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van Alex Olma
18. Oktober 2017 – 13:23 Uhr

Das iPhone 8 und iPhone 8 Plus

Eins vorweg: Es fühlt sich verdammt komisch an zu wissen, dass ich bereits in 2 Wochen erneut ein Notizblatt in Ulysses anlege, aus dem später wieder ein längerer iPhone-Artikel wird. Dieser Doppelschlag, ein iPhone 8 (Plus) im September und ein iPhone X im November, ist…sonderbar.

Keine Frage: Die Produktionskapazitäten für das iPhone X scheinen deutlich eingeschränkt. Das exakte Ausmaß, dass die Lieferzeiten verraten werden, bleibt abzuwarten. Und trotzdem: Apple feiert in dieser iPhone-Saison einfach zweimal. Warum auch nicht: Sie haben kein Problem damit wenn sich unterschiedliche Produkte aus eigenem Haus gegenseitig kannibalisieren – „it‘s almost by design1.

Das klappt aber nicht immer: Vergleichbar eng wie in diesem Jahr lagen in der iPhone-Geschichte nur das iPhone 5s und 5c zusammen. Das 5c scheiterte an seinem Image, weil es nur als Apples zweitbestes Telefon wahrgenommen wurde. Und ja, es war technisch unterlegen, verdankte den Misserfolg aber allem voran der Wahrnehmung, dass man sein Geld hier nicht in das Top-Modell investiert (sondern sich nur das „billigere“ iPhone leisten kann).

Ich habe keinen Zweifel daran, dass das iPhone 8 und 8 Plus dieser Gefahr genauso ausgesetzt ist, allerdings sehen die Vorzeichen – vier Jahre später – signifikant anders aus.

Ganz offen und ehrlich: Ich habe wirklich keine Ahnung, wie wir in zwei oder drei Jahren auf das iPhone 8 (Plus) zurückblicken. Genau das macht dieses Jahr, und diesen iPhone-Doppelschlag, aber auch so spannend.

Klar ist: Mit jedem neuen iPhone versucht Apple ein bestmögliches Erlebnis zu verkaufen, dass die Bestandskunden zum Upgrade anregt oder die Android-Switcher wechseln lässt. Inzwischen erstreckt sich die Preisspanne für diese Erlebnisse von 300 Euro (iPhone SE) bis zu 1300 EUR (iPhone X). Es gibt keinen S-Zyklus mehr; es gibt nicht mehr das eine iPhone-Modell, das jeder kauft. 2017 ist tatsächlich ein Jahr, dass komplett aus dem alten Rhythmus springt.

Apple entschied sich diesmal nämlich nicht nur das iPhone 7 (Plus) aktiv weiterzuverkaufen, sondern auch das iPhone 6s – und in ausgewählten Märkten, darunter Deutschland, sogar das iPhone 6. Es ist deshalb nur begrenzt sinnvoll die Neuerungen und Vorzüge des iPhone 8 mit den Features eines iPhone 7 zu vergleichen. Schon deshalb, weil die meisten Upgrade-Zyklen weiterhin im zweijährigen Vertrags-Takt der Mobilfunkanbieter tanzen. Sprich: Kunden vom iPhone 7 sind in diesem Jahr noch nicht Upgrade-berechtigt. Und wer als Enthusiast wirklich jedes Jahr ein neues iPhone kauft, der wird in diesem Jahr zum iPhone X greifen.

Als potenzielle Interessenten für das iPhone 8 sehe ich deshalb jeden, der aktuell ein iPhone 6s oder älter benutzt, beziehungsweise von einem Android-Smartphone ins iOS-Ökosystem wechselt. Idealerweise zahlt man bei einer Vertragsverlängerung – und mit einer verpflichtenden Laufzeit – keine Unsummen als Preis für das Gerät obendrauf. Denn machen wir uns nichts vor: Letztendlich kommen die meisten Smartphone-Verkäufe genauso zustande. Verfügbarkeit spielt eine Rolle; der monatliche Grundpreis ist wichtig und die meisten Smartphones werden subventioniert zusammen mit Mobilfunktarifen erworben.

