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van Alex Olma
11. April 2016 – 21:14 Uhr

Size does matter. Das 9,7” iPad Pro.

Wow, was für ein Größenunterschied. Nach sechs Monaten auf dem 12,9″ iPad Pro traf mich der Sprung zurück aufs neue 9,7″ iPad Pro unvorbereitet – positiv wie negativ. Hier ein kurzer Erfahrungsbericht nach meiner ersten Woche mit dem ‚Baby-Pro‘.

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Lasst uns für einen Moment persönlich werden. Lasst uns über eigene Arbeitsweisen sprechen, über tägliche Gewohnheiten und individuelle Vorlieben. So kommen wir dem neuen iPad eventuell näher; so kann ich mir vielleicht selbst das neue Tablet besser erklären.

Weil…wer hier mitliest, hat sicherlich schon die Unterschiede auf dem Datenblatt studiert, die weit über den Display-Umfang hinausreichen. Eine Erkenntnis: Das meiste Geld kauft nicht automatisch auch das beste iPad. Selbst wenn Geld keine Rolle spielt: Man kann im Moment nicht das beste iPad kaufen. Das Line-up der Apple-Tablets ähnelt mittlerweile mehr denen der MacBooks, die sich mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen in die Produktsegmente MacBook, MacBook Air und MacBook Pro aufteilen.

Die Frage also, die Robert Lembke so perfekt für seine Quizshow-Gäste in den 70-Jahren formulierte, lautet damals wie heute: „Welches Schweinderl hätten Sie denn gern?“

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Beginnen wir beim Preis. Ab 397 Euro gibts ein iPad mini 4; das neue 9,7″ Pro ist ab 689 Euro erhältlich und ein 12,9″ Pro legt man für 907 Euro in den Warenkorb. Das iPad Air 2 (ab 439 Euro) und iPad mini 2 (ab 297 Euro) passen zwar preislich für Apple in zwei Schubladen, für mich, der in erster Linie auf Technik und Zukunft schaut, aber nicht. Selbst der verlockende Preisunterschied von knapp 250 Euro, das ein iPad Air 2 gegenüber einem 9,7″ Pro spart (ignorieren wir für den Moment den Speicherunterschied der zwei Modelle von 16- zu 32-Gigabyte), ist eine Versuchung, der man heute besser widersteht. Der Aufpreis, der beim Bildschirm anfängt (40-Prozent weniger reflektierend, 25-Prozent heller, ‚True Tone‘-Display), sich über den Prozessor zieht (A9X vs. A8) und beim Zubehör und den neuen Anschlüssen aufhört (Pencil, Smart Connector, Keyboard), ist die Mehrkosten schlicht wert.

Ich argumentiere ich hier nicht absolut, und für Apple macht es durchaus Sinn diese Preispunkte zu treffen. Aus meiner Sicht und mit meinen Präferenzen steht der Preis und die Leistung beim Baby-Pro aber in einem beträchtlich besseren Verhältnis als zum Air 2.

Aber wir wollten persönlich werden…

Mein Tag beginnt auf dem iPhone (6s Plus) mit Twitter, RSS und einer stark begrenzten Auswahl an Apps, denen ich Push-Benachrichtigungen erlaube. Mittlerweile habe ich meine Mitteilungen so kräftig zusammengestrichen, dass ich in ein bis zwei Minuten alle wesentlichen (für mich wichtigen) Ereignisse überblicke, die während der Nachtzeit passiert sind.

Nach diesem ersten Push in den Tag nehme ich die meisten Benachrichtigungen ab dann nur noch auf der Uhr entgegen. iPads bleiben grundsätzlich Push-frei.

Mein Schreibtisch-Computer ist seit letztem Jahr das 12,9″ iPad Pro sowie ein MacBook Pro (2015), das manchmal an einem externen Apple-Bildschirm hängt. Will ich mich konzentrieren, verkrieche ich mich am iPad Pro im Texteditor Ulysses, der sich häufig den Bildschirm im Split-Screen mit Safari teilt. Dort tippe ich auf der iPad-Hardware-Tastatur. Twitter, RSS, Instapaper, Slack und ab und zu einen Blick ins (Airmail‑)Postfach werfe ich grundsätzlich über das iPhone. Zum Kleinrechnen von Artikelfotos (Acorn, JPEGmini), für Videoschnitt (Final Cut), Downloads und Podcasts (Skype, Mumble) läuft das MacBook.

