Um die ausschweifende Diskussion über Adobe Flash am vergangenen Wochenende habe ich einen breiten Bogen geschlagen. Das Thema wurde bereits ausführlichst einen Tag vor der iPad-Vorstellung an dieser Stelle besprochen. So wirklich alleine gelassen hat uns das Thema über drei iPhone-Generationen hinweg jedoch noch nie.
Nach der iPad-Vorstellung hat sich daran inhaltlich nichts grundlegend geändert, scheinbar sind die Reaktionen jedoch ebenfalls unverändert am Start. Viele davon erscheinen mir einfach zu lesenswert, um nicht auch hier noch einmal verlinkt zu werden. Ein quasi persönliches ‚Best of TrFlash‘-Talk für die Erinnerung. Geeignet zum Nachschlagen in fünf Jahren.
Die „Financial Times Deutschland“ – seit letzter Woche mit eigener App Store-Anwendung (kostenlos; Link) – spricht mit dem ‚Video-on-Demand‘-Portal Hulu. Jason Kilar, Chef des werbefinanzierten Streaming-Dienstleisters, verspricht: „Hulu wird letztlich auf jedem mobilen Gerät verfügbar sein„. Technisch ist das kein Problem, wie der BBC iPlayer (ausschließlich in UK verfügbar) zeigt. Am Laptop-Webbrowser wird Flash verwendet, im MobileSafari kommen die Videos in H.264.
Für Hulu müssten dann ’nur‘ noch internationale Rechteverhandlungen über die ‚Ausstrahlung‘ deren Video-Inhalte erfochten und das App Store-Ticket gelöst werden. Nur noch?
John Gruber antwortet mit einer Gegenfrage: Who Can Do Something About Those Blue Boxes? Seine Antwort zielt auf Webseiten-Betreiber, da Adobe nicht fähig („Adobe can’t. They can’t put Flash Player on iPhone OS on their own“) und Apple nicht willig („Apple could, but they won’t“) erscheinen.
Doch auch die Webseiten-Konsumenten haben eine Stimme. Den Besuch dieses kleinen Weblogs treten 29.91-Prozent mit einem flashfreien oder flashblockierten Browser an. 8,67-Prozent sind mit einem iPhone unterwegs.
Apple-Boss Steve Jobs treiben die kleinen blauen Boxen keine Träne ins Knopfloch.
Vor zirka einem Jahr, am 20.01.2009, erteilte das US-Patentamt ein 358 Seiten starkes Patent mit dem Titel „Touch screen device, method, and graphical user interface for determining commands by applying heuristics“ dem Cupertino-Konzern Apple zu. Darin abgedeckt sind großflächig diverse Benutzereingaben per Finger- und Gesten-Steuerung auf einem Multitouch-Bildschirm. Das Dokument ist eine Erweiterung zu einem Erstantrag (7.479.949) – datiert auf Juli 2006 – und beschreibt die patentierten Technologien, mit denen sich Steve Jobs im Januar 2007 bei der iPhone-Vorstellung auf die Bühne stellte und sagte: „Boy, did we patent it!”
Seitdem ist einiges passiert, und so manches hinter verschlossenen Türen geblieben. Welche Regelungen für Lizenzgebühren, Absprachen oder Vereinbarungen zwischen den Mitbewerbern, die ebenfalls auf einen kapazitiven Multitouch-Bildschirm setzen, getroffen wurden, bleibt weitgehend unbekannt. Zwischen Apple und Palm gewitterte es kurzfristig im letzten Frühjahr, als Apple’s Tim Cook in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen auf Nachfrage eines Journalisten zu Protokoll gab:
We approach this business as a software platform business. We are watching the landscape. We like competition as long as they don’t rip off our IP [Intellectual property]. And if they do, we will go after anyone who does.
Obwohl Cook nicht explizit die bevorstehende Palm Pre-Veröffentlichung erwähnte, antwortet die Palm-Pressestelle trotzig:
Palm has a long history of innovation that is reflected in our products and robust patent portfolio (31 pages of patents in Google Patent Search), and we have long been recognized for our fundamental patents in the mobile space”. “If faced with legal action, we are confident that we have the tools necessary to defend ourselves.”
Seitdem herrscht Stillschweigen. Zumindest gegenüber der Öffentlichkeit.