Aber auch abseits dieser Bürokratie spielt das iPhone 8 keinen Platzhalter für das iPhone X. Man darf auch nicht den Fehler begehen und das ähnliche Gehäusedesign als eine Art Sicherheitsnetz verstehen, falls der komplette Hardware-Neubeginn mit dem iPhone X schiefläuft. Das iPhone 8 und 8 Plus demonstrieren Schwerpunkte, die die natürliche Weiterentwicklung der iPhone-Serie zeigen. Außerdem konzentrieren sich beide Telefone auf Funktionen, die das iPhone X nicht (mehr) bietet: einen größerer Plus-Bildschirm, Touch ID oder die Gehäuse-Kompatibilität mit Hüllen, Docks und anderem Zubehör.

Apple verkauft pro Jahr über 200 Millionen iPhones; über 800 Millionen Apple-Telefone sind insgesamt in Verwendung. Das sind eine Menge Kunden mit unterschiedlichen Bedürfnissen und verschiedenen Preisvorstellungen. Ich bin mir sicher, wir müssen uns in den nächsten Jahren darauf einstellen, dass Apple eher mehr als weniger iPhone-Modelle aktualisiert. Die ‚One-size-fits-all‘-Strategie, die so fantastisch übersichtlich und verständlich in den ersten 10 Jahren funktionierte, hat in diesen Größendimensionen ausgedient.

Verzeiht mir die lange Einführung, aber die Positionierung des iPhone 8 und 8 Plus im derzeitigen Line-up ist in diesem Jahr ein zentraler Aspekt dieser Geräte. Aber nun ab zum eigentlichen Telefon.

Die Kamera

Der zentrale Kaufgrund für ein neues iPhone ist und bleibt das Kamerasystem. In diesem Jahr spiegelt das Datenblatt nur unzureichend wieder, wie viel mehr Kamera im iPhone 8 (Plus) steckt – selbst im Vergleich mit dem iPhone 7 (Plus). Der langsame „4fach-LED True Tone Synchronblitz“ versucht die Beleuchtung des Blitzes mit dem tatsächlichen Umgebungslicht in Einklang zu bringen. Das Ergebnis: Anstelle von kalkweißen Gesichten im Vordergrund und einem pechschwarzen unkenntlichen Hintergrund, bekommt man nun Fotos, die natürlicher ausgeleuchtet sind und trotzdem noch die Atmosphäre der Umgebung einfangen.

Fotografieren mit Blitzlicht sollte zwar weiterhin eine absolute Ausnahme bleiben, aber der Kamerablitz produziert nun nicht mehr komplett inakzeptable Erinnerungen.

Eine sichtbare Neuerung betrifft HDR, eine Kamerafunktion die mit iOS 4.1 eintrudelte und sieben Jahre später, jetzt mit dem iPhone 8, nun erstmals standardmäßig eingeschaltet ist. Das heißt aber nicht, dass das iPhone jedes Foto in HDR knipst. Das Feature wird eher „intelligent“ zuschaltet. Diese Aufnahmen sind anschließend deutlich in der Fotobibliothek mit dem Schriftzug HDR gekennzeichnet. Handelt es sich um ein Live Photo, kann man den Unterschied zwischen einem HDR-Bild und der Nicht-HDR-Aufnahme in einer kurzen Animation direkt nach dem Wischen zum nächsten Foto erkennen.

Apples Porträtmodus startete im letzten Herbst als Beta, die damals jedoch noch links und rechts angeeckt ist. 12 Monate später hat sich das Potenzial entfaltet: Einige meiner absoluten Lieblingsfotos aus dem letzten Jahr sind mit dem Porträtmodus entstanden – insbesondere wenn genügend Licht vorhanden ist.

Für Porträtlicht, das diesjährige Upgrade für den Porträtmodus, hege ich ähnlich große Hoffnungen. Noch braucht es ganz bestimmte Fotobedingungen, damit das Feature richtig zieht. „Bühnenlicht“ und „Bühnenlicht Mono“ sind ausserdem Kandidaten, die nicht nur nach den idealen Umständen suchen, sondern auch das richtige Motiv. Apple packt hier ein „Pro-Feature“ in seine Standard-Kamera-App. Die Bedienung ist zwar kinderleicht, Porträtlicht braucht aber Übung und Interesse an Fotografie.

Ich finde das bemerkenswert, weil man nicht auf eine substanzlose Spielerei setzt, die vielleicht eine lustige Demo abgibt. Porträtlicht ist eine ernstzunehmende Funktion für Fotografie. Wir werden uns auf noch mehr von diesen Effekte durch ‚computational photography‘ in Zukunft freuen dürfen. Es ist für Smartphone-Kameras ein zentraler Weg vorwärts mit dem die Telefone ihre physikalischen Größenlimits – gegenüber Spiegelreflexkameras und spiegellosen Kameras – ausgleichen.

