Erste Gedanken zur gestrigen Apple-Keynote

Mit technischen Daten brauche ich euch nicht zu langweilen. Alles was bislang bekannt ist, steht ohnehin auf Apple.com. Hier ein paar meiner ersten Gedanken, nachdem ich die Apple-Keynote jetzt zweimal geschaut habe.

Apple Watch

Apple Watch bleibt schlicht und einfach eine Erfolgsgeschichte. Die Hardware-Upgrades der Series 3 in diesem Jahr (LTE, eine höhere Prozessorgeschwindigkeit sowie der barometrische Höhenmesser) sind substanziell, schlagen aber auch nicht auffällig aus der Reihe. Die Neuerungen waren so erwartet, und wurde genauso geliefert.

Die generellen Sprünge aber, die Apple Watch seit Frühling 2015 macht, sind bemerkenswert und derzeit von niemandem sonst so zu kopieren.

Mein persönliches Problem: Die Series 0, die ich seit zweieinhalb Jahren trage, reicht mir in fast allen Punkten noch vollkommen aus. Nur der mehr als deutliche Geschwindigkeitsgewinn durch den neuen Dual-Core-Prozessors reizt mich1.

Was nachvollziehbar ist, aber gleichzeitig auch ein bisschen albern: WatchOS 4 läuft befriedigend flott. Das Edelstahlgehäuse und das Saphirglas sehen aus wie am ersten Tag. Nüchtern betrachtet, benötige ich keine neue Apple Watch.

Apple TV

Der Apple TV hängt bei uns am ersten HDMI-Eingang. TV-technisch läuft inzwischen alles über die kleine Box und deren Apps.

Apple packt in diesem Jahr tatsächlich ernstzunehmende Hardware in seine TV-Kiste (den A10X Fusion Chip, Bluetooth 5.0 und Gigabit-Ethernet). Wenn mir das nur ein paar Mal meine Entertainment-Zeit aufwertet, lohnt sich das Upgrade.

Das deutlich (!) größere Problem: Es fehlt mir bislang der entsprechende OLED-Fernseher mit 4K und HDR.

Zwei zusätzliche Erwähnungen:

  • Das automatische Gratis-Upgrade von gekauften HD-Titeln auf die 4K HDR Version ist ein bemerkenswerter Deal von Eddy Cue mit Hollywood. Ich habe noch iTunes-Zeiten erlebt, in denen man seine DRM-Musik *freikaufen* konnte. iTunes Plus war je nach Größe der eigenen Song-Bibliothek eine unterschiedlich hohe Investition. Es war damals aber nicht die Strafzahlung für den Kopierschutz, die die Kunden verärgert hat. Es war für die meisten Musikliebhaber schlicht nicht nachvollziehbar wofür man noch einmal bezahlen sollte – ihr Musikkatalog blieb ja unverändert.
  • Apropos „nicht nachvollziehbar“: Warum verkauft Apple seine TV-Box immer noch in zwei Speichergrößen und warum bleibt die alte Apple-TV-Kiste mit dem absurd hohen Preis von 159 Euro weiter im Line-up?

iPhone 8 und 8 Plus

„Es ist das iPhone, das wir kennen, nur besser.“

Ich glaube, das Glas- und Aluminiumdesign wird gut ankommen – genau wie kabelloses Laden. Es freut mich, das Apple keine Abstriche beim Prozessor im Vergleich zum iPhone X macht und auch True Tone, den automatischen Weißabgleich des Bildschirms an das Umgebungslicht, hier verbaut.

Ich bin allerdings enttäuscht, dass das iPhone 8 ohne zweite Kamera kommt und sich zusätzlich nicht in die Richtung von meinem Preisvorschlag bewegt hat.

iPhone X

Es ist das iPhone, nach dem man als Enthusiast in diesem Jahr verlangt. Dort steckt Technik drin, die erst in den nächsten Jahren so richtig ausgeschöpft wird. Das iPhone X ist typische Early-Adopter-Hardware („Next years iPhone, today“). Es ist auf gewisse Weise die teure „Fan-Edition“ des iPhones.

Achtung, es folgt eine Milchmädchenrechnung, die den Verkaufspreis von 1.149 Euro nicht schönrechnen soll, sondern nur ein bisschen greifbarer macht.

Nimmt man die typische Laufzeit von 2 (Vertrags‑)Jahren als Grundlage, über die man sein iPhone X benutzt, zahlt man dafür pro Tag rund einen Euro und 60 Cent. Ums wirklich ganz einfach zu halten, rechne ich komplett ohne Wiederverkaufswert. Das ist ein bisschen albern, weil insbesondere iPhones recht vernünftig ihren Wert halten. Aber um den eigentlichen Verkaufspreis – dessen Höhe immer ganz individuell beurteilt wird – geht es mir nicht. Ich versuche lediglich den Nutzungswert zu ermessen.