Mit einem großen Bohei wurde jetzt jedoch etwas ganz anderes publik: das Google Nexus One-Systemupdate mit Multitouch-Gesten. Android-Telefone verzichteten bislang innerhalb der USA auf eine Implementierung von ‚Pinch-to-Zoom‘-Gesten, obwohl die Hardware dafür ausgelegt ist. Das ändert sich jetzt.
Der Zeitpunkt für diese ‚Over-the-air‘-Aktualisierung könnte nicht passender gewählt sein, um in der Öffentlichkeit als ‚offene Kriegserklärung‘ verstanden zu werden. Vergangenen Sonntag, einige Tage nach der iPad-Vorstellung, soll sich Steve Jobs in einem Town Hall-Meeting den Fragen der eigenen Belegschaft gestellt haben. Je nachdem welchen anonymen Quellen man Glauben schenken möchte, bezeichnete Jobs das Google-Credo ‚Don’t be evil‘ als ‚Bullshit‘ beziehungsweise ‚a load of crap‘.
Jobs soll betont haben, das Google mit seinem Nexus One als Konkurrent ins Telefongeschäft eingestiegen ist, und damit auf direktem iPhone-Konfrontationskurs steht: „Make no mistake they want to kill the iPhone. We won’t let them“.
Der kalte Krieg scheint eröffnet: In der letzten Woche stellte Google sein Voice-Telefonprogramm als MobileSafari-Webanwendung vor, nachdem Apple eine native App Store-Anwendung innerhalb der letzten sechs Monate auf die lange Bank des Genehmigungsprozesses geschoben haben soll.
Mit dem jetzt veröffentlichten Multitouch-Update von Google für alle Nexus One-Geräte, und dem im Sommer vielleicht schon folgenden Chrome OS-Tablet, könnten uns „interessante Zeiten“ ins Haus stehen.
Das iPhone-Update 3.1.3 (7D11) steht soeben über die Software-Aktualisierung zum Download in iTunes bereit, und ‚wiegt‘ auf 3GS-Geräten 291 Megabyte. Große Änderungen lassen sich der Beschreibung nicht entnehmen. Es soll die ‚Genauigkeit der Batterieanzeige‘ verbessert worden sein und eine Fehlerbehebung für nicht startende Drittanwender-Programme enthalten.
Das Support-Dokument HT4013 weist auf geschlossene Sicherheitslücken in Webkit, CoreAudio und dem Recovery Mode hin.
Update
Die Update war erfolgreich, hat (bei mir) den Jailbreak entfernt (Tethering-Hack blieb erhalten) und die Modem-Firmware auf 05.12.01 aktualisiert. Damit scheinen die in ‚blackra1n‘ und ‚redsn0w‘ verwendeten Exploits erst einmal ausgebügelt.
Vor zirka einer Stunde hatte ich noch vermutet, dass der Tethering-Hack auf meinem (offiziell entsperrten) Testgerät nach dem Update einfach erhalten blieb. Jetzt stellt sich heraus, das Firmware 3.1.3 die amtliche Tethering-Option für iPhones mit offizieller Freischaltung aus dem europäischen Ausland zurückbringt. Den Test absolvierte ein ladenfrisches iPhone 3G aus Italien im O2-Netz.
Alle Geräte, die sim- und netlockfrei in Italien und Co. erworben wurden, lassen sich demnach am Laptop als Modem-Dongle mit einem beliebigen Mobilfunkbetreiber einsetzen. Wer dies verwenden möchte, sollte sich je nach abgeschlossenem Vertrag erkundigen, ob dies im Einklang mit seinem Mobilfunkprovider geschieht.
Update IV
iPhone Classic-Besitzer dürfen zur aktuellen redsn0w-Version greifen, um auch unter Firmware 3.1.3 einen Unlock und Jailbreak zu genießen.
Thanks to daring experimenters in the comments, we can confirm that yesterday’s redsn0w works for today’s 3.1.3 update for iPhone 2G. Just point it at the 3.1.2 iPhone 2G IPSW after doing update or restore to 3.1.3. So far we’ve only confirmed this for iPhone 2G.
Für ‚ältere‘ iPod touches gibt es eine modifizierte ‚3.1.2 loophole‘-Version.
For those with older (non-MC) iPod touch 2G, we’ve compiled a special version of redsn0w meant just for you.
