Jeder spielt Plattform – außer Samsung.
Ob die iTunes-Sparte Geld verdient oder nur kostendeckend arbeitet (so wie Apple bislang angab), ist aus finanzieller (Vogel-)Perspektive für das Unternehmen unerheblich. Die wesentliche Aussage von Horace Dediu’s Artikel ‘So long, break-even‘ betrifft daher nicht den geschätzten Jahresgewinn von 2 Milliarden US-Dollar (für Apple derzeit ohnehin Kleingeld), sondern findet sich (von ihm) in den Kommentaren.

I think the way to look at iTunes needs to change. We have been lulled into thinking of it as a retail operation, perhaps even a loss leader. But after hitting $20 billion in sales and 500 million account holders it should be seen as perhaps a platform in its own right.
Auch Amazon besitzt eine solche Plattform. Für Bücher, DVDs – mit starker Verbindung zum klassischen Versandhandel. Das Kindle Fire konnte als Tablet bislang wenig beeindrucken (weil es digitale Inhalte primär nur in den USA verkauft), ist aber genau aus der bereits erarbeiteten Plattform-Perspektive ernst zu nehmen. Oder wer hat seine Kreditkarte noch nicht bei Amazon hinterlegt?.
Musik, eBooks, Filme und Apps gibt es auch im Play Store, den Google für Androids freigibt. Der größte und finanziell wertvollste Abnehmer dieser Freigaben (‘Ohne Lizenz, keine Google-Dienste‘) ist bekanntlich Samsung. Samsung ist als bedeutender Mitspieler aber gleichzeitig auch ohne eigene (zumindest nennenswerte) Plattform – keine Accounts, kein Bezahlsystem.
Daher ist die Frage durchaus berechtigt, die im Anschluss der Galaxy-S4-Vorstellung entfachte (weil Samsung komplett auf die Android-Erwähnung verzichtete): Ist der südkoreanische Konzern auch in Zukunft mit seiner Position als reiner Hardwarelieferant zufrieden oder erwägt er den Ausstieg aus dem Google-System? Einen erfolgreichen Android-Fork hat Amazon ja bereits vorgelegt.
Über die auf keinen Fall eindimensionalen Abhängigkeiten aller Mitspieler schrieb John Siracusa vor einer Woche.
Google still needs hardware partners to maintain its Android empire, but we already have a model for how a software-focused platform owner can dominate a market. It’s harder to imagine a hardware maker dominating while relying on a software platform controlled by someone else.
Etwas weiter gedacht: In einer direkten Gegenüberstellung ist nicht Android sondern Chrome, als Produkt von Google, die derzeit zukunftssichere Wahl – hier hält Mountain View noch die Kontrolle in eigener Hand.
Rdio oder Spotify?
Im Winter 2008 erhielt ich meinen ersten Spotify-Account – den Ersten vergisst du nie. Nach vier Jahren wechsle ich nun die Lager. Die ersten drei Testmonate von Rdio haben mich überzeugt. Das Zünglein an der Waage: die iOS-App.

Rdio auf iPhone und iPad (kostenlos; universal; App-Store-Link) ist seinem älteren Konkurrenten um Meilen voraus. Die Adjektive schlicht, durchdacht und stilvoll übertrumpfen aus allen Design-Perspektiven die angestaubte Optik des Musik-Streaming-Urgesteins, der seit Monaten Jahren jegliche Veränderung scheut. Im Gegensatz dazu: Rdio erhielt erst am gestrigen Mittwoch einen neuen Shortcut, bei dem sich durch einen längeren Fingerdruck ein elegantes Untermenü ausrollt. Solche Experimente wagt der Spotify-Riese nicht (mehr).
Die iOS-Anwendung tut sich bei mir als ausschlaggebendes Kriterium hervor weil der Musikdienst in den heimischen vier Wänden seine Beats ohnehin direkt durch die Sonos-App (endlich mit der überfälligen iPhone-5-Anpassung) pumpt. Die Desktop-Clients bekomme ich daher so gut wie nie zu Gesicht. Doch selbst als intensiver Nutzer der Mac-Programme käme Spotify nicht besser weg. Mit dem iTunes ähnlichen Miniplayer und der abgestimmten Minimal-Optik punkte ‘in meinen Augen’ Rdio auch hier.