Wenn wir nämlich ehrlich sind: Jemand der jetzt 1.149 Euro für ein iPhone X hinlegt, kauft vielleicht auch nächstes Jahr gleich das neue Gerät. Damit erhöht sich die tägliche Nutzungsgebühr auf 3 Euro und 20 Cent. Die Frage, die ich mir also stelle (und für mich bereits beantworten konnte): „Ist mir das iPhone X täglich 3 Euro und 20 Cent wert?

In mehr oder weniger exakt 7 Tagen lesen wir wahrscheinlich die ersten Reviews zum iPhone 8 und 8 Plus. Die Testberichte zum iPhone X werden wohl erst Ende Oktober erscheinen. Ich bin gespannt wie viel Early-Adopter-Bonus man dem iPhone X zugestehen muss, damit man im nächsten Jahr guten Gewissens auf a) ein nahezu rahmenloses Gehäuse schaut, b) mit zwei Stunden mehr Akkulaufzeit lebt, c) ein Super Retina Display mit dem Kontrastverhältnis von 1.000.000:1 vor sich hält, d) Selfies im Porträtmodus knipst und e) sein Gerät über Face ID entsperrt.


  1. Apropos Reiz: Entgegen (gefühlt) vieler Meinungen bin ich übrigens Fan des roten Punktes auf der digitalen Krone. Keine Ahnung warum. Ich finde ihn schnieke. 

Wackelfreie iPhone-X-Impressionen aus der ‚Hands-on-‘Ecke

Video

Marques Brownlee schafft, was nur wenige meistern: knackig scharfe Videobilder vom iPhone X aus der ‚Hands-on‘-Ecke im Steve Jobs Theater.

Apples eigener Grafikchip

Bislang lizenzierte Apple die GPU-Architektur seiner iPhones und iPad von der britischen Chip-Firma Imagination Technologies (und nahm in den letzten Jahren signifikante Anpassungen vor). Seit Herbst 2016 – beziehungsweise seit Frühjahr 2017 – ist klar: diese Lizenzvereinbarung kommt zu einem (nicht streitfreien) Ende.

Ich hatte zu Jahresbeginn konservativ gewettet, dass wir Apples ersten komplett eigenen Grafikprozessoren im Herbst 2018 sehen. Nun stecken ihre Chips aber schon dieses Jahr im iPhone 8, 8 Plus sowie iPhone X und bieten einen Performance-Sprung von 30-Prozent.

Mit Wissen um diese Entwicklung ist David Kanters „A Look Inside Apple’s Custom GPU for the iPhone“ unbedingt (noch einmal) zu lesen.

Entschlackt: Der App Store verabschiedet sich aus iTunes.

The new iTunes focuses on music, movies, TV shows, podcasts, and audiobooks. Apps for iPhone, iPad, and iPod touch are now exclusively available in the new App Store for iOS. And the new App Store makes it easy to get, update, and redownload apps—all without a Mac or PC.

Changes in the new iTunes

Kein Ausrutscher: Apple wirft tatsächlich Funktionen aus iTunes. „What a time to be alive.“

„Meet iPhone X“

Video

Ab November. Ab 1.149 Euro.

Lust auf eine kleine Raterunde? Meine Tipps für die neuen iPhone-Preise.

Spekulieren wir über Dinge, die wir vom morgigen Event noch nicht wissen (und auch definitiv nicht erfahren werden1): das zukünftige iPhone-Line-up plus Preise.

Apple aktualisiert am morgigen Dienstag, im starken Gegensatz zu den letzten Jahren, nicht die bestehende Produktpalette, sondern führt drei komplett neue iPhones ein: iPhone 8, iPhone 8 Plus und iPhone X. Das ist ein bedeutender Unterschied, der die Preisraterei ohne Präzedenzfall schwierig macht.

Ich gehe davon aus, dass das iPhone 6(s) und 6(s) Plus sowie iPhone 7 und 7 Plus nur noch in ausgewählten Märkten verfügbar sein werden und keine feste Rolle mehr im Line-up einnehmen. Früher rutschten die vorherigen Modell preislich eine Stufe nach unten, verblieben aber als aktiv beworbenes Produkte auf Apple.com/iPhone. Dagegen wette ich in diesem Jahr.

Nichtsdestotrotz: iPhone 6(s), 6(s) Plus sowie 7 und 7 Plus werden keinesfalls nur Ländern mit geringerem Verdienst vorbehalten sein. Beispielsweise führte Apple eine Neuauflage des 2014er-iPhones – das iPhone 6 – erst in diesem Sommer im deutschen Handel ein. Ich gehe fest davon aus, dass für eine absehbare Zeit also auch weiterhin noch iPhone 6(s), 6(s) Plus, 7 und 7 Plus vom Band laufen.

