Manchmal sagen die Themen, über die nicht gesprochen wird, mehr über eine Veranstaltung aus, als die tatsächliche Präsentation. Auf der diesjährigen Google I/O-Keynote fanden Google+ und Google Glass beispielsweise nicht statt – obwohl sie dazugehört hätten. Ein knapper Zeitrahmen war nicht Schuld: Sundar Pichai und sein Team verbrannten 3 Stunden mit teilweise konfuszusammengewürfeltenThemen. Es fehlte an (Produkt-)Fokus.
Eine Handvoll persönlicher Anmerkungen:
Material Design wirkt frisch, mit viel Raum für Text; nicht flach, sondern mit Tiefe. Das ist anders als iOS und sieht sehr vielversprechend aus. Menschen (statt Roboter) scheinen die neue Zielgruppe. Die beste Eigenheit dieser Stoßrichtung für das “populärste Betriebssystem” ist dabei natürlich die übergreifende Designsprache, auch wenn Millionen von Samsungs zeitnah erstmal nicht mitziehen.
Chromecast bekommt (bald) AirPlay, hübsch. Android TV schließt Partnerschaften mit Sony + Sharp, zwei eher schwächelnde beziehungsweise reichweitenschwache Fernsehbauer. Wie sich die zwei Produkte jedoch von einander unterscheiden, fällt mir derzeit schwer zu erklären.
Auf die ersten zwei Smartwatch-Modelle, die mit Android Wear laufen, wird man im Herbst noch einmal schauen (müssen), wenn auch Apple mitspielt. Das könnte (Retro-)Perspektive bringen. Aber schon jetzt ist offensichtlich: Die Dinger schließen bereits durch ihre wuchtige Größe ganze Interessengruppen aus, die nicht den Körperbau oder die technikaffinen Ansprüche (z.B. Benachrichtigungen am Handgelenk) eines Robert Scoble mitbringen.
Google stellte gestern außerdem klar, dass man Sicherheitsupdates direkt über die eigenen Play Services ausspielt. Der Kampf mit der Update-Alliance ist damit endgültig aufgegeben und alle Androids ohne die Google Dienste verdursten auf einem sehr zähen, teilweise auch einem gar nicht stattfindenden Support-Marathon.
We ship a new version of Google Play Services every six weeks. Typically, 90 percent of users are on the new version of that. It’s a platform layer we ship independently. In some ways, we move the platform faster than anyone else and provide a consistent layer for developers.
Die geschätzten Podcast-Kollegen von TouchTalk vermittelten mir den Kontakt zum österreichischen Hersteller daxndox, der sich für das D1-Aria Dock aus Keramik (Affiliate-Link) verantwortlich zeigt. Nach knapp zwei Testmonaten halte ich fest: Das D1-Aria ist das eleganteste und gleichzeitig funktionsfähigste iPad-Dock, das mir bislang auf den Schreibtisch rutschte – und dort trotz stolzer Preismarke blieb.
Die Materialwahl für Keramik, erhältlich in schwarzer und weißer Ausführung, grenzt es von seinen potenziellen Mitbewerbern ab. Einmal angefasst, will man nicht mehr die Finger davon nehmen. Es ist ein unglaublich friedliches Material, das trotzdem ein Gefühl von Unzerstörbarkeit vermittelt. Der Effekt wird (ganz bestimmt) verstärkt, weil man sonst nur Aluminium, Holz und Plastik in der Zubehörkategorie findet. Das spricht der Spezialkeramik jedoch keinesfalls seinen Appeal ab, der auch nach täglicher Benutzung bislang nicht verloren ging.
Das Daxndox-Dock nimmt ein iPad Air, iPad mini oder Mini-Retina in vier unterschiedlichen Positionen auf.
Was die Firma aus Österreich nicht vermarktet, aber vermarkten sollte: Das D1-Aria hält auch ein iPhone 5s in Position. Die hochpräzise Keramikkante trifft genau in den Spalt zwischen Aluminiumrahmen und Gorilla Glass des aktuellsten iPhones – sowohl im Hoch- wie auch Querformat. Selbst in aufgestellter Position (nur ohne Ladekabel zu verwenden) lassen sich Touch-Eingaben am iPhone vornehmen ohne das es wippt oder wackelt. Das gilt übrigens genauso für die iPads, die dort super-sicher drinhängen.
Wie im Video gezeigt, lässt sich ein original Lightning-Kabel kinderleicht entnehmen. Ich persönlich habe das Dock fast ausschließlich ohne Ladekabel betrieben und darauf die meisten WM-Spiele aus der ARD- beziehungsweise ZDF-Anwendung abgespielt. Das Breitbildformat war in diesem Fall bevorzugt, aber auch in aufgestellter Position sorgen die zwei Aussparungen im Dock für die richtige Schallrichtung vom Sound.
