‚NewsBlur‘ – zuckrige RSS-Freuden

Mittlerweile hat Google den Link zu Reader komplett aus seiner Menüzeile im Web entfernt. Auch die Verweise zu ‚More‘ und ‚Even More‘ enthalten kein Ergebnis mehr. Wer die Adresse zu seinen RSS-Feeds nicht kennt (reader.google.com), sitzt schon jetzt, 38 Tage bevor dort endgültig die Lichter ausgehen, vor der Tür.

IPhoneBlog de NewsBlur

Das Netz braucht Alternativen. NewsBlur ist ein solcher (bereits vier Jahre alter) Gegenvorschlag mit Potenzial. Speziell nachdem in dieser Woche ein Re-Design online ging, das sowohl die Web-Version als auch die Apps für iPhone + iPad (kostenlos; universal; App-Store-Link) versüßte.

Die Rahmenbedienungen gleich vorweg: Der Dienst veranschlagt 2 US-Dollar pro Monat, lässt sich mit 64 Feeds (und minimalen Einschränkungen) aber beliebig lange ausprobieren.

NewsBlur’s traffic increased 20 times over after Google’s announcement, Clay said. What’s more, many users seem to be sick of the uncertainty that comes with relying on a free service like Google Reader. About half NewsBlur’s users pay $24 a year.

Adrianne Jeffries / The Verge

Gabe Weatherhead kam der Aufforderung zum Probelauf nach. Seine umfangreichen Beschreibungen und zahlreichen Screenshots finden sich hier.

Seinem Review sei hinzugefügt: NewsBlur ist ein klassischer RSS-Reader für eine technikfreundliche Zielgruppe. Die Keyboard-Shortcuts im Browser und die anzupassenden Darstellungsoptionen (über-)erfüllen den Anspruch geekiger Software. Wer RSS-Vorerfahrung mitbringt, hat viel anzuklicken. Feedly-Freunde dagegen kippen rücklings vom Stuhl.

Die iOS-Apps hinterlassen einen übersichtlicheren Eindruck, sparen jedoch nicht an Funktionen gegenüber der Web-App. Das Aktivitätslog führt Buch welche Feeds zuletzt hinzugefügt wurde, welche Story man bereits in welches Netzwerk gepumpt hat und welchen Twitter-, ADN- oder Facebook-Menschen man folgt.

Durch die (verschachtelten) Feed-Ordner und Abo-Links, die NewsBlur als OPML-Datei oder direkt aus dem Google Reader übernimmt, wischt man einhändig. Nur ganz selten verschluckt sich die native App und zeigt einen Eintrag erst nach erneuter Aufforderung. Und der Sync ist verdammt schnell. Eine globale Suche durch alle gelesenen und/oder ungelesenen Feeds fehlt.

NewsBlur’s Alleinstellungsmerkmal steckt in seiner Intelligenz, die Geschichten nach Schlagwörtern, Autor oder Überschrift ausblendet beziehungsweise in den Fokus rückt. Wie gut die antrainierten Routinen – über Bewertungen mit Daumen hoch, Daumen runter – funktionieren, kann ich noch nicht fundierte abschätzen.

NewsBlur ist Open Source. Das Prinzip der integrierten Blurblogs, bei denen man anderen NewsBlur-Leuten folgt und Einträge kommentiert, halte ich für verschwendete Liebesmüh. Diese Diskussionen sind in etablierten Netzwerken wie Twitter oder auf Facebook wesentlich zukunftssicherer aufgehoben.

Und noch eine Anmerkung in eigener Sache: Die Volltext-Feed-Adresse für das iPhoneBlog lautet www.iphoneblog.de/feed (die beiden Vorschläge, die euch derzeit NewsBlur anbietet, sind nicht aktuell/richtig).

In Comic-Kontur: Halftone (2)

IPhoneBlog de Halftone 2

Halftone ist eine dieser klassischen ‚Ein-Zweck-Apps‘ – in diesem Fall für Foto-Spielereien. Mit Sprechblasen, Panelrahmen und Schraffur-Filtern lassen sich Bilderstreifen im unverkennbaren Comic-Look erstellen. Die Stempel sind albern. Die unterschiedlichen Seitenlayouts, die die skizzenhaften Storyboards formen, zeigen sich jedoch dezent zurückhaltend. Genau deshalb hält sich die iPhone-App (0.89 €; App-Store-Link) seit ein paar Jahren in meinem Foto-Ordner.