Als feste Mitspieler im iPhone-Team-Kader aber definiere ich Apple-Telefone, die Apple.com in diesem Banner auflistet:

Meine Vermutung: Ab Morgenabend stehen dort diese vier iPhones:

  • iPhone SE
  • iPhone 8
  • iPhone 8 Plus
  • iPhone X

Ohne konkret auf die Funktionen zu schauen, verrät bereits die Aufstellung eine Notwendigkeit für eine Preisanpassung. Mein Gefühl sagt mir, dass das iPhone 8 und 8 Plus minimal preiswerter werden (könnten) als das jetzige iPhone 7 und 7 Plus. Apple könnte a) einen hübscheren US-Dollarpreis finden, der gleichzeitig b) genügend Abstand nach oben lässt.

Zur selben Zeit dürfte Apple für diese Telefone inzwischen locker ihre geliebte Gewinnmarge von 35 – 40 Prozent erreichen.

Deshalb mein Tipp (als Startpreis in US-Dollar):

  • iPhone SE: $349 (aktuell $399)
  • iPhone 8: $599 (iPhone 7 aktuell $649)
  • iPhone 8 Plus: $699 ((iPhone 7 Plus aktuell $769)
  • iPhone X ($999)

Im Frühling könnte das iPhone SE, dessen Nachfrage Apple im letzten Jahr durchaus überrascht hat, ein Hardware-Update erhalten. Der Strassenpreis für das SE pendelte sich zuletzt aber konstant um die 300 Euro ein. Das Apple dieser Realität ein wenig entgegenkommt, erscheint mir logisch.

Und auch die ‚Product-Red-Edition‘, die dieses Jahr in der Halbzeit des einjährigen Zyklus erschien, erwies sich als (finanzieller) Erfolg. Deshalb erscheint es mir nur konsequent, diese Strategie im nächsten Frühling zu wiederholen.

Der Startpreis von 999 US-Dollar für das iPhone X erscheinen mittlerweile als bestätigt. Ich würde davon ausgehen, dass sich die Speicherkapazität noch in zwei 100-US-Dollar-Schritten aufstufen lässt.

Vodafone [Sponsor]

Vodafone unterstützt in dieser vollgepackten Apple-Keynote-Woche das iPhoneBlog als Sponsor. Für @vodafone_de twitter ich am morgigen Dienstagabend die Veranstaltung im neuen Steve-Jobs-Theater. Klickt doch mal rein und sagt Hallo!

Als Produkte erwarten wir natürlich die neue iPhone-Modelle, eine LTE-Apple-Watch sowie eine 4K-TV-Box. Das Motto des Events: „Let’s meet at our place.” Der Veranstaltungsort im Hauptquartier Apple Park ist dabei ähnlich spannend wie die dort gezeigten Produkte.

Das Glas-Auditorium mit Kohlefaserdach erstreckt sich überwiegend unterirdisch und bietet Platz für 1000 Zuschauer. Hinter der Präsentationbühne findet sich eine üppige Ausstellungsfläche, auf der die eingeladenen Medien- und Branchenvertreter im Anschluss alle gezeigten Produkte ausprobieren.

Das Steve-Jobs-Theater tritt die Nachfolge von Apples kleinem „Town Hall“-Saal im alten Infinite-Loop-Hauptquartier an. In den vergangenen Jahren mietete Apple für seine Veranstaltungen aber fast immer größere Bühnen außerhalb, die sie nach eigenen Bedürfnissen über Tage und Wochen zuvor umgebaut haben. Das Steve-Jobs-Theater ist dagegen exakt auf die Bedürfnisse abgestimmt, die Apple im Jahr 2017 verlangt.

Neben den Produkten wird deshalb das Steve-Jobs-Theater – mit seiner Bestuhlung, seinen Räumlichkeiten sowie Präsentationsmöglichkeiten – ein interessanter Teil der Show am morgigen Abend.

Ein großes Dankeschön an Vodafone, die mich als Sponsor in dieser Apple-Keynote-Woche unterstützen.

„iPhone 8 Camera Allows Users to Customize 3D Animated Emoji Using Facial Expressions“

Based on information in the iOS 11 GM firmware, the new „Animoji“, as they’re called, appear to be a feature exclusive to Apple’s so-called iPhone 8 and the phone’s new 3D sensing capability, enabling users to create custom 3D animated emoji based on facial expressions picked up by the camera.

MacRumors

Die Liste der Gesichtsausdrücke, die man den Animoji aufdrücken kann, ist beeindruckend lang. Eine solche Spielerei dient a) als exzellente Technik-Demo, aber auch b) als neues iOS-Alleinstellungsmerkmal (in Apples Nachrichten-App).

Hoffentlich verabschieden sich mit der Einführung der Animoji gleichzeitig die albernen Rundkopf-Emoji und die wirklich gruseligen Handschuh-Hände.