. Da wäre mehr drin. Warum (taschen-)rechnet Spotlight bis heute nicht? Wo ist der QuickLook auf einzelne Dokumente?

IPhoneBlog de Poster

Meinen eigenen Arbeitsablauf für Webveröffentlichungen habe ich mit Writing Kit, Pythonista und Poster bereits teilweise automatisiert[1]. Die genannten Änderungen beschreiben essentielle Verbesserungen ohne das vertraute System gravierend umzubauen. Und nur eine robuste Inter-App-Kommunikation lässt überhaupt Fragen nach einem erweiterten Dateizugriff zu.

Die (derzeit) omnipräsente Design-Frage, für mich auch zweitrangig, ist ähnlich gelagert. Kleine Änderungen der Standard-UI-Elemente mit einheitlichen (und klaren) Strukturen reichen für iOS 7 wahrscheinlich schon aus, um ein Gefühl von frisch und neu zu vermitteln.


    • An Writing Kit (4.49 €; universal; App-Store-Link) schätze ich (mittlerweile) die komfortablen Markdown-Formatierungen (inklusive Preview-Feature), die leserliche Schrift ‘Avenir’ sowie den Dropbox-(Backup-)Sync.

      Pythonista (5.99 €; universal; App-Store-Link) stampft über diese Skripts iOS-Screenshots oder Fotos (aus einem ‚Camera-Connection-Kit‚-Import) auf die korrekte Weblog-Breite.

      Poster (2.69 €; universal; App-Store-Link) besticht durch sein reduziertes Design, importiert Blogbeiträge für WordPress direkt aus der Zwischenablage oder dem Dropbox-Ordner und wandelt obendrein Markdown-formatierte Texte vor der Veröffentlichung in HTML um.