Digital Markets Act: In der EU sind Progressive Web App jetzt nur noch Bookmarks

Apple, in ihrer eigenen Frage-Antwort-Sektion über den Digital Markets Act:

The iOS system has traditionally provided support for Home Screen web apps by building directly on WebKit and its security architecture. That integration means Home Screen web apps are managed to align with the security and privacy model for native apps on iOS, including isolation of storage and enforcement of system prompts to access privacy impacting capabilities on a per-site basis.

Without this type of isolation and enforcement, malicious web apps could read data from other web apps and recapture their permissions to gain access to a user’s camera, microphone or location without a user’s consent. Browsers also could install web apps on the system without a user’s awareness and consent. Addressing the complex security and privacy concerns associated with web apps using alternative browser engines would require building an entirely new integration architecture that does not currently exist in iOS and was not practical to undertake given the other demands of the DMA and the very low user adoption of Home Screen web apps. And so, to comply with the DMA’s requirements, we had to remove the Home Screen web apps feature in the EU.

EU users will be able to continue accessing websites directly from their Home Screen through a bookmark with minimal impact to their functionality. We expect this change to affect a small number of users. Still, we regret any impact this change — that was made as part of the work to comply with the DMA — may have on developers of Home Screen web apps and our users.

Seit über einem Jahrzehnt existiert die „Add to Home Screen“-Funktion – quasi ohne Weiterentwicklung. Erst als die Regulierungsanstrengungen der Europäischen Union starteten, baute Apple die Features der Progressive Web Apps aus.

Screenshot aus dem WWDC-Video „What’s new in web apps“.

Ich habe keine einzige dieser Web-Anwendungen auf meinem Homescreen, bin jedoch extrem frustriert gegen diesen Angriff auf das offene Web. Eine „kleine Anzahl von Nutzern“ und „keine Zeit für eine Umsetzung“ sind keine Argumente, wenn es um eine so fundamentale Technologie geht.

iOS 17.4 entfernt nicht nur ein einzelnes Feature, sondern setzt ein Statement gegen die Zukunft. Es ist das Gegenteil einer, nennen wir es, „Sweet Solution1.


  1. „We have been trying to come up with a solution to expand the capabilities of iPhone by letting developers write great apps for it, and yet, keep the iPhone reliable and secure. And we’ve come up with a very sweet solution.“

    (Steve Jobs auf der WWDC 2007)

#392 – Zwei Dutzend macOS-Programme

40 Jahre Macintosh! Ich werfe zwar keinen Blick zurück, spreche aber über zwei Duzend meiner Programme, die es nur auf diesen Apple Computern gibt.

Hier das Intro zur Episode:
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Digital Markets Act: iMessage ist kein Gatekeeper

Symbolbild: Blaue, gläserne Sprechblase.

Yesterday, the Commission has adopted decisions closing four market investigations that were launched on 5 September 2023 under the Digital Markets Act (DMA), finding that Apple and Microsoft should not be designated as gatekeepers for the following core platform services: Apple’s messaging service iMessage, Microsoft’s online search engine Bing, web browser Edge and online advertising service Microsoft Advertising.

Europa.eu

Eine Verpflichtung zur Interoparabilität – dem Austausch von Nachrichten über Messenger-Grenzen hinweg – klingt in der Theorie erstrebenswert. Diese Idee ignoriert jedoch a) die praktische Realität der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sowie b) das plattformübergreifende Schnittstellen keine Weiterentwicklung erfahren – so wie SMS und E-Mail das zeigen.

Zwar stellen sie den kleinsten gemeinsamen Nenner dar und sind insofern wertvoll, doch in Bezug auf (Sicherheits-)Features verzeichnen sie keinen Fortschritt.

Dennoch konnte die EU-Kommission Druck aufbauen: Apple kündigte zuletzt an, den RCS-Standard noch in diesem Jahr in seine Nachrichten-App zu integrieren.

Stewart bestätigt „The Problem“ mit „The Problem with Jon Stewart“

So leitete Jon Stewart gestern seine Rückkehr zur The Daily Show ein und bestätigte die „kreativen Differenzen“ mit Apple.

