Apple Watch: Technik, die jeden begeistern will.

Den Begriff “Lockvogelangebot” kennt jeder, es handelt sich um ein superbilliges Produkt, das die Leute in den Laden locken soll. Fast unbekannt ist der reverse Lockvogel, genannt “Decoy Effect” oder “Asymmetrischer Dominanzeffekt”.

Warum euer Preis-Spott Apple Freude macht

Sascha Lobo argumentiert, dass der (unerreichbare) 30.000-Euro-Monster-Fernseher, der den (greifbaren) 3.000-Euro-Wohnzimmer-Fernseher im Technikmarkt günstig aussehen lässt, vergleichbar ist mit der Apple Watch Edition. Weil gegenüber der goldenen Edition, alle Modelle der Sport- und Watch-Serie preiswert erscheinen.

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Kein uninteressantes Gedankenspiel: Die Edition aus Gold und Roségold steckt zumindest den maximalen Preisrahmen ab. Der Vergleich übersieht aber, dass man natürlich viel mehr Fernsehfläche für die absurde Summe bekommt, wohingegen jede Apple Watch die identische Technik (und Größe) hat. Die Apple Watch Edition ist deshalb eher das ‚Bang & Olufsen‘-Modell unter den Fernsehern – teuer, ohne (technischen) Mehrwert und in erster Linie ein Status- oder Design-Statement.

Gold und Roségold bedienen eine Kundschaft (aus China), die sich aus Prinzip nicht mit Mode-Accessoires im dreistelligen Preisbereich auseinandersetzen. Apple würde wahrscheinlich keinen Cent zusätzlich verdienen, wenn die Edition bereits ab 5.000 Euro zu haben wäre. Eventuell wertet ein derartig niedriger Preis (im Vergleich zu anderen Uhrenmarken) sogar das Produkt ab. Und deshalb wäre es dumm, diese Zielgruppe, in dieser Preishöhe, nicht zu bedienen.

John Gruber und Matthew Panzarino diskutierten in der letzten Episode von ‚The Talk Show‘ über das ‚Spring forward‘-Event und wunderten sich über Apples zurückhaltende, fast schüchterne Erwähnung der Edition. Tim Cook nannte in seiner Präsentation den Preis, wollte ihn aber nicht hinter sich auf der großen Leinwand ausgeschrieben sehen. Auch das goldene Produktvideo, das sich auf Apples Webseite findet, übersprang er. Dagegen erhielten die Filmstreifen für die Modelle aus Edelstahl und Aluminum eine prominente Sendezeit. „Man hätte die Edition mutiger verkaufen sollen“. „Own it!“ waren die Aussagen im Podcast.

Panzarinos (cleverer) Verkaufsvorschlag für Tim Cook (ab 2:47:50): „This is a special edition. We don’t know how long we are going to offer it. It is exclusive. It is limited quantities but we loved the process so much that we had to make it.“

Das Jonathan-Ive-Feature „How an industrial designer became Apple’s greatest product.“ im New Yorker beschrieb, dass es Apple-intern gegensätzliche Meinungen zum Gold-Modell gab.

Bob Mansfield, then closely involved in the watch project, said that Ive’s role was to be “himself and Steve” combined. Yet Ive still had to make a case to Apple, and Mansfield recalled “a lot of resistance.” It wasn’t clear how the company would display such things in stores; there were also concerns about creating a divide between wealthy and less wealthy customers.

Dieser Einfluss mag bei der verhaltenen Ausführung der letzten Produktpräsentation eine Rolle gespielt haben. Ein solches Argument übersieht allerdings, dass kein zukünftiger Kunde der Watch Edition eine Apple Keynote schaut. Ja, man hätte die teurere Kategorie besser verkaufen können. Selbstsicherer. Die Zielgruppe saß jedoch weder im Publikum (Fashion-Presse war nicht vor Ort) noch vor dem Livestream. Warum dafür also Zeit aufwenden? Warum die Zeit der tatsächlichen Zuschauer verschwenden. Die Werbeanzeigen in Vogue und Co., in einer Welt mit Preislisten statt Preisaufklebern, erreichen die Zielgruppe dort ohnehin treffender.