Andere bemerkenswerte Specs: 4K-Video mit 60 Frames in der Sekunde sowie 240 Frames in 1080p. Beides ist nur dank dem A11 Bionic Chip möglich. Ich bleibe bei meiner alten Faustregel: „Wenn du Kids hast, sind alleine die besseren Fotos, die das jährliche Update der Kamera mitbringt, ein neues iPhone wert.

Die Prozessorleistung

Der Geschwindigkeitsvergleich mit dem MacBook Pro ist zur Genüge durchgekaut. Entscheidend ist, was zum signifikanten Performance-Sprung (bei gleichzeitig geringerem Energiebedarf) innerhalb von nur 12 Monaten geführt hat. Wieso rockt Apples A11 Bionic Chip gerade alles und jeden weg?

Die simple Antwort: Apple baut seine eigenen Chips, die einzig und alleine nach ihren eigenen Bedürfnissen konstruiert sind. Dazu gehört, dass der A11 beispielsweise physikalisch größer ist als die besten Qualcomm-Steine, die in anderen Highend-Smartphones verbaut werden.

Apple lizensiert dafür von ARM eine sogenannte „Architecture License“, die ihnen das Recht einräumt komplett eigene ARM-CPUs zu bauen und dafür obendrein einen entsprechenden Befehlssatz zu entwickeln. Apples erster 64-Bit-Prozessor im iPhone 5s überraschte die gesamte Industrie. Schlussendlich dauerte es zwei Jahre, bis die Konkurrenz aufschloss. Der A11 ist ein Hexa-core-Prozessor, der zwei hochperformante Kerne (Codename: Monsoon) neben vier energiesparenden Kernen (Codename Mistral) laufen lässt und bei Bedarf alle sechs Cores zusammenschaltet.

Apple schluckt die Kosten für die höheren Ausschussraten, die ein größerer Chip mit größerem Speicher bedeutet, erzielt dafür aber auch eine Leistung, die mit Chips von der Stange nicht zu erreichen ist. Google hat ähnliche Ideen; ansonsten lässt sich aber kein anderer Smartphone-Hersteller seine Chips maßschneidern.

Apple’s CPUs are big and in this game, big means expensive. According to a 2016 report by the Linley Group, the Hurricane cores in the Apple A10 are “about twice the size of other high-end mobile CPUs”. Even the smaller Zephyr cores are much larger than their low-power counterparts, “nearly twice as large as Cortex-A53.” The key here is that Apple sells smartphones, not chips. As a result, it can afford to make the SoCs more expensive and recoup the money in other places, including the final retail price.

ARM and Qualcomm, however, are in the chip selling business. ARM does the CPU core design for Qualcomm (and others like MediaTek) and Qualcomm designs the chips, which it in turn sells to handset makers like Samsung, Sony, LG, etc. ARM needs to make a profit. Qualcomm needs to make a profit. All the OEMs need to make profits. The practical result is that Qualcomm can’t afford to make overly expensive processors or OEMs will start looking elsewhere.

Android Authority | Gary Sims

Wireless Charging

Apple ist einer der letzten Hersteller, die „Kabelloses Laden“ ausprobieren. Apple ist allerdings auch der Hersteller, der durch die schiere Anzahl seiner Telefone den größten Einfluss auf die Verbreitung einer solchen Technik liefert.

Allerdings bin ich recht unbeeindruckt: „Wireless Charging“ ist langsam, bringt deutlich Wärme auf die Glasrückseite und steht in keinem guten Preisleistungsvergleich zu Fast Charging. Bereits ein 12W-iPad-Netzteil pumpt etwa die Hälfte einer Batterieladung in 30 Minuten ins Telefon. Das hilft im Alltag tatsächlich.

Bitte nichts falsch verstehen: Ich bin sehr froh darüber, dass Apple sich dem Qi-Standard angeschlossen hat (und nicht ihr eigenes Ding macht). Und es gibt Situationen, da ist es sicherlich bequemer das iPhone einfach abzulegen als einzustecken. Ums auszuprobieren habe ich mir von IKEA für 13 Euro das RÄLLEN-Ladepade in meinen Schreibtisch eingelassen 2. So sieht man zwar kein Kabel, aber natürlich führt noch ein solches Kabel zur Steckdose. Nach einigen Wochen mit der Ladeplatte im Schreibtisch kann ich sagen: Dort ist sie für mich relativ überflüssig.