Die (knapp) dreistellige Preismarke katapultiert das Daxndox-Dock natürlich sofort in die eher luxuriöse Kategorie von Accessoires. Ob es einem das wert ist, unterliegt (natürlich) der komplett subjektiven Bewertung. Zur Qualität des Docks gibt es jedoch keine eigenen Ansichten, sondern von meiner Seite eine uneingeschränkte Empfehlung.
*Alle selbstproduzierten Videos gibt es auch als unregelmäßig erscheinenden Podcast – der in diesem Fall beim Herstellernamen Daxndox das zweite X nicht kräftig genug betont…
The Banner Saga, ehemals schnorrendes Kickstarter-Projekt, dann glorreiches (und heftig überfinanziertes) Wikinger-Rollenspiel von drei Entwickler-Veteranen, schiebt seinen sehr extravaganten Old-School-Zeichenstil mit großer Geschichtserzählung diesen Sommer in den App Store. Überraschend ist das nicht, der Januar-Trailer verriet die Umsetzung ja bereits mit einem Apfel-Logo.
Neben der actionlastigen Rundenstrategie habe ich in meinem Durchlauf auf dem Mac die äußerst textlastigen Abschnitte und den tollen Soundtrack genossen, der als Gesamtwerk vermutlich perfekt aufs iPad passt.
Alexander Clauss, im App Store bekannt mit seinem iOS-Browser iCab Mobile (1.79€; universal; App-Store-Link), veröffentlichte gestern eine neue Software. Pado (1.79€; universal; App-Store-Link) richtet sich an alle iPhone- und iPad-Besitzer, die Spaß am Protokollieren der eigenen Laufwege haben.
Die App geotrakt, teilweise metergenau über GPS, zum Teil batteriesparend über Geo-Zäune. Sie legt sich jedoch auf keinen speziellen Anwendungsfall fest, sondern lässt sich schon beim alltäglichen Bummel durch die Fußgängerzone einsetzen. Der GPS-Logger, der unter anderem die Geschwindigkeit, das Tempo, die Höhenmeter und die Zeit erfasst, glänzt auch auf Städtetouren, beim Jogging durchs nahegelegene Wäldchen oder bei einer Bergbesteigungen.
Mich hat verblüfft, wie häufig ich bereits nach einer Geo-Tracking-App gefragt wurde, die einfach nur im Hintergrund meine besuchten Orte aufzeichnet (und später als GPX-Datei wieder ausspuckt). Pado macht genau das.
Und es hat noch eine Handvoll Tricks mit an Bord. Beispielsweise lassen sich bis zu 20 Orte definieren, die beim Betreten oder Verlassen eine Aktion der App auslösen. Eine solche Aktion kann beispielsweise die vollautomatisierte Nachverfolgung sein, die immer nur dann anspringt, wenn ich meine Wohnung / meinen Arbeitsplatz verlasse.
Pado behält alle erhobenen Daten auf dem lokalen Gerät – ein iCloud-Sync ist optional. Die App hat keine Web-Komponente, keine zusätzlichen Funktionen zum Freikaufen und ganz erfrischend: keine Social-Media-Buttons.
Onlinespeicherplatz à la Dropbox, Google Drive und iCloud (Drive) kostet uns Nutzer in ein paar Jahren nichts mehr. Bis wir dort allerdings angelangt sind, gibt es nur Etappensiege. Microsoft fuhr gestern einen solchen ein.
Wer Office 365 abonniert, egal in welcher Version (Home, Personal, University oder Business), braucht sich vorerst keine Gedanken mehr um die Limits seiner Online-Festplatte zu machen. Bemerkenswert ist das nicht aufgrund der schieren Größe („Our data tells us that 3 out of 4 people have less than 15 GB of files stored on their PC.“), sondern weils im Bundle mit Office kommt.
Ja, Microsoft bietet auch reinen Speicherplatz an (200 GB für 4 US-Dollar beispielsweise). Dieser ist preislich jedoch nicht annähernd so attraktiv wie in Verbindung mit Word, Excel und PowerPoint. Und das hat seinen Grund: Wolkenspeicher muss im Wettbewerb um Nutzerdaten mittlerweile mehr leisten als nur die Sicherheitskopie von einem anderswo gespeicherten Originals zu beherbergen. Das Original liegt zukünftig in der Wolke; eine schlichte Online-Festplatte ist in Zukunft „(nur) ein Feature, kein (vollständiges) Produkt“.
Ausschlaggebend wird der Zugriff sein, die App-Integration. Wie attraktiv ist der unbegrenzte Backup-Platz für alle Fotos vom Fire Phone wirklich, wenn man sich wie bei Amazons Cloud Drive am Desktop durch eine zähe Dateiliste im Webbrowser klicken muss? (Spoiler: Nicht wirklich attraktiv.)
Microsoft ist plattformübergreifend aufgestellt, setzt mit der 1TB-Hausnummer ein Statement gegenüber komplexen Preisgefügen der Konkurrenz und bündelt schon heute seinen Onlinespeicher (‚die Beilage‘, wenn man so will) mit richtigen Apps.
It’s official, Soundflake for SoundCloud will never come back. Last Thursday we got word that, after months of back and forth, SoundCloud came to the conclusion that Soundflake is too close to their own official app and therefore won’t be allowed to be back on the AppStore.
Dass SoundCloud sich kein Kräftemessen mit Soundflake, der qualitativ besseren iOS-App liefert, war absehbar. Ein kompletter Rauswurf bleibt allerdings die schlechteste aller (juristischen) Optionen, wenn dir ein zweiköpfiges Team zeigt, wie du die iPhone-App deines 123-Millionen-Startups verbessern kannst.
RocketCat Games hält sein Versprechen und setzt zum ersten (fetten) Update seines grandiosen Wayward Souls (5.49€; universal; App-Store-Link) den Preis um einen Euro hoch.
Das Experiment adressiert (natürlich) eine der grundlegendsten Herausforderung von Software-Entwicklern im App-Store-Ökosystem: die fehlenden Upgrade-Preise. App-Anbieter können Besitzern der Vorversion keinen Preisnachlass beim Update geben. Als gängige Praxis haben sich deshalb a) (ewig) freie Aktualisierungen oder b) eine neue App, die jeder noch einmal bezahlt, eingespielt.
Und obwohl es immer mal wieder Diskussionen und Gedankenspiele über diese Politik gibt, scheint Apple auf absehbare Zeit am derzeitigen – sehr einfach zu erklärenden – Modell festzuhalten.
The issue with Path is that it can’t resist hopping on a new social trend. The app takes cues from practically every other social media platform in the public consciousness, seen most explicitly in its decision to hop on the ephemeral trend pioneered by Snapchat. As a result, it’s hard to explain to anyone why they should use path or find cues about how to actually use the service. Even in its decision to “simplify” with Path Talk, the new app chock full of tons of features that kind-of but not-quite match up.
Es ist sehr einfach, fehlenden Fokus zu bemängeln. Wer es mit Facebook und Co. aufnimmt, obwohl man als Underdog gerade einmal vier Millionen Nutzer zählt, verkauft Stillstand aber noch schwieriger. Path ist seit Freitag nicht mehr nur ein Soziales Netzwerk mit beigelegtem Chat, sondern ein Soziales Netzwerk mit ausgekoppelter Chat-App – so wie es die Großen, Facebook und Foursquare (Swarm), auch tun.
Warum?
Our thought was to get out of the way of the user. If the user wants to use Messaging, and wants 3 less taps to get there, we should give it to them.
Noch drei kurze Anmerkungen zu Chat Talk (kostenlos; App-Store-Link), das ich sehr hübsch finde.
Path löscht alle Gespräche, die älter als 24 Stunden sind von ihren Servern – im lokalen Cache verbleien sie länger1. Auch laufenden Chats wird der Gesprächsfaden gekürzt.
‚Ambient Status‘ teilt dem Chat-Nachbar mit, was die iPod-App spielt, mit welchem Akkustand man kämpft oder ob man noch im Bus oder der Bahn unterwegs ist. Im iPhone 5S nutzt die App den M7. Noch simpler als komplett automatisiert teilt man diese Statusinformationen nicht.
‚Quick Replies‘ sind universell verständliche Symbole (✓ / X / ? / ????) für häufig auflaufende Absprachen. Jeder Messenger braucht sowas.
Path versucht sich weiterhin über den Verkauf von virtuellen Gütern, anstelle von Werbung, zu finanzieren. Eine Form ist die Vielzahl von Sticker-Paketen. Eins davon hat Susan Kare gestaltet. Sie ist bekannt durch mehr als eine Handvoll der original Macintosh Icons und gab kürzlich diesen wirklich sehenswerten Talk.
Ob die Nachrichten nach einem Tag endgültig von den Servern verschwinden, lässt sich (natürlich) nicht überprüfen. Wenn man die App vom iPhone wirft und danach wieder neu installiert, gibt es jedoch nur die Gesprächsinhalte der letzten 24 Stunden zurück. ↩