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Für kein Apple Produkt war die Zielgruppe jemals breiter; die Auswahl an unterschiedlichen Modellen zahlreicher. Apple hat in den letzten 15 Jahren noch nie mehr Variationen als eine Handvoll unterschiedlicher (Gehäuse‑)Farben oder ein paar überschaubare Konfigurationsmöglichkeiten angeboten. Die Zielgruppe, und wie man sie jetzt anspricht, ist für Apple Watch … anders.

Apropos Zielgruppe: Ein Produkt, das mit Apple Watch so gut wie gar nicht in Konkurrenz steht, ist die Pebble. Die (Technik‑)Presse wirft diese beiden Uhren, insbesondere durch die aktuelle Kickstarter-Aufmerksamkeit, gerne in einen Topf. Dort gehört sie aber nicht rein. Funktionsumfang, Preis und Leistung könnten nicht unterschiedlicher ausfallen. Die OUYA konkurriert schließlich auch nicht mit der PlayStation 4 obwohl sie Videospiele abspielt. Das ist nicht wertend gemeint, beschreibt aber die klare (Zielgruppen‑)Trennung der beiden Produkte.

Die Pebble wird sich mit der Veröffentlichung von Apple Watch eine neue Nische zwischen klassischer Armbanduhr und Mini-Computer suchen müssen. Ein paar Push-Benachrichtigungen, ein günstigerer Preis und fünf Tage Akkulaufzeit sind keine Argumente, die in den nächsten zwei Jahren noch ziehen.

Warum ich die Pebble erwähne? Sie leistete Pionierarbeit als eines der ersten Produkte am Armgelenk. Sie sprach Menschen mit Technik-Liebe an. Apple Watch führt auf eine gewisse Art diese Idee fort, wirft seinen Schatten aber breiter. Apple Watch soll jeden ansprechen. Jeden, der bereit ist dafür in Version 1.0 zwischen 400- und 1.000-Euro – beziehungsweise 11.000- bis 18.000-Euro, auszugeben.

Apple unterteilt nicht nach Kollektionen für Mann und Frau, sondern beschränkt sich auf die Größe. Es ist keine Nerd-Uhr; kein Vertu-Handy. Apple baut damit wie bisher Technik für jeden – egal welche Ausführung gefällt. Deshalb ist Apple Watch so spannend. Deshalb sehen schon jetzt die Umfrageergebnisse – ähnlich wie damals beim iPad – vielversprechend aus.

Es gibt dieses berühmte Zitat von Wayne Gretzky, das Steve Jobs liebte: „Skate to where the puck is going, not where it has been.“ Für Apple Watch gilt genau das nicht. Unser Handgelenk ist weitgehend unerforschtes Terrain – ganz anders als das Telefon oder das Tablet. Apple skatet diesmal nicht dorthin wo der Puck vermutlich landet, sondern bestimmt seine Flugbahn.

KW11 – so wie sie hier nicht stattfand

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Exclusive: Microsoft’s digital assistant to head to Android, Apple devices

Microsoft has been running its „personal assistant“ Cortana on its Windows phones for a year, and will put the new version on the desktop with the arrival of Windows 10 this autumn. Later, Cortana will be available as a standalone app, usable on phones and tablets powered by Apple Inc’s iOS and Google Inc’s Android, people familiar with the project said.

Microsoft geht dorthin, wo seine Nutzer ohnehin bereits sind.


Apple adds developer guidelines for medical research, bans YouTube ripper apps

8.6 Apps that include the ability to download music or video content from third party sources (e.g. YouTube, SoundCloud, Vimeo, etc) without explicit authorization from those sources will be rejected

Gefunden über das sehr hilfreiche Verzeichnis AppStoreReviewGuidelinesHistory.


Apple schließt gefährliche Freak-Attack-Lücke in OS X und iOS

Apple hat wie in der vergangenen Woche angekündigt die sogenannte Freak-Attack-Lücke in seinen Betriebssystemen geschlossen, mit der sich unter Umständen die SSL/TSL-Verschlüsselung für Web- und andere Anwendungen umgehen lässt.

iOS 8.2 stopft nicht nur die schwerwiegende ‚Freak Attack‘-Sicherheitslücke, sondern patcht auch einen Fehler, mit dem ein Angreifer per SMS ein iPhone und iPad rebooten kann.


Getting started with HERE for iOS: The basics

Die erste iOS-App floppte (zurecht). Die jetzige Verpackung (App-Store-Link) wird der Qualität des Kartenmaterials, das Nokia unter anderem an Samsung und Microsoft lizenziert, gerecht.