Außerdem nett: Der Underdog bietet eine Art Remote-Transfer-Funktion, bei dem die Mac-App die Songs auf dem iPhone ändert – oder umgedreht. Über den Button ‘Stattdessen hier abspielen‘ zieht man die aktuelle Wiedergabe auf ein anderes Gerät um. Dazu ist es nicht notwendig die Musikstation, die ich gerade verlasse, zu pausieren. Es ist also egal wo der Musikstrom läuft, innerhalb meines Accounts kann ich ihn beliebig von Gerät zu Gerät schubsen – ohne regelmäßige Warnhinweise ertragen zu müssen.
Klar, alles kann sich ändern. Ein Redesign oder ein simples Update nutzt die Gunst der Stunde und wirft alle meine vorherigen Absätze an Beschwerden über den Haufen. Aber genau dafür pflegen wir monatlich kündbare Abos. Und schon deshalb ist die Musik-Flat für Spotify im Telekom-Netz, bei der man sich mindestens für drei Monate verpflichtet, keine wirkliche Option. Ganz abgesehen von den Aspekten der Netzneutralität – auch wenn ich nachvollziehen kann, das es reizvoll ist sich diesen ‘Unterwegs-Traffic’ bei gleichem Preis zu sparen.
Wichtiger Hinweis zu Rdio: Monatspakete bucht man günstiger über die Webseite – die In-App-Preise sind frech überzogen.

Und ja: Eine Gegenüberstellung des (sich ständig verändernden) Songkatalogs ist nicht zu leisten. Es ist ohne Frage ein wichtiges Kriterium (Spotify gibt offiziell 20+ Millionen Musiktitel in ihrem weltweiten Werbeprospekt an; Rdio ist mit 18+ Millionen dabei), aber nur der persönliche Geschmack ist ausschlaggebend.
Beim Design und im Umgang mit der App fällt mir eine Wahl jedoch nicht schwer. Rdio liegt hier weit in Führung, auch wenn ich die unzähligen Webseiten mit vorgefertigten Spotify-Playlisten vermisse.
Apple präsentiert: ‘Das Beste aus 2012′

Hinter uns liegt ein fantastisches App-Store-Jahr. Apples ‘Best-of-Liste’ (App-Store-Link) zeigt nur ein paar wenige Software-Highlights aus den vergangenen Monaten.
Auf die Auszeichnung von ‘Bits und so‘ (iTunes-Link) in der deutschsprachigen Podcast-Kategorie Technologie, dem ich wöchentlich beiwohne, bleiben wir nicht nur ein kleines bisschen stolz.
Instacast 3.0


Instacast benutze ich jeden Tag; seit letztem Jahr synct bei mir kein Podcast mehr über iTunes. Jedes Update, das diese App auf meiner ersten Homescreen-Seite besser macht, ist entscheidend. Die Liste der Neuerungen in Version 3.0 (4.49 €; universal; App-Store-Link) ist nicht lang. Ein großes Stück vom Update-Kuchen findet außerdem ‘Backstage‘ statt. Die drei Update-Gründe lassen sich in einem Satz zusammenfassen.
For $4.99, Instacast 3 is selling you an app that has their own Cloud Syncing solution, a better iPad interface, and a new storage limit feature for better managing downloads.
Doch so betrachte ich die neuste Aktualisierung nicht, weil die Podcast-App hier tagtäglich dudelt und genau diese Detailänderungen ausschlaggebend sind.
Entwickler Vemedio würfelt erstmals die zuvor separat verkauften iPad- und iPhone-Versionen zusammen, überarbeitet das Tablet-Layout und verabschiedet sich komplett von (bezahlten) In-App-Upgrades. Das ist wesentlich verständlicher und war ein notwendiger Befreiungsschlag. Beim Cloud-Sync kehrt man Apples Lösung den Rücken und regelt die Abo-Verwaltung zukünftig über ein eigenes (kostenloses) Benutzerkonto. Der Umzug von meinem Podcast-Verzeichnis mit 41 Feeds, noch zu Zeiten der Beta-Version, funktionierte problemlos.
Und trotzdem: Neben kleinen Bugs (UI ruckelt beim Verzeichnis-Update, der Button für die Wiedergabegeschwindigkeit verweigert sich manchmal der ersten Berührung, etc.) verbleibt Instacast mit enorm viel Potenzial – speziell aus Design-Perspektive. Version 3 legt dafür jedoch die richtigen Grundlagen und bleibt als eigenständige Podcast-App meine erste Wahl.
Nächster Anlauf: iTunes 11