Im CBS-Interview legte er zum Ende von „The Problem with Jon Stewart“ auf Apple TV+ nach:

I wanted a place to unload thoughts as we get into this election season. I thought I was going to do it over at, they call it, Apple TV+. It’s a television enclave, very small. It’s like living in Malibu. But they decided, they felt, that they didn’t want me to say things that might get me in trouble.

Apples dünne Haut gegenüber diesen Reizthemen wundert mich nicht. Aber warum wurde das vor der Zusammenarbeit – die nur für 20 Episoden reichte – nicht (vertraglich) besprochen?

Das klingt nach einem dicken Anfängerfehler von einem Neuling im Streaming-Geschäft.

watchGPT mithilfe von „Petey“

Eltern wissen: Kinder stellen die meisten Fragen, wenn sie bereits im Bett liegen und einschlafen sollen. Damit Papi auch dann, ohne iPhone in der Hand, Antworten parat hat, bemüht er ChatGPT über Petey.

Apple Watch Ultra an Handgelenk zeigt eine Suchanfrage über Petey.

Wer den Bot ausschließlich auf der Watch verwendet, kommt hier ohne laufende Kosten aus – mit einer einmaligen Zahlung von 6 Euro (GPT-3.5) respektive 13 Euro (GPT-4). Alternativ bringt ihr einen eigenen API-Schlüssel von OpenAI für die App von Hidde van der Ploeg mit.

Der Umgang mit Text ist auf watchOS natürlich arg begrenzt. Wenn das Large-Language-Model jedoch nur als Siri-überlegende Suchmaschine für Informationen dienen soll, legt ihr es euch als Komplikation aufs Zifferblatt.

Die Suchergebnisse lassen sich als Text kopieren, vorlesen und weiterleiten – falls ihr davon überhaupt Gebrauch machen wollt. Ein Verlauf eurer letzten Suchanfragen  ist ebenfalls verfügbar.

Das Sprachdiktat zur Eingabe der Fragen ist auf Apples aktuellen Uhren besonders flott; eine Online-Verbindung bleibt aber selbstverständlich notwendig.

Petey’s Alleinstellungsmerkmal findet sich im Zugriff auf ChatGPT über watchOS. Auf iPhones, iPads und dem Mac rate ich zur offiziellen App oder der Webseite. Ich habe diese Indie-Software tatsächlich nur auf der Apple Watch installiert.

Es ist jedoch bemerkenswert, dass Bing, Copilot, Google, Perplexity oder ChatGPT die Apple Watch mit ihrer Software ignorieren. Keine dieser Apps bietet eine Erweiterung für watchOS an. Das ist eine ziemlich deutliche Absage an Apples Software-Plattform.

Trotzdem bleibt’s verwunderlich: Große Sprachmodelle arbeiten mühelos mit… Sprache – einer primären Eingabemethode der Uhr. LLMs fassen komplexe Themen kurz und prägnant zusammen – ideal für kleine Bildschirme. Das übertrumpft nicht immer Siri, etwa bei tagesaktuellen Sportergebnissen. Es ist jedoch für viele allgemeine Informationen vorteilhaft, auch deshalb, weil ChatGPT gewöhnlich weniger streng mit Formulierungen und der Wortwahl eurer Fragen umgeht.

Meine erste Woche ohne Apple Vision Pro

Meine Angst, etwas zu verpassen, nahm leicht ab, obwohl sich die Vorfreude sogar noch steigerte. „Die Zukunft ist schon da, sie ist nur ungleichmäßig verteilt,“ wie es William Gibson so treffend formulierte.

Oder, um es mit den lyrischen Worten eines anderen großen Künstlers zu sagen: „I’m just letting you know, y’all ain’t leaving me behind in this terrible looking world. I’m gone forever. I’m wearing this bitch everywhere. It’s over.“

Screenshot aus dem Video von Cleo Abram.

via Cleo Abram

Ich wühlte mich in den vergangenen sieben Tagen bis zum Bodensatz aller Social-Media-Videos über die Apple Vision Pro. Ich fand’s bemerkenswert, wie viele Personen mit Apples Headset auf dem Kopf durch den öffentlichen Raum laufen, obwohl das keinerlei Funktionalität bietet. Absolut keine.

Natürlich sind’s Stunts; der Kampf um Aufmerksamkeit. Klar, aber ignorieren wir das für den Moment. Ich bin ernsthaft überrascht, wie grundlegend positiv das Design aufgenommen wurde – trotz all seiner offensichtlichen Kompromisse.

Apple genießt hier einerseits viel Lob im Voraus, sieht sich auf der anderen Seite auf einem viel kritischeren Prüfstand. Es ist ein Fluch und Segen zugleich, dass jedes neue Produkt aus Cupertino einer derart präzisen Betrachtung unterzogen wird, während andere Unternehmen eine solche peinlich präzise Analyse nicht erfahren.

Jeder scheint sich einig, dass der Gesichtscomputer nicht abschließend nach wenigen Tagen zu bewerten ist. Trotzdem findet eine Normalisierung für die neue Form dieser Gerätekategorie statt, die zuvor kein anderes (VR-)Headset erreichte.

Erinnert ihr euch noch an die schlechten, aber unermüdlichen „AirPods-als-Zahnbürstenkopf“-Witze? All diese Scherze übersahen, wie das Design – die weißen Stäbchen – ein ikonisches und überall erkennbares Produkt bewarben.

Vision Pro hat im Vergleich dazu so viel mehr Einschränkungen (Größe, Gewicht, externes Batteriepack etc.), erfährt aber (gefühlt) andere Kritik? Man streitet über den Preis und wofür man sie nutzt, aber nicht grundsätzlich über die dahinterstehende Idee und Optik, oder? Vielleicht ist der Mehrwert auch so groß, dass das in Kauf genommen wird?

Produkte scheitern an vermeintlichen Trivialitäten. Google Glass kam etwa von der falschen Firma, setzt unpassende Prioritäten und startete schlicht in eine Gesellschaft, die sich dagegen wehrte.

Bei Produktveröffentlichungen sind nicht nur die Möglichkeiten der Hardware abzuwägen, sondern auch das Timing und die gesellschaftliche Akzeptanz. Die Technik kann rational beurteilt werden; die Gefühle der Kunden (sowie den Nicht-Kunden) jedoch nicht.

Apple gelang es mit einigen Produkten, seinen intern institutionalisierten „guten Geschmack“ nach außen zu tragen. Es scheint ein vielversprechendes Zeichen, wenn Vision Pro jetzt schon mit nach draußen genommen wird.

Das ist kein „Hot Take“, sondern lediglich eine Beobachtung nach meiner ersten Woche ohne Apple Vision Pro.

#391 – Drafts

Drafts steckt weiterhin das Wort „Verarbeitung“ in den Begriff Textverarbeitung. Ich habe es Apples Notizen-App und Ulysses vorgeschaltet und täglich in Verwendung, um kurze Gedanken über ein Sprachdiktat festzuhalten.

Hier das Intro zur Episode:
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Artikel gleichzeitig zu Matter und Pocket schicken [via Shortcuts]

Mein „Read-Later“-Workflow (hier im Video), bei dem ich einen Netzartikel sowohl zu Matter, als auch zu Pocket speichere, wurde deutlich einfacher.

Screenshot des Kurzbefehls „PockMatt“.

Anstelle zweimal das Teilenmenü zu bemühen, schickt dieser banale Kurzbefehl die Artikel-URL zu beiden Diensten – in einem Rutsch.

Nur für Beiträge hinter Paywalls speichert die dedizierte Share-Sheet—Erweiterung zuverlässiger – so meine Erfahrung.

Screenshot der iOS-Automation bei App-Start.

Bonus-Tipp: Sobald ich GoodLinks öffne, läuft der „Import from Pocket“-Shortcut über eine iOS-Automation. Kurzbefehle, die bei App-Start von selbst und im Hintergrund loslaufen, sind ausgesprochen bequem.