Abends, insofern ich nicht arbeite, ist es überwiegend das iPhone, das mich vom Abendessen auf die Couch und von der Couch ins Bett begleitet. Summa summarum sind es also drei Screens, die das tägliche Internetrauschen zu mir bringen. Ist in dieser Aufstellung noch Platz für ein viertes Display? Lässt sich einer der Mitspieler vielleicht auswechseln? Wo würde bei mir das 9,7″ iPad Pro reinpassen?

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Die Frage klingt dekadent, ist aber nicht so gemeint. Mir ist bewusst, das wir noch nicht in einer Zukunft leben, in der Computer als Glasscheiben überall herumliegen, die wir uns jeweils passend zur Situation schnappen. Die Überlegung ist aber spannend, weil es die Stärken und Schwächen des neuen 9,7″-Tablets aufzeigt. Wie bereis eingangs erwähnt: Es ist mehr als nur die Bildschirmgröße, die das 9,7″ auszeichnet.

Mit kleinem iPad Pro im Hinterkopf rollen wir meinen Tag noch einmal rückwärts auf.

Das Baby-Pro ist allem voran das bessere Lesegerät. Es bietet mehr Platz als ein iPhone für Text, Comics und Webseiten, jongliert sich aber außerdem leichter auf den Oberschenkeln als ein 12,9″ Pro. Es bringt außerdem ein breiteres Farbspektrum und eine überlegene Farbsättigung mit, die selbst ein MacBook in den Schatten stellt (im iPad-Pro-Screen steckt die Technik vom iMac 5K). Kein Apple-Laptop kann außerdem mit den vier iPad-Lautsprechern für Filme, Serien und Musik mithalten. Ernsthaft: Die Qualität der Lautsprecher-Boxen ist derart überlegen, dass ich Filme vom MacBook – das neben mir liegt – aufs iPad streame anstelle die Wiedergabe unter macOS zu starten.

Die Vorteile bei meiner abendlichen Nutzung sind teilweise die Nachteile am Schreibtisch. Zwei Apps im Split-Screen-Mode schrumpfen auf einem 9,7″-Display. Kennt man das 12,9″ Pro und die Darstellung von zwei iPad-Apps in voller Größe nebeneinander, ist das ein klarer Rückschritt. Auch die detailliertere Bildschirmtastatur, die das 12,9″ eingeführt hat, ist weitaus bequemer als das alte Tastatur-Layout.

Auf die Schnellladefunktion über einen USB-C-Netzstecker, so wie sie das 12,9″ besitzt, wurde zu meinem Unverständnis verzichtet.

Und damit die Entscheidung kompliziert bleibt: Nur das 9,7” Pro gibt es in einer (günstigeren) 32 GB-Variante mit Mobilfunk. Das 12,9” startet erst mit 128 Gigabyte internem Speicher.

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Und es geht weiter…

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als wir über Leute geschmunzelt haben, die mit iPads fotografieren? Yep, diesen Trend nicht früher erkannt zu haben, ist auch mir ein bisschen peinlich. Die rückseitige Kamera im 9,7″ entspricht der Kamera im iPhone 6s – Apples bester Hardware (die trotz Kamerahügel flach auf dem Tisch aufliegt und nicht kippelt).

Wer viel reist, lernt die eingebaute Simkarte zu schätzen. Das 9,7″ hat in seiner LTE-Ausführung neben dem Simkarteneinschub außerdem noch eine fest verlötete Mobilfunkkarte. Apple hat bereits eine Auswahl an Partnerländern, bei denen sich die dort gängigen Datentarife direkt nachdem man seinen Flieger verlassen hat, aufs iPad bucht. Kein Gang zum nächsten Mobilfunker, keine falsche Tarifwahl und vor allem kein Simkartenwechsel. Hält man sich länger in einem Land auf, ist es sicherlich preiswerter nach lokalen Tarifen zu forschen. Für Geschäftsreisende und jeden, der es bequem und unkompliziert wünscht (ich habe gelernt niemals den Faktor Bequemlichkeit zu unterschätzen), ist das eine Option online zu gehen, die an Komfort kein Laptop erreicht.