Im Januar 2001 hieß es: ‘Rip. Mix. Burn.‘. 10 Monate später, mit iTunes 2.0, startete der (FireWire-)iPod. iTunes 3.0 verabschiedete sich von Mac OS 9 und führte ‘intelligente Wiedergabelisten‘ ein. Im April 2003 eröffnete der iTunes Store. Podcasts-Abos waren ab Version 4.9 möglich. Der Fauxpas mit dem Motorola ROKR E1 war glücklicherweise schnell vergessen. iTunes 6, nur einen Monat nach iTunes 5, spielte anfangs ein paar TV-Serien und Musikvideos – erst 2007 gesellten sich komplette Spielfilme dazu.
iTunes 7 syncte und aktivierte das erste iPhone. Version 8 bot sich im Herbst vor vier Jahren (!) zum Download an und führte die ‘Genius‘-Playlisten ein, die bis heute nicht richtig funktionieren. iTunes 9 stiefelt mit ‘Home Sharing‘ in ähnlich unbefriedigenden Fußstapfen und an iTunes 10 mit ‘Ping‘ will ich erst gar nicht erinnern…
Trotzdem: Wünschen wir iTunes 11, das soeben freigegeben wurde, nach dieser bewegten Geschichte, einen guten Start.
Frische Installation oder (iCloud-)Backup?
Um sich von Dingen zu trennen, gibt es einen alten Trick. Die wichtige Frage lautet: Würdest du dafür noch einmal bezahlen? Wenn ja, wandert ein Euro pro Gegenstand in eine große Sparbüchse, die a) erst für einen guten Zweck, b) die nächste Shopping-Tour des Partners oder c) einen selbst ausgedachten Vorsatz, der zumindest ein bisschen schmerzt, angebrochen wird.

iOS aufzuräumen ist einfacher. Mit meinem iPad mini bin ich frisch gestartet und nach den ersten sieben Tagen an einem Punkt angelangt, es als eingerichtet zu bezeichnen. Nach den Standard-Apps wie Tweetbot, Instapaper, 1Password, Reeder, Air Video und Omnifocus habe ich App-Store-Software ausschließlich nach Bedarf (nach-)installiert. Damit mistet man (Ordner-)Chaos aus, trennt sich von ewig unbenutzten Anwendungen und denkt über eine neue Sortierung nach. Weil ernsthaft: Wir müllen alle unsere iPhones und iPad mit nicht benutzten Apps zu. Die mit iOS 4 eingeführten Ordner sind teilweise ein Freifahrtschein für Software-Messies.

iCloud-Backups sind bequem – das ist sowohl positiv wie auch negativ. Für die (scheinbar) große Anzahl von Nutzern, die ihr iPhone noch nie einem iTunes ausgesetzt hat (wer kann es ihnen verdenken), ist der Online-Dienst für die eigene Sicherheitskopie ein Segen. Gleichzeitig schwindet aber auch der (gute) Vorsatz des Frühjahrsputz – um die Übersicht zu behalten. iOS legt durch seine Sandkisten-Schachtel-Struktur keine Wartungsverantwortung in Nutzerhände. ‘Richtige Hintergrundprozesse‘ – mit einem Lächeln darf man im Zeitalter von über 700.000 Apps auf diese Diskussion zurückblicken.
Aber zurück zum iCloud-Backup. Wer mit mehr als einem E-Mail-Account jongliert und in zwei App-Store-Ländern lebt, weiß, dass nach dem initialen Backup-Download das Setup noch lange nicht fertig ist. Im Gegensatz zu iTunes verlangt die ‘Online-Kopie’ nach diversen (Passwort-)Schlüsseln. Und auch das raubt Zeit. Ähnlich widerspenstig verhalten sich iOS-Games, die ihren Spielstand nicht separat in der iCloud ablegen. Spielt man kein Backup ein, hilft nur der iTunes-Klick.
Wer es daher richtig schnell mag, und wirklich vollgestopfte iPhones und iPads sein Eigen nennt, greift immer noch zur verschlüsselten (!) Wiederherstellung über iTunes.
iTunes 11 erst Ende November

“The new iTunes is taking longer than expected and we wanted to take a little extra time to get it right,” Apple spokesman Tom Neumayr told CNET. “We look forward to releasing this new version of iTunes with its dramatically simpler and cleaner interface, and seamless integration with iCloud before the end of November.”
Besser richtig(er) als schnell(er)?!
Mac-App ‘Crunch’ entpackt iOS-Anwendungen

Die Zip-Archive .ipa oder .app von iOS-Anwendungen extrahiert die Mac-App Crunch für sieben Euro. Version 1.2, vorgestern veröffentlicht, schnappt sich nun auch die hochauflösenden (Retina-)Programmsymbole.
Designer (oder Journalisten) sparen sich über das Software-Werkzeug von Pragmatic Code den Umweg durch die Dateistruktur und die manuelle Friemelei mit den Dokumenten. Ein Hinweis aufs Copyright der ‘ausgepackten’ Bilder und Musik ist unnötig. Crunch blendet ihn trotzdem ein.