Wer Probleme mit den Netzwerkeinstellungen für den Tethering-Betrieb hat, sollte eigenhändig installierte Profile löschen oder die gesamten Einstellungen zurücksetzen.
Weitere iPad-Impressionen trudeln per Video an den Anschluss der letztwöchigen Apple-Keynote ein. Unter anderem kommt John Doerr vom Risikokapital-Geldgeber Kleiner Perkins Caufield & Byers zu Wort, der auch den berüchtigten iFund zur Firmware 2.0 auf die Beine stellte.
Wie ‚unglaublich‘, ‚bezaubernd‘ und ‚erstaunlich‘ die Apple-Keynote war, ist in folgenden 180 Sekunden – nicht ganz ernstzunehmend – zusammengefasst. Apple scheint ab sofort ihre Videoproduktionen auch über einen offiziellen YouTube-Kanal mit der Welt zu teilen.
Google verbindet Werbung auf mobilen Geräte mit ‚Click to Call‘-Telefonnummmern. Vorerst ausschließlich in den USA, lassen sich damit Restaurant-Reservierungen oder Kinokarten-Käufe per Telefon direkt aus der Reklameeinblendung anrufen.
‚Klingelnde‘ Werbeanzeigen sorgten Anfang letzter Woche bereits für Aufsehen. Im MacBidouille-Forum warnten Leser vor Admob-Kleinanzeigen in App Store-Programmen, die unter Firmware 3.1 eine eventuell gebührenpflichtige Telefonnummer hinterlegen würden.
AT&T veröffentlicht in ihren Geschäftszahlen für das Quartal 4 2009 eine Summe von 3.1 Millionen aktivierten iPhones. Dies entspricht in etwa der Höhe für die in Betrieb genommenen Apple-Telefon des vorangestellten Quartals. Mehr als ein Drittel dieser Telefone geht an AT&T-Neukunden.
Apple vermittelt derzeit zirka 50-Prozent seiner iPhone-Verkäufe in Nordamerika.
Das derzeit wohl populärste Naturfoto, aus dem Hintergrund des Apple iPads, stammt von Richard Misrach, einem amerikanischen Fotografen. Die Aufnahme ‚Pyramid Lake at Night‘ (Flickr-Link) entspringt dem Jahr 2004, ist im US-Bundesstaat Nevada aufgenommen worden und derzeit im Auszug in der ‚Fraenkel Gallery‚ zu begutachten.
Apple hatte sich mit dem in San Francisco lebenden Künstler vor einigen Wochen in Verbindung gesetzt, und nach Lichtbildern für Bildschirmschoner erkundigt. Eine Verwendung im iPad fand gegenüber dem 40-jährigen im Vorfeld keine Erwähnung. Auch die finalen Verträge, für die Verwendung des Werkes des Bildermachers, stehen derzeit wohl noch aus.
Misrach gab mit einem Augenzwinkern zu Protokoll: What’s funny is that for years I actually used the photo as my own screensaver,“ so I guess they know what they’re doing.“
Viel Drama am vergangenen Wochenende um iPad-Werbefotos, die Flash-Webseiteninhalte zeigte. Apple korrigierte diesen abermaligen ‚Ausrutscher‘ umgehend, der bereits beim iPhone und mit dem ‚New York Times‘-Webauftritt das Internet kurzfristig verrückt machte.
Die Chefetage vom Videostreaming-Dienstleister Netflix verkündet während der Bekanntgabe ihre Geschäftszahlen, mit einer iPad-Belieferung der Filmarchive erst einmal abzuwarten. Am fehlenden Adobe Flash kann und soll es nicht liegen:
It’s not a huge priority for us because we’re so focused on the larger screens.
CNNMoney-Redakteur Jon Fortt schreibt über Marvel Comics als iPad-‚Geheimwaffe‘. Dabei zieht er die alten Steve Jobs-Verbindungen zu Disney hervor, mit dessen Vitamin B bereits zuvor Filme und TV Shows (ABC) für iTunes eingekauft wurden.
Disney erwarb am 31.12.2009 Marvel Entertainment, die mit Spider-Man, X-Men oder Hulk populäre Comic-Franchises ausliefern. Ira Rubenstein, Marvels-CEO will sich bekanntlich noch nicht auf das iPad festlegen und ist enttäuscht, dass das iPad kein Flash ’spricht‘.