Halftone 2 (App-Store-Link) ist eine neu geschriebene Version für das iPad, die sich kostenlos ausprobieren lässt und alle zusätzlichen Funktionen als In-App-Kauf für insgesamt 5.99 € freischaltet – so wie FiftyThree’s Paper.

iPhone Ad: Music Every Day

DirektMusicEveryDay

„Every once in a while, a revolutionary product comes along that changes everything.“

– Steve Jobs, 09. Januar 2007

„Hello, future losers!“ – Poker Night 2

Ein düsterer Hinterhof, tief hängender Zigarettenrauch, beißender Kneipengeruch und ein verhängnisvoller Pokertisch – keine Wohlfühlatmosphäre. Doch dann wird’s gesellig. Eure Karten-Kumpel sind Sam (aus Sam und Max), Brock Samson (Venture Bros.), Claptrap (Borderlands) und Ash Williams (Army of Darkness).

GlaDOS (Portal) moderiert die Texas- beziehungsweise Omaha-Hold’em-Partien.

DirektTelltalePoker

Poker Night 2 (4.49 €; universal; App-Store-Link), aus den Telltale Studios, vermischt unterhaltsame Videospiel-Comedy mit humorlosem Glücksspiel. Vor kitschigem Klaviergedudel verprasst ihr Spielgeld – In-App-Käufe oder Zeitstrafen gibt es nicht. Die (englischsprachigen) Reaktionen und Phrasen eurer Mitspieler sind exzellent gescriptet. Trotz unvermeidbarer Wiederholungen bin ich den Gags und kecken Sprüchen auch nach zwei Stunden noch nicht überdrüssig – auf lange Sicht scheint dies jedoch unvermeidbar.

Poker Night 2 erschien für Xbox, PlayStation und PC bereits vor einem Monat. Die damaligen Kritiken waren kein Bluff.

If you are looking for a good poker game, then this is a no-brainer, but even if you aren’t a huge poker player don’t overlook this. The witty conversations and fleshed-out characters make this a fantastic little game, with very little holding it back.

Joshua Derocher / Destructoid

Dropbox lässt Mailbox wachsen

IPhoneBlog de Mailbox Dropbox

Dieses Mailbox (kostenlos; universal; App-Store-Link), seit März Mitglied der Dropbox-Familie, enthüllt soeben seine iPad-Version (im Querformat).

Der nächste logische Schritt: ein eigener E-Mail-Dienst?

Windows 8: Weniger walten, mehr schalten.

DirektWindows8

Von den 64 GB-Speicher des Asus VivoTab Smart stehen ‚out of the box‘ die Hälfte zur Verfügung. Ansonsten: Faire Werbung.

We recently surpassed the 100 million licenses sold mark for Windows 8. This number includes Windows licenses that ship on a new tablet or PC, as well as upgrades to Windows 8.

Blogs.Windows.com

Vor drei Jahren, zum Start von Windows 7, waren es ebenfalls 100 Millionen Lizenzen nach den ersten sechs Monaten. Zum Vergleich: Apple verkaufte im Jahr 2009 noch kein einziges iPad. In den letzten zwei Quartalen waren es zusammengerechnet 42.5 Millionen.

Trotz App-Sandbox unverzichtbar: TextExpander 2.0

TextExpander (4.49 €; universal; App-Store-Link) ist trotz den systembedingten iOS-Einschränkungen eine absolute Empfehlung, obwohl die neue 2.0 nicht vom Hocker reißt. ‚Fill-in-Snippets‘ sind eine nette Erweiterung; die optische Aufbereitung verbleibt weiterhin nüchtern.

David Sparks schnipselte einen kompakten Zusammenschnitt von dem unentbehrlichen iOS-Tool, dessen SDK noch viel mehr App-Entwickler einbauen sollten.

Apples Kartenproblem. Die Lösung: Alle gegen Google.

Das neue Google Maps, derzeit nur auf Einladung und im Desktop-Browser, ist verspielt und nicht weniger als beeindruckend. Ich hab’s ausprobiert.

Im Vorfeld der anstehenden WWDC erinnert Daniel Jalkut (MarsEdit) an die zentralen Probleme mit Apples Karten. Einer davon ist und bleibt, dass der Button „Problem melden“ keine Auswirkungen zeigt. Oder wie viele eurer Änderungen sind bislang beachtet worden?

In order for Apple’s customers to continue “reporting a problem” with Maps, they need to feel that their reports are having some impact. They need to feel respected. Ideally, good reports would lead to timely corrections on a mass level that would benefit all other iOS users. Anecdotally, this is not happening.

Respect The Crowd

Das Problem ist jedoch größer als mein kleiner Kiosk in Helsinki, der (auch nach acht Monaten noch) auf der falschen Straßenseite verkartet ist. Apples (fahrlässige) Nichtbearbeitung nährt eine Kultur, die die potenzielle Teilnahmebereitschaft abwürgt. Und genau diese gilt es eigentlich anzukurbeln.

Google ackerte bereits über fünf Millionen ‚Street View‘-Meilen ab; Nokias HERE Maps beziehen Daten von Logistikunternehmen wie UPS, die pro Jahr 3.3 Milliarden Meilen bereisen und trotzdem liefern oft erst die lokalen Check-Ins von Foursquare und Co. die wirklich hilfreichen Datenpunkte.

Als Googles Bernhard Seefeld in der letzten Woche die I/O-Bühne betrat, zeigte er ein Foto der anwesenden Zuschauer, das er erst wenige Minuten zuvor mit seinem Nexus geschossen hatte, dem Moscone Center und der Veranstaltung aber bereits im Maps-Katalog zugeordnet war.

Exzellent einerseits, zunehmend gruselig auf der anderen Seite.

Vic Gundotra ließ in einem Nebensatz zum neuen Auto-Fotoeditor auf der Entwicklerkonferenz fallen, dass sich die Mountain-View-Server in den letzten zwei Wochen mal kurz durch alle Bilder aller Nutzer auf Google+ filterten. Das Motto: Erst machen, dann Bescheid sagen aber nie fragen.

In diesem Zusammenhang ist das anmerkenswert weil Apple und Google speziell aus Gründen betreffend der Privatsphäre getrennte Wege gehen. Berichtet wurde: Google wollte mehr Nutzerdaten aus den ehemaligen iOS-5-Karten quetschen (von einer permanenten Latitude-Ortung war beispielsweise die Rede). Apple war jedoch nicht bereit diese persönlichen Informationen zu teilen. Als Druckmittel hielt Backend-Lieferant Google seine Vektorkarten und (gesprochene) Fahranweisungen zurück.

Diese Gespräche laufen nicht erst seit letztem Jahr auseinander. Und es ist nicht davon auszugehen, dass die getrennten Wege sich in naher Zukunft wiederfinden.

IPhoneBlog de Google Maps Browser

Nun gut. Google Maps hält also eindeutig die überlegende Hand beim Kartenspiel. Die Ansage auf der I/O war dazu unmissverständlich:

„Google Maps for iPhone is sleek, simple, and let’s not forget, accurate.“

Daniel Graf

Da Google jedoch auf die iOS-Hardware angewiesen ist (immerhin sind es iPhones und iPads die den Traffic erzeugen), schreitet das ‚Katz und Maus‘-Spiel voran1.

Damit ist die derzeitige Situation, in denen iOS-Nutzer aus zwei sehr gute Kartenanbietern wählen, zufriedenstellend. Sich aber langfristig darauf zu verlassen, wäre kurzsichtig.

Apples Chance, abseits der finanziellen Übernahme diverser Check-In-Navi-Dienste, liegt in der eigenen Firmenpolitik. Ein Schulterschluss mit Open-Source-Projekten wie den OpenStreetMaps, zur gemeinschaftlichen Datenpflege, die über den Aufruf ein ‚Problem zu melden‘, hinausgeht. Das Kartengut aktiv mitzugestalten um es im Wikipedia-Stil wieder der Community zurückzugegeben, würde Apple Maps sehr flott auf Augenhöhe katapultieren.

Die lizenztechnischen und juristischen Details sind dafür keine leichte Aufgabe. Der firmeninterne Kulturwechsel ist allerdings die größere Herausforderung – selbst wenn ein freies Gegengewicht zu Google Maps, aufgesetzt als positiver Konkurrenzkampf, schon alleine durch die positive Presse zu rechtfertigen ist.

Durch die Smartphone-Dominanz befindet sich Apple in einer privilegierten Position, überhaupt in diese Richtung zu denken. Ob sie’s tun? Nein. Aber das Gedankenspiel war’s (mir) wert.

So what are we doing? We’re putting all of our energy into making it right. And we have already had several software updates. We’ve got a huge plan to make it even better.

Tim Cook


  1. Google Maps fürs iPad kommt im Sommer.