Insgesamt sehe ich Qi-Charging als Übergangstechnologie. Die Technik ist langsam, nicht so effizient wie das Aufladen per Kabel (wenn man den 12W-Netzstecker benutzt) und bietet nicht wesentlich mehr Komfort.

True Tone

Interessant war, dass das 9,7” iPad Pro zuallererst einen True-Tone-Bildschirm bekam. Eineinhalb Jahre später ist die Technik, die die Displayfarbe graziös der Umgebung anpasst, auch im iPhone.

Es sind weiterhin sehr feinfühlige Farbwechsel, die man nur im direkten Vergleich mit einem Display ohne True Tone tatsächlich erkennt. Wenn sich die Augen daran aber einmal gewöhnt haben, ist es schwer sich wieder zu entwöhnen. Abends, auf der Couch oder im Bett, habe ich aufgrund von diesem Feature oft das iPad dem iPhone vorgezogen. Der Unterschied ist unaufdringlich aber deutlich – ganz anders als ‚Night Shift‘, das den Bildschirm bis zur Unkenntlichkeit verfärbt.

Das Gehäuse

Nilay Patel nannte das iPhone 8 die vierte Generation des iPhone 6. Ich finde das fair, wenn man diese Beschreibung aufs Gehäusedesign bezieht – was er definitiv tut3. Die gläserne Rückseite gibt dem Telefon ein angenehmes Gewicht – eine leichte Schwere, die sich hochwertig anfühlt. Außerdem ist die neue Rückseite griffiger als der Aluminiumrücken seiner Vorgänger.

Das Design funktioniert sowohl ohne als auch mit Hüllen. Ich mag Apples Leder Case – insbesondere die neuere Version mit den Aluminium-Knöpfen. Aktuell benutze ich die Farbe „Kosmosblau“. Je nach Tagesform trage ich das 8 Plus mit Hülle oder komplett ohne Case.

Die neue „Gold“-Farbe würde ich eher als einen retro Cremeton beschreiben, der definitiv trendy aussieht. Dem iPhone X bleibt diese Farbe im Moment noch vorbehalten. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sich das im nächsten Jahr – vielleicht schon im Frühling – ändert. Derzeit ist diese Gehäusefarbe aber ein Alleinstellungsmerkmal vom iPhone 8 und 8 Plus.

Beide 8er-Modelle gibt es in den Speichergrößen 64 GB und 256 GB. Kein anderes iPhone zuvor startete mit einer größeren Minimalkonfiguration. Nach der langjährigen Kritik, die Apple für seine 8 GB- und 16 GB-Modellen zurecht einfuhr, ist Apple in nur 2 Jahren jetzt bei 64 GB im unteren Einsteigermodell angekommen. Das ist erfreulich.

Fazit

Unterm Strich steht: Apple feiert zurecht in diesem Herbst zweimal. Das iPhone 8 und 8 Plus verfeinern einen bereits exzellenten Vorgänger. Kein anderes Smartphone ist (auch nur annähernd) so schnell. Durch diese Leistung profitiert insbesondere das Kamerasystem im Plus-Modell. Der erstmals komplett selbst entworfene Bildprozessor bietet für Fotos einen höheren Dynamikumfang und weniger Rauschen in dunklen Situationen. Sprich: Die Kamera knipst bessere Bilder.

‚Partner in crime‘ ist selbstverständlich iOS 11, das auf einem iPhone 8 (Plus) von Beginn an flüssig und stabil läuft. Sowohl dem Betriebssystem, als auch einigen modernen App-Store-Apps, merkt man deutlich die zusätzliche Luft an, die der Prozessor nun nach oben bietet. Und alles was mich schneller arbeiten lässt (oder zumindest effektiver prokrastinieren), ist mir mein Geld wert. Das Leben ist einfach zu kurz um es mit schlechter Technik zu vertrödeln.


  1. Phil Schiller‘s komplettes Zitat: „It’s not a danger, it’s almost by design. You need each of these products to try to fight for their space, their time with you. The iPhone has to become so great that you don’t know why you want an iPad. The iPad has to be so great that you don’t know why you why you want a notebook. The notebook has to be so great, you don’t know why you want a desktop. Each one’s job is to compete with the other ones.“ 
  2. Mit dem Lochsäge-Set FIXA für 5 Euro haben selbst meine zwei linken Hände das hinbekommen. 
  3. Das Video von The Verge ist ohnehin eines der besten Reviews zum iPhone 8 und 8 Plus. 

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