Thousands Have Already Signed Up for Apple’s ResearchKit

Stanford University researchers were stunned when they awoke Tuesday to find that 11,000 people had signed up for a cardiovascular study using Apple Inc.’s ResearchKit, less than 24 hours after the iPhone tool was introduced.

“To get 10,000 people enrolled in a medical study normally, it would take a year and 50 medical centers around the country,” said Alan Yeung, medical director of Stanford Cardiovascular Health. “That’s the power of the phone.”

ResearchKit schaffte es nicht zufällig in die Apple-Watch-Keynote. Die aktuellen und (primär) zukünftigen Sensoren der Uhr werden eine zentrale Rolle bei der Datenerhebung einnehmen.

Das wird noch Jahre dauern, aber Tim Cooks Apple verfolgt ernsthaftes Interesse am Gesundheitswesen.

Der ‚Sound Blaster JAM‘ ist ein günstiges Bluetooth-Headset

‚Sound Blaster‘-Soundkarten waren in meiner Jugend der Quasi-Standard. Heute baut Creative unter dieser Marke auch mobile Lautsprecher und Kopfhörer. JAM nennt sich das aktuelle Bluetooth-Headset im 80er-Jahre-Look, das mit seinem günstigen Preis von nur 46 Euro (Affiliate-Link) tatsächlich Spaß macht.

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Alles beginnt bei der Batterielaufzeit, die dank Bluetooth 4.1, ewig erscheint. 12 Stunden Dauerklang sind versprochen; in der iPhone-Menüzeilen kann man bei bestehender Verbindung konstant den Ladestand ablesen. Allerdings ist das fast unnötig: Ich komme mit dieser Akku-Leistung über mehrere Tage, an denen ich obendrein regelmäßig vergesse die Kopfhörer beim Absetzen auszuschalten.

Das zweite Merkmal, das für mich heraussticht, ist das Gewicht von lediglich 84 Gramm. Manchmal erwische ich mich dabei, unbewusst nach den Ohrpolstern zu tasten nur um herauszufinden ob sie noch sitzen. „So geht komfortabel.“

Die Plastik-Konstruktion erlaubt allerdings keinen Spielraum um beispielsweise eine der zwei Ohrmuscheln auf dem Hinterkopf abzusetzen. Insbesondere Zuhause habe ich gerne ein Ohr frei um das Kind zu hören oder nicht regelmäßig von der Familie erschreckt zu werden. Mit diesen Plastikbügeln geht das kaum.

Insgesamt ist die Bauweise der Steuerelemente (Play/Pause, Laut/Leise + Bass-Boost) klapprig. Nach kurzer Eingewöhnung – besonders der Ersteindruck ist nicht schön, störte mich das im Alltag allerdings weniger. Auf die wackeligen Tasten ist nämlich Verlass: Ein Pause-Klick klickt hörbar und unterbricht die Wiedergabe.

Siri lässt sich übrigens nicht direkt am Kopfhörer aktivieren.

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Der Sound ist flach und kann bei Bedarf sehr laut sein. Wunderwelten erwartet zu diesem Preis hoffentlich niemand. Mit seiner sauberen Wiedergabe ist der JAM jedoch mein bevorzugter Podcast-Kopfhörer innerhalb der heimischen vier Wände. Er schirmt zwar nicht gegen die Geräuschkulisse eines Staubsaugers ab, übertrumpfen sie aber. Selbst mit lautem Pegel bleibt die Außenabschirmung hoch, so das ich damit Sohnemann ins Bett bringe und mich dann noch neben ihn legen kann. Durch die breite Bauweise, mit denen der JAM auf den Ohren sitzt, klingt er besser als die meisten In-Ear-Stöpsel aus dieser Preisregion.

Er lässt sich nicht zusammenklappen, verbindet sich aber umgehend mit dem iPhone und ist obendrein kinderleicht aufgesetzt. Ich schaffe das inzwischen mit nur einer Hand und komme deshalb viel häufiger dazu an der ewig wachsenden Podcast-Liste zu arbeiten.

Der Preis ist mehr als fair und der Look, für uns junge Erwachsene, die noch den Sony Walkman mit seinen markanten Bügelkopfhörern aus Kindheitstagen kennen, ansprechend retro.