Über die Software-Aktualisierung steht ein knapp 100MB-Update für unsere heißgeliebte Musikverwaltung iTunes bereit.
Version 9.0.3 möchte sich das Häkchen für die Passwort-Erinnerung bei Einkäufen (dauerhaft) merken und einer verbesserten Synchronisation von Wiedergabelisten annehmen.
Für das iPhone lassen sich nach dem Update, unter der Rubrik Filme, TV Shows und Podcasts, einzelne Wiedergabelisten für die Synchronisation auf das externe Gerät auswählen.
Diese Funktion war bereits in den Vorgänger-Versionen enthalten und setzt für dessen Darstellung voraus, das die entsprechenden Inhalte in Wiedergabelisten eingefügt sind.
(Danke, Parabel!)
Update II
Und auch mein persönlicher Lieblings-Bug bleibt mir einen weitere Update-Runde erhalten: Mein iPhone 3GS synchronisiert ausschließlich (!) mit dem stationären MacPro. Immer wenn ich jedoch das iPhone (beispielsweise zum Tethering) an das Notebook anstecke und iTunes geöffnet (!) ist, will der MacPro das nächste Mal alle vorrätigen Anwendungen aus seinem Heimatverzeichnis auf die maximal verfügbare Anzahl von freien Homescreen-Seiten verteilen.
Resultat: Zirka acht Minuten langes Abwählen von Anwendungen, die ich nicht installieren möchte.
Nach dem iPhone GUI PSD 3.0-Template folgt die erste Version der iPad GUI PSD-Vorlage auf den Fuß. Wer auf 24MB in den UI-Elementen der bevorstehenden Apple-Kreation editieren und skalieren möchte, greift zum handlichen 768×1024-Download von teehan+lax.
Exakt zwei Jahre später platziert Apple mit dem iPad ein Gerät, das mit seiner Funktion auch als mobile ‚Lesemaschine‘ vermarktet wird – den iBookstore zum virtuellen Einkauf gleich inklusive. Zumindest in den USA. Auf der deutschsprachigen Apple-Seite bleibt das iBooks-‚Leistungsmerkmal‚ noch verborgen. Auch die Foto-Galerie lässt einen Blick auf das hölzerne Bücherregal hierzulande noch vermissen.
Ankündigungen über Verträge mit internationalen Verlagshäusern stehen offiziell bislang aus. Das dies zum Teil der großen Geheimhaltung über die iPad-Ankündigung geschuldet ist, dürfte als todsicher gelten. Mich würde es jedoch auch nicht verwundern, wenn einige (oder gar alle) deutschsprachigen Vertreter auf der anderen Seite, ihre digitalen Buchrücken nicht bis März gebunden bekommen. Den Amazon Kindle konnte man innerhalb der letzten zwei Jahre, über zwei Geräte-Generationen hinweg, auch nicht erfolgreich besteigen.
Vorsichtshalber versieht Apple das ‚Bücher‘-Feature für Amerika mit einer Fußnote: „iBooks is available only in the U.S.“
Als Randnotiz darf Erwähnung finden, das unser plauderfreundliche CEO von McGraw-Hill, welcher einen Tag vor dem Apple-Event die angebliche Tablet-Ankündigung vorwegnahm, bis jetzt in überhaupt keinen Vertragsverhandlungen mit Cupertino steht.
As a company deeply involved in the digitization of education and business information, we were as interested as anyone in the launch of the new device, although we were never part of the launch event and never in a position to confirm details about the device ahead of time. Unfortunately, it seems that many mistakenly interpreted his comments as being more specific to yesterday’s announcement.
Doch damit enden die Eklats und kleinen Anekdoten über den neuen Content-Lieferanten im digitalen Geschäft nicht. Die Musikindustrie hat es bereits so erfolglos vorgemacht: Über die letzten Jahre mussten sich Verbraucher gegen das Kopierschutz-DRM, BMG-Rootkits und den Verkauf von ausschließlich ganzen Alben-Paketen wehren.
Am vergangenen Wochenende hat der US-amerikanische Großverlag Macmillan (siehe Namensnennung oben) seinen digitalen Einzelhändler Amazon erfolgreich unterdrückt. Macmillan stellte (Verkaufs-)Preisforderungen für E-Books in Höhe von bis zu $15 US-Dollar auf. Amazon verkauft digitale Werke ausschließlich bis $10 US-Dollar. Im blutigen Gefecht entfernte der Online-Versandhändler kurzfristig die digitalen Bücher aus seinem Sortiment, knickte dann jedoch gegenüber der US-Tochter der deutschen Holtzbrinck-Verlagsgruppe ein. Amazon verschweigt seinen Unmut darüber nicht:
Macmillan, one of the „big six“ publishers, has clearly communicated to us that, regardless of our viewpoint, they are committed to switching to an agency model and charging $12.99 to $14.99 for e-book versions of bestsellers and most hardcover releases. We have expressed our strong disagreement and the seriousness of our disagreement by temporarily ceasing the sale of all Macmillan titles. We want you to know that ultimately, however, we will have to capitulate and accept Macmillan’s terms because Macmillan has a monopoly over their own titles, and we will want to offer them to you even at prices we believe are needlessly high for e-books.
Ich sags euch hier und heute: Das wird noch alles super lustig!
Steve Jobs nimmt es gelassen und verspricht eine (zumindest) einheitliche Preisstruktur bei Büchern über alle Anbieter hinweg. So bestätigt er es zumindest dem Technik-Journalisten Walt Mossberg in einem kurzen Stelldichein nach der Keynote.
Darin unterstreicht er auch noch einmal die 140 Stunden Akkulaufzeit, die bei einer reinen Musikwiedergabe (mit ausgeschaltetem Display), beziehungsweise 10 Stunden beim Lesen von Büchern, möglich sein sollen. Das Gerät scheint übrigens in runden 15 Sekunden aus einem Kaltstart zu erwachen, wie dieses YouTube-Video zeigt.
So schnell ist mein Sony Reader PRS 505 (287,30€; Amazon-Link) bei weitem nicht am Start. Die elektronische Tinte, E-Ink genannt, wärmt wesentlich länger auf und verfolgt aufgrund ihrer Technologie einen ganz anderen Ansatz als das ‚interaktive‘ iPad mit LCD-Bildschirm und Hintergrundbeleuchtung. Aus diesem Grund vermag ich die Geräte eigentlich überhaupt nicht mit einander zu vergleichen, was über die letzten Tage verstärkt in Mode gekommen zu sein scheint. Das iPad ist ein Computer, das Andere ein Lesegerät. Sinnbildliche Vergleiche fallen schwer und dürfen gerne in den Kommentaren nachgetragen werden.
Als gemeinsames Merkmal setzen die digitalen Bücher auf beiden Geräten (mittlerweile) auf den gleichen Spezifikations-Standard namens ePub. Dieser lässt sich auch auf dem Barnes & Noble Nook, im App Store-Programm Stanza (kostenlos; App Store-Link) oder dem txtr Reader finden. Nicht jedoch auf dem Amazon Kindle.
EPub erfährt eine weite Verbreitung als offener Standard für E-Books und zeichnet sich durch eine dynamische Anpassung des Textes an die jeweilige Bildschirmgröße aus. Das Format eignet sich jedoch nur mäßig für die Darstellung von Comics oder technischer Literatur. EPub unterstützt optional Mechanismen für eine digitale Rechteverwaltung.
Die iPad-Ankündigung: Durfte man den Verlagen und Zeitungen glauben, hat Steve Jobs letzte Woche nicht weniger als den Heilsbringer der gebeutelten Medienlandschaft präsentiert. Für ein wenig Bodenhaftung schien dagegen Saturo Iwata, seineszeichens Präsident von Nintendo, sorgen zu wollen: Für ihn war das iPad nichts anderes als ein übergroßer iPod Touch und damit als Mitbewerber für den Nintendo DS völlig irrelevant. Wer zwischen den Zeilen lesen kann darf allerdings feststellen: Apple ist mit seinen Touchscreen-Geräten längst in der Spielebranche angekommen. Doch lohnt sich gerade für kleine Indie-Entwickler der Aufwand, Impulspreis-Spiele für verschiedene Endgeräte anzupassen? James Brown, Macher von Ancient Frog (3.99€; App Store-Link), hat als einer der ersten dazu ausführlich in seinem Blog Stellung genommen.
Die erste Barriere für iPad-Games hat Apple selbst niedergerissen: Der vom iPhone bekannte und vertraute App Store wird auch auf dem iPad eingesetzt und iPhone-Spiele können in zwei Modi auf dem größeren Spielgefährten genutzt werden. Dabei wird das Spiel einmal in der nativen Auflösung gezeigt und von einem großen, schwarzen Rahmen umgeben – sieht aus wie auf dem iPhone, ist dann aber auf dem iPad doch etwas unpraktisch. Alternativ skaliert das iPad die Auflösung hoch, in dem die Pixel verdoppelt werden. Das nutzt immerhin 640×960 Pixel des 768×1024 Pixel großen iPad-Screens, allerdings wirkt das Bild durch die Pixel-Verdopplung natürlich grober. Im Vergleich sieht das so aus:
Nochmal für den Hinterkopf: Das Spiel wurde in den oben gezeigten Screenshots noch nicht fürs iPad angepasst, so kann jede iPhone-App genutzt werden.
Nun wird es allerdings spannend: Mit ein bisschen Code-Wizardry kann man der Applikation beibringen, das iPad zu erkennen und sich darauf etwas anders zu verhalten. Konkret kann die Applikation so in der nativen Auflösung von 1768×1024 dargestellt werden, wobei James Brown (Ancient Frog) durch schmale schwarze Balken am Bildschirmrand das leicht andere GrößenSeitenverhältnis des iPhone-Bildschirms (2×3 anstelle 3:4 am iPad) beibehält, um verzerrte Grafiken zu verhindern. Viele Grafiken von Ancient Frog liegen bereits in höherer Auflösung vor, da man im Spiel auf sie zoomen kann: Partikeleffekte oder das Gänseblümchen wirken somit am iPad automatisch besser aufgelöst als auf dem kleineren iPhone-Display. Das – im Vergleich zur Pixeldopplung schon deutlich hübschere Bild – sieht dann so aus:
Soweit, so einfach: Mit ein klein wenig Arbeit können Entwickler ein kostenloses Update ihrer iPhone-Games erstellen, die die optische Darstellung auf dem iPad deutlich verbessert. Der Aufwand ist minimal. Der Ertrag durch eine iPad-optimierte Version dürfte dies finanziell locker rechtfertigen. Da aber nur ein Teil der Grafiken quasi „zufällig“ vom iPad profitiert, wirkt ein Teil des Bildes immernoch verwaschen. James Brown fragt sich daher: Wieviel Aufwand ist nötig, damit Ancient Frog auf dem iPad wirklich gut aussieht?
Nun ist wirklich Arbeit angesagt: Jedes Level im Spiel muss in einer höheren Auflösung nachbearbeitet werden, zu den Darstellungen am iPhone müssen zwei neue Abbilder ergänzt werden (Portrait und Landscape). Und James Brown denkt an ein weiteres Problem: Durch die High Res-Grafiken überschreitet die Größe des Downloads 10MB – womit das Spiel nicht mehr direkt im App Store am iPhone heruntergeladen werden kann und Spontankäufe unterwegs unterbunden werden.
Das Fazit bleibt dann doch, zwei Versionen im App Store zu veröffentlichen: Ein leicht überarbeitetes iPhone-Spiel, das am iPad etwas besser aussieht als mit der automatischen Pixeldopplung, sowie eine iPad-Version, die das Display und die Bedienfläche des Tablets perfekt nutzt. Letztere sieht dann so aus:
Man sieht, dass Apple für Games-Entwickler verdammt viel richtig gemacht hat: Der Aufwand, bestehende Applikationen für das iPad anzupassen oder neue Spiele auf mehrere Plattformen zu bringen, hält sich erfreulicherweise doch ziemlich in Grenzen. Soweit dies zum aktuellen Zeitpunkt abzuschätzen ist.
Für die Entwickler bedeutet das iPad damit eine spannende, weitere Plattform, auf der sie ihre Spiele veräußern können. Für Gamer bedeutet es, iPhone-Spiele nun auch auf dem großen Bildschirm in verbesserter Qualität genießen zu dürfen – und das durch die Bank hinweg. Die Bedenken, dass sich nur die großen Teams wie Gameloft oder EA, die ihre iPad-Anpassungen schon auf der Keynote zeigen durften, verbesserte iPad-Versionen leisten können, scheinen entkräftet. Und Apple hat tatsächlich so etwas wie eine Win-Win-Win-Situation geschaffen.