Mit allen diesen Unterschieden ist das 9,7″ gegenüber seinem größeren Bruder nicht per se ein schlechterer Computer. Wer aber das 12,9″ schätzt und liebt, sieht das 9,7” für sich vielleicht eher als eine ergänzende Rechenmaschine1 – so geht’s zumindest mir.

Fazit

Ich mag es nicht, wie oft üblich, im Fazit die oben genannten Argumente noch einmal zusammenzufassen. Deshalb im folgenden Abschnitt noch zwei ergänzende Gedanken.

Die „Why would you buy a PC anymore?“-Diskussion habe ich hier bislang bewusst ausgeklammert. Viel ist dazu bereits gesagt und geschrieben. Niemand würde obendrein auf die Idee kommen, die Existenz eines MacBook mit jedem neuen Modell neu zu hinterfragen.

Nur ganz kurz…

Auffällig aber ist (abermals) wie viel Computerzeit uns ein iPad heutzutage bereits abknapst. Eine exakte Messung ist schwer (Apple hat darüber bestimmt gute Daten), aber das sich unsere PC-Nutzung generell ändert, ist wohl nicht abzustreiten. Im Bett, auf der Couch, im Zug oder im Flugzeug: Das iPad übernimmt nach und nach Aufgaben, für die wir vorher Laptops gekauft haben. Instant on, immer mit dem Netz verbunden, handlicher, leichter zu bedienen und mit einer größeren Softwareauswahl. Kein Wunder also, das der PC-Markt im letzten Vierteljahr erneut um fast 10-Prozent einbrach.

Zweiter (abschließender) Gedanke: Erstkäufer_innen_ oder Kunden und Kundinnen, die schon ein betagtes iPad besitzen und es lieben (gemeint sind iPad Airs und ältere Tablets), findet mit dem neuen 9,7″ Pro ein fantastisches Update. Der Sprung für jemanden der regelmäßig zu seinem Tablet greift, ist groß genug. Deshalb bin ich mir auch sicher, dass sich dieses Modell aus der mittlerweile großen iPad-Auswahl auf absehbare Zeit am besten verkauft.

Das neue 9,7” hat nicht ein einzelnes dominantes Feature, mit dem es wirbt. Es ist eher die Zusammenstellung vieler kleiner Neuerungen, die das Paket schnüren.

Nehmen wir beispielsweise das ‚True Tone‘-Display, das über Sensoren in der iPad-Stirn automatisch die Farbe und die Intensität des Bildschirms auf die jeweilige Beleuchtung im Raum anpasst. Unter grellem Bürolicht mischt sich beispielsweise ein dezenter Blauton ins Bild; in sonnendurchfluteten Zimmern justiert das iPad unauffällig die Farbtemperatur nach oben.

Der Effekt ist sichtbar, wenn man explizit darauf achtet. Im Alltag vergisst man das genau solange, bis man wieder ein iPad in die Hand nimmt, das diese kontinuierliche Feinjustierung nicht hat.

Es ist kein Feature, dass das Baby-Pro direkt verkauft, aber es prägt den Gesamteindruck nachhaltig – so wie der Apple Pencil, das Smart Keyboard oder die Verfügbarkeit von Microsoft Office, das im Gegensatz zu seiner Desktop-Version (oder der Installation auf einem 12,9” iPad Pro) für alle Geräte unter 10” komplett kostenlos ist.

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Teil meiner Faszination mit dem iPad bleibt die Geschwindigkeit, mit der sich die Plattform entwickelt. Heute ist es eine neue Display-Technik, neue Eingabegeräte und Schnittstellen, in diesem Sommer schauen wir bereits auf ein neues Betriebssystem-Update und in der täglichen Benutzung ist es die Software, die sich andauernd weiterentwickelt.

Ich bleibe ein Fan dieser Computer.


  1. Das 9,7” iPad Pro hat im Gegensatz zum 12,9” iPad Pro nicht vier, sondern nur zwei Gigabyte an Arbeitsspeicher. Ich sehe durchaus einen möglichen Nachteil, der sich daraus in einigen Jahren ergeben könnte. Im hier und heute merke ich den Unterschied in meiner Nutzung aber nicht. 

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