„How Apple Makes the Watch“

IPhoneBlog de Jonys Videos

Greg Koenig sezierte im Oktober 2013 den Fertigungsprozess von Apples Mac Pro anhand seines offiziellen Werbevideos. In dieser Woche analysierte er die Herstellung von Apple Watch unter Zuhilfenahme der ‚Hardware-Porn‘-Kurzfilme über Steel, Gold und Aluminum.

Dabei stellt sich heraus: Die von Sir Jonathan Ive eingesprochenen Promos zeigen nicht nur die tatsächliche Abfolge in der Herstellung, sondern ein Maß an absurder Sorgfalt.

Though I design aluminum parts, I long ago gave up even attempting to craft them to Apple’s finishing standards. No company in the world is finishing and anodizing to Apple’s level and part of their secret is every perfectly bead blasted Apple surface starts off as a perfectly polished surface. To compete with Apple, one either needs to invest in equipment with prices equivalent to a CNC machine (6 axis robotic arms with custom end actuators – i.e. hands – to hold your parts), or pay staggering sums of money to have an expert hand polish your parts and accept the fact that the best you will ever get is a reject rate of 10%. […]

I see these videos and I see a process that could only have been created by a team looking to execute on a level far beyond what was necessary or what will be noticed. This isn’t a supply chain, it is a ritual Apple is performing to bring themselves up to the standards necessary to compete against companies with centuries of experience.

atomic delights

Erstes öffentliches Beta-Programm für iOS

IPhoneBlog de Beta Programm

Apple verteilt am heutigen Abend iOS 8.3 beta 3 an Entwickler und startet mit der identischen Version (12F5047f) in ein öffentliches Beta-Programm. Die Anmeldung erfolgt mit der eigenen Apple ID auf dieser Webseite. Derzeit ähnelt dies jedoch eher eine Bewerbung: Die Freischaltung erfolgt entweder peu à peu oder per Zufallsauswahl.

Interesse an der iOS-Vorabversion ist kostenlos und unverbindlich. Erst wenn man sich zur Installation entschließt, gilt es die Beta-Bezeichnung ernst zu nehmen. Das betrifft nicht primär Apples Betriebssystem, das hier noch wackelt und ruckelt. In erster Linie gilt dies für Software, die man sich aus dem App Store installiert. Entwickler sind nicht angehalten ihre Apps auf Testsystemen zu überprüfen. Podcast-App Overcast war beispielsweise ein Kandidat, der zuletzt nicht unter der Beta 1 von iOS 8.3 lief. Und der Fix, den man als Beta-Tester grundsätzlich nicht erwarten darf, hing zwei Wochen im Review-Prozess.

Apple Watch geht unter die Haut

BuzzFeed entsendete zwei Journalistinnen zum ‚Spring Forward‘-Event. Ihr Video, inzwischen 1.2 Millionen Mal angeschaut, spaltet die Gemüter.

Tech sites will have a very difficult time adopting a model where emotion is the primary focus of their gadget reviews. If The Verge tried to do an Apple Watch demo like BuzzFeed, their users would rise up in revolt and the reviewer would probably be dismissed (or told to correct the video).

Neil Cybart | „Marketing Implications from BuzzFeed’s Apple Watch Demo Video

Während die (Technik-)Presse weiter über den Preis und die generelle Berechtigung von Apple Watch streitet – ohne sie (länger als 5min) ausprobiert zu haben, blenden Quinta Brunson und Chantel Houston alle technischen Spezifikationen aus und sprechen mit Bauchgefühl. Journalistisch ist das ähnlich fragwürdig wie jedes ‚Hands-On‘-Review von Produkten, die man zwei Minuten zuvor noch nie gesehen hat. Das BuzzFeed-Video fühlt sich im direkten Gegensatz dazu beinahe ehrlicher an.

Apple Watch: Braucht kein Mensch“ titelte Stefan Kuzmany für Spiegel Online. Er ist einer von vielen „grummeligen Medienvertretern“.

Die Apple Watch ist seit Jahrzehnten die erste Produktinnovation aus Cupertino, die keinerlei Sehnsüchte auslöst. Über zehn Jahre lang hat uns die Mobilbranche das Tragen von Armbanduhren abgewöhnt, jetzt plötzlich sollen wir uns dieses klobige Teil umschnallen – und trotzdem noch das Handy dabei haben?

Manchmal erschreckt es, wie tief der Zynismus sitzt, mit dem Leute, die Technik (beruflich) beschreiben, sich nicht mehr an neuen Dingen begeistern können. Nichts gegen eine kritische Meinung – ich selbst bin gespannt darauf wohin sich Computer am Körper entwicklen, aber die Reduzierung auf äußere Faktoren (Preis und Verfügbarkeit), genau wie alle absehbaren Weiterentwicklungen (Batterielaufzeit und Größe), vermisst Weitsicht, oder? Warum erzürnen uns immer noch Tech-Specs, obwohl diese Werte schon heute im Alltag kaum noch eine Rolle spielen?

Dazu gesellt sich die Diskussion nach dem ‚Warum‘. Apples Präsentation war (meiner Meinung nach) pointiert, aber auch ich habe die Veranstaltung nicht mit einer „Ach-deshalb-die-Uhr“-Erleuchtung verlassen.

Das Konzept einer Uhr, in einer Welt gefüllt mit Telefonen, die uns ständig die Uhrzeit anzeigen, ist ohnehin vielleicht keine Funktion mehr. Uhren sind Schmuck. Uhren sind Mode. Fashion übersteigt für mechanische Modelle bei weitem ihre Funktion. Wer heute eine Uhr trägt, der ist nicht darauf angewiesen die Zeit davon abzulesen. Die Uhrzeit herauszufinden, ist kein Problem unserer Generation. Man könnte übertreiben und sagen: Unsere Zeit richtet sich nicht mehr nach der Uhr; zumindest nicht nach dem Konzept, das hinter einer Uhr steht. Unsere Kommunikation, unsere ToDo-Apps, unsere Push-Nachrichten und unsere Kalender zerlegen für uns bereits den Tag; sie reservieren Zeiteinheiten, nach denen wir uns dann richten.

Apple Watch ist alles andere als funktionslos. Es ist ein Sportinstrument und bietet die Möglichkeit mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Wer heute noch gegen die Macht von Apps wettet, wird verlieren. Und trotzdem beantwortet Fashion derzeit in erster Linie die Fragen nach dem ‚Warum‘.

IPhoneBlog de Uhr Schatten

Ich schließe mich da nicht aus. Technik hat in meinem Leben einen so großen Anteil, dass sie mich auch optisch ansprechen muss. Das ist eine persönliche Präferenz. Meine Computer brauchen Stil, müssen in meinen Augen hübsch sein, sonst fällt es mir schwer mich damit zu identifizieren, sie (über mehrere Stunden) zu benutzen.

So denkt keineswegs die ganze Technikwelt. Sonst hätten wir Produkte wie [hier den Name von einem hässlichen Netbook einsetzen] übersprungen; sonst hätte der Mac nach meinem Geschmack mehr Marktanteile.

Viele Kunden präferieren eine Gratis-App mit blinkenden Werbebannern über der 2-Euro-Alternative, die mit viel Liebe und Sorgfalt ihren Feinschliff erhielt. Ich halte das für absolut valide und würde mir nie anmaßen über die Vorlieben oder den Geschmack anderer zu urteilen. Wofür wir Geld ausgeben, was einem wichtig ist, ist so unterschiedlich, das wir es uns als Gesellschaft generell sparen jedes Mal neu darüber den Kopf zu verlieren.

Niemand schüttelt den Kopf wenn ich mir Sneaker für über 100 Euro kaufe. Niemand schüttelt den Kopf wenn Nike mir Sneaker für über 100 Euro verkauft. Nichts anderes gilt für die Preise der Apple Watch(-Armbänder). Mode ist ein nachvollziehbarer Grund, eine Betrachtungsweise für die Kaufentscheidung.

„Apple Watch: Braucht kein Mensch“. Die Liste von Dingen, die niemand braucht, ist lang. Disney World, Parfüm und Spiegel Online, die dir sagen was du nicht brauchst. Aber manchmal, ja manchmal ‚gönnt man sich den Spaß‘.

Ich weiß aber schon jetzt: Ohne Funktion hält sich Apple Watch nicht an meinem Handgelenk. Funktionsarmut hat mir die Uhr vor einigen Jahren vom Handgelenk getrieben. Fashion war für mich nicht Grund genug sie zu tragen. Einzig und alleine Funktionen könnten ‚die Uhr‘ wieder zurückholen. Und genau deshalb ist mir schleierhaft, wie man sich an der derzeitigen Ungewissheit, für diesen moderaten – möglicherweise radikalen Wandel, der schon im April beginnt, nicht begeistern kann.

Ulysses fürs iPad (+ Video)

Ich bin ein großer Fan von Ulysses auf dem Mac (45 Euro; MAS-Link). Seit heute existiert das Gegenstück der Schreibsoftware auch auf dem iPad (20 Euro; App-Store-Link). Meine Kurzvorstellung habe ich aufgeschrieben, eingesprochen und mit ein paar bewegten Bildern der Desktop- und iOS-App ins folgende 3-Minuten-Video1 gemischt.

(Vimeo / YouTube)


  1. Die Videodatei lässt sich natürlich auch direkt von meinem Server als Podcast (iTunes-Link) beziehen. 

Unspektakulär und exakt auf den Punkt

2007: ein Telefon, ein Breitbild-iPod mit Touchscreen und ein „Breakthrough Internet Communicator“.

2015: ein präziser Zeitmesser, ein revolutionäres Kommunikationsgerät und eine fortschrittliche Sportuhr.

Im Gegensatz zur alten Steve-Jobs-Show folgte gestern die Ergänzung: „…and so much more“. Beim zweiten Durchlauf der Keynote fiel mir auf, wie pointiert Apples Aussagen zur Watch saßen. Die Präsentation leierte keine Features runter, sondern zeigte sich zusammenhängend – mit klarer Struktur. Kevin Lynch bestellte mit Apple Watch einen Uber zum Flughafen, schritt mit der Bordkarte auf der Uhr durch die Sicherheitskontrolle und öffnete sein Hotelzimmer ohne Schlüssel. Zwischendrin schrieb er der Familie und (fern‑)steuerte sein Haus.

Das klingt unspektakulär, fast langweilig. Es ist kein Holodeck-Versprechen oder ein selbstfahrendes Auto. Für eine absehbare Zukunft, die schon nächsten Monat beginnt, ist das allerdings mächtig. Apple beschrieb Funktionen, wie wir sie alle im Alltag wiederfinden. Shazam am Armgelenk, um herauszufinden welcher Song gerade im Autoradio spielt, ist praxisnah. Es ist kein Gedankenexperiment oder eine Vision was Computer am Körper einmal leisten können, sondern bereits im April Realität. Nicht zu vergessen: Health in Verbindung mit ResearchKit.

Apple Pay ist in den USA schon heute ein Hit. Apple Watch vereinfacht die Bezahlung erneut. Da dieses Angebot im Moment jedoch nur dort gilt, definiert dies den kleinsten gemeinsamen Nenner. Apple Watch als „unsere persönlichste Technologie“.

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Natürlich war das Maß an Spektakel, das Apple gestern abfeuerte, begrenzt. Nach dem Herbst-Event im letzten Jahr kannte jeder den groben Leistungsumfang, den Apple Watch in seiner ersten Generation abdeckt. Apple trommelte in der gestrigen Veranstaltung noch einmal kräftig für diese Basics, die sie ähnlich wie das Preisspektrum und die Batterielaufzeit verständlich kommunizierten. Das muss nicht jeder für sich als begehrenswert empfinden, das muss nicht jeder jetzt kaufen, aber man muss festhalten, das die gestrige Erklärung funktionierte1.

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Tim Cook gelang außerdem der Spagat, das iPhone als absolut notwendige Komponente herauszuarbeiten. Apple Watch spricht nicht nur über Bluetooth, sondern auch über WiFi mit dem iPhone. Zuhause oder im Büro muss man sein Telefon also nicht in Armlänge halten um Apple Watch zu benutzen. Apple unterstrich, woher die Apps kommen: aus dem App Store auf dem iPhone.

Apple Watch darf man sich für eine lange Zeit nicht ohne ein iPhone vorstellen, selbst wenn die Apps wie angekündigt bald eigenständig auf der Uhr laufen.

Fine, the Apple Watch may well “empower and enrich” the lives of those who wear it. As I said, the use-cases on parade today were compelling, and I haven’t even touched on the possibilities hinted at by the debut of the associated health diagnostic platform ResearchKit. But it’s also going to power iPhone sales. It’s going to push veteran iPhone users to upgrade to new iPhones and it’s going to give folks on rival mobile platforms one more reason to switch.

John Paczkowski | „The Apple Watch Isn’t A Watch, It’s An iPhone Sales Engine


  1. Apple nimmt im nächsten Monat Vorbestellungen entgegen, ohne einen einzigen Tech-Spec der Uhr